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07 Januar 2018, 17:25
Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts

Johannes Hartl warnt beim Abschluss-Vortrag bei der MEHR2018 am Sonntag: Christen im Westen bei geistlichen Themen ein bißchen naiv. kath.net-Bericht von Roland Noé
Augsburg (kath.net/rn)
Johannes Hartl hat am Sonntag in Augsburg bei seinem Abschlussvortrag bei der MEHR2018 das Thema „Asche“ aufgegriffen und dabei die Erfahrungen des Elias im Alten Testament zum Thema gemacht. Der Augsburger Theologe erklärte, dass auch Elias ein „Burn Out“ und einen Absturz hatte. „Alle Helden der Bibel sind echte Menschen. Darum können wir so sicher sein, dass es authentisch ist. Das sind keine Heldengeschichten. Im Reich Gottes darfst Du ehrlich sein, wir dürfen die ganze Story erzählen.“

Elias war ein echter Prophet, der große Erfolge hatte. Doch plötzlich lief er vor lauter Angst weg, legte sich unter dem Ginsterstrauch und wollte sterben. „Wenn Du durch so eine dunkle Phase gehst, vergisst Du vergangen Erfolge“, das sei „auf einmal wie weg“. Er beklagt sich: „‚Ich allein bin übrig, nun trachten sie mir nach dem Leben.‘ Er hat diesen Erfolg offensichtlich gerade komplett vergessen. Er sieht nur noch sein eigenes Schicksal. Er sieht nur noch sich selbst.“

Der Leiter des Gebetshauses Augsburg stellte fest, dass Gott dieses Aussprechen zulässt. „Gott ist nicht überfordert mit deiner Rebellion, Deiner Bitterkeit.“ Dann lässt Gott in der Asche ein Brot für Elia packen, ein Engel kümmert sich um. Durch diese Speise gestärkt macht er sich auf zu einer 40-tägigen Reise zum Berg Horeb. „Elia muss erst einmal lernen, dass er sich nicht selber versorgt und dass er empfangen muss.“

Gott führt ihn laut Hartl noch viel tiefer in die Wüste hinein, denn „Horeb“ heißt eigentlich übersetzt „Verwüstung“ und „Ödnis“ Dort wird Elia gefragt: „Was ist los mit Dir? Was treibt Dich um?“ Im Anschluss daran folgt die berühmte Klage des Propheten. „Er habe sich so angestrengt, so geeifert. Man könnte fast meinen: Vielleicht ist das Teil Deines Problems. Eifer ist nicht automatisch eine Gabe des Heiligen Geistes. Eifer ohne Weisheit wird zum Götzen. Er zwingt uns Dinge zu erwarten, die unrealistisch sind und außerhalb des Zeitplans Gottes stehen.“

Hart betonte nochmals: „Nicht alles, was im Namen des Herrn unternommen wird, ist auch von Gott geführt. Es gäbe viele Frommen, die im Namen Gottes mit gleichen Waffen wie die Welt kämpfen. Verbal und vom Geist her unterscheiden sich die Kampfpraktiken nicht so viel.“ Elias steht dann vor Gott und aus ihm bricht dieser Ärger und Trauer raus. Und Gott war dann in einem „sanften Säuseln“ anwesend. „Jetzt begegnet ihm Gott auf ganz andere Weise. Da wartet auf ihn eine neue und neuartige Begegnung.“

„Gott hat plötzlich neue Pläne und Projekt“. Daraus könne man lernen, dass Gott solche Geschichten zulasse. „Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu, der wird nicht zulassen, dass ihr überfordert werdet. Das bedeutet, für jeden Test in Deinem Leben, für jede Krisenzeit, für jedes hat Gott schon den Sieg vorbereitet, mit dem Du durch den Test kommen solltest.“

Hartl erklärte dann: „Man könnte sagen: Für jede Krise hat Gott schon die Goldmedaille erschaffen, die nur durch diese Krise zu gelingen ist. Gott weiß, was er tut. Er lässt Dich nur in Kämpfe kommen, die Du gewinnen kannst. Gewinnen geht manchmal auch richtig durch Asche. Solche Tests sind notwendig, weil Du dadurch etwas Wesentliches lernst.“

Im geistlichen Leben sind laut dem Leiter des Augsburger Gebetshauses solche Tests nötig. „Manchmal muss erst etwas verbrennen, bis man merkt, dass es gar nicht Gottes Auftrag war. Jeder baut so ein bisschen weiter, mit unterschiedlichen Baustoffen. Was das Bauwerk eines jeden taugt, wird im Feuer offenbar. Unser eigenes Herz ist trügerisch. Wir können oft nicht gut unterscheiden. Träume ich den eigenen Traum oder folge ich dem Herrn? Es ging nicht nur um den Herrn. In solchen Phasen trennt die Spreu von Weizen: Mein Traum oder Dein Traum?“

Hartl erklärt anschließend, dass es im geistlichen Leben keinen „Rückzug aus Angst“ geben sollte. „Gott hat Dich für den Angriff gemacht. Ein Davonlaufen, um Deine Seele zu retten, ist nicht gesund. Sicher ist es nur an dem Ort, wo Gott Dich hingestellt hat. Du bist nicht sicher, wenn Du aus Angst irgendwo hinläufst, wo Du auf Dich selber aufpasst. Trag keine Sorge alleine. Nur eine ist schon zu viel für Dich. Das Werk ist mein, mein Werk allein. Der Herr sagt: Ruh in mir, lerne zu warten auf meine Initiative. Das ist ein lebenslanges Lernen. Gerade für uns, die wir für den Herrn aktiv sein wollen.“

Der Theologe warnt dann, dass wir Christen im Westen bei geistlichen Themen ein bisschen naiv seien. „Es gibt tausende von großen Männern und Frauen Gottes, die abgeschossen werden wie die Karnickel. Es gibt auch einen Feind. Lernen wir, unter dem Schutz des Herrn zu gehen. Wir schicken zu viele Soldaten ins Feld, ohne dass sie Feuerdeckung haben. Dann wundern wir uns, warum die so häufig kaputt gehen.“

Hartl erläuterte, er habe manchmal den Eindruck, dass die geistliche Welt nicht ernst genommen werde. „Wenn Du möchtest, dass Leute vom Heiligen Geist berührt werden, brauchst Du eine andere Vorbereitung. Es ist kein Spiel! Es ist eine reale geistliche Welt. Manche haben geistliche Schwangerschaften. Manche haben geistliche Wüsten. Dann haben diese Dinge eine andere Durchschlagskraft.“

Hartl erinnert in dem Zusammenhang auch an Billy Graham, der einmal sinngemäß gesagt hat: „Wenn sich der Heilige Geist schlagartig von der Erde zurückziehen würde, könnten 90 Prozent der geistlichen Aktivitäten der Christen trotzdem weiterlaufen, keiner würde es merken.“

Das Reich Gottes sei auch immer eine Familie und immer auch Team. Was könne man für Lektion aus der Geschichte des Elias lernen. Hartl meint dazu: „Diese Erneuerung von Elias passiert nicht dadurch, dass er ein Buch gelesen hat oder ein Ratgeber zu ihm gesprochen hat. Das Schlüsselereignis ist diese neue Begegnung mit Gott. Ich glaube, dass Elias nachher nicht mehr so gelebt hat wie vorher.“

Von höchster Priorität sei daher eine „neue Begegnung mit Gott“. „Dort am Horeb, am Ort der Wüste. Dies sei ein biblisches Prinzip. Bei Mose beginnt alles mit dieser Begegnung mit Gott. Ich bin der ich bin. Die oberste Priorität sei daher, dass das Erstes Gebot an Erster Stelle stehen muss.“

An zweiter Stelle – aber genau so wichtig – stehe die Beziehung zum Nächsten: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Das war auch das Geheimnis Jesu. Darum hatte Jesus keine Homepage nötig. Das wird immer anziehend sein.“ „Bist Du der Mensch, der vor Gott steht oder vor den Menschen steht?“ „Wir verlieren uns immer wieder. Wir brauchen diese Zeiten, um zurückzukommen und zu sagen: Hier bin ich. Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts.“

Hartl erinnert abschließend, dass Gott durchaus weiß, was er tut. „Seine Absichten sind gut für das Volk. Auch Jesus hatte in Zeiten von Krise und von Verfolgung den Wunsch zurückzugehen zum Ort, wo alles anfing. Auch Du hast einen Ort, wo alles anfing. Manchmal müssen wir hier zurückkommen. Hier bin ich.“

Nach dieser Begegnung am Gottesberg kam Elias zurück. Sein Wirken war dann sogar noch mächtiger und sein Nachfolger konnte doppelt soviel Wunder machen. „Der Herr kann jede Asche in Deinem Leben verwenden, um etwas zu machen, was viel größer ist als Du jetzt ahnst. Verlier die Hoffnung nicht. Gott hat eine lebenslange Reise mit Dir vor. Die Welt wartet auf solche Männer und Frauen Gottes, die vom Feuer Gottes bewegt sind. Wo wir den Blick verloren hat, kehren wir zurück.“