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28 Dezember 2017, 08:00
Früherer Glaubenspräfekt Kardinal Müller wird 70

Benedikt XVI. holte Müller 2012 nach Rom und machte ihn zu wichtigstem theologischen Berater und Leiter der ältesten zentralen Kurienbehörde - Franziskus verlängerte im Juli Müllers Amtszeit nicht.

Rom (kath.net/ KAP)
Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, wird am 31. Dezember 70 Jahre alt. Der in Mainz geborene südwestdeutsche Kirchenmann leitete das bedeutende Dikasterium bis vergangenen 1. Juli. Fristgerecht nach fünf Jahren am 2. Juli endete seine Amtszeit, nachdem Papst Franziskus auf eine mögliche Verlängerung verzichtet hatte.

Im Interview mit der Zeitung "Passauer Neue Presse" kritisierte Müller die Vorgangsweise des Papstes, der ihm "innerhalb einer Minute seine Entscheidung mitgeteilt" und keine Gründe genannt habe: "Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren." Zu Müllers Nachfolger sowohl als Präfekt der Glaubenskongregation als auch u.a. der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei" berief Franziskus den spanischen Jesuiten Erzbischof Luis Ladaria Ferrer.

Gerhard Ludwig Müller studierte Theologie in Mainz, München und Freiburg. 1977 wurde er zum Priester geweiht und promovierte bei Karl Lehmann über Dietrich Bonhoeffer, 1985 habilitierte er sich bei Lehmann mit einer Arbeit zum Thema "Gemeinschaft und Verehrung der Heiligen". Danach lehrte Müller in München Dogmatik und verfasste ein Standardwerk über diese theologische Disziplin. 2016 erschien sie bereits in zehnter Auflage und ist auch auf Spanisch, Italienisch, Ungarisch und Chinesisch zu haben. Wie er darin das Dogma von der jungfräulichen Geburt Jesu begreifbar zu machen versucht, machte ihn für konservative Kräfte in der Kirche damals verdächtig.

Nach seiner Ernennung zum Bischof von Regensburg 2002 wurde Müller Mitglied der Glaubenskongregation. Zehn Jahre lang war Müller Bischof an der Donau. Lange Zeit war er in der Deutschen Bischofskonferenz führend für Ökumene zuständig.

In seiner Regensburger Zeit verschaffte sich Müller unter anderem durch Auseinandersetzungen mit Pfarrgemeinderäten und umstrittene Gremienreformen den Ruf eines Konservativen. Außerdem wurden in seiner Amtszeit Fälle von Misshandlungen und Missbrauch bei den weltberühmten Regensburger Domspatzen öffentlich. Unter Bischof Müller begann eine langwierige Aufarbeitung, die erst in diesem Jahr unter seinem Nachfolger Rudolf Voderholzer abgeschlossen wurde.

Im Sommer 2012 holte Benedikt XVI. Müller nach Rom und machte ihn zu seinem wichtigsten theologischen Berater und Leiter der ältesten zentralen Kurienbehörde. Müller, der die Kirche und Theologie Lateinamerikas gut kennt, war 2013 sogar einer der ersten Präfekten, die Papst Franziskus im Amt bestätigte.

Als Chef der früheren vatikanischen "Inquisitionsbehörde" war Müller auch Präsident der Päpstlichen Bibelkommission, der Internationalen Theologenkommission sowie der für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständigen Kommission "Ecclesia Dei".

70. Lebensjahr wohl auch schwierigstes

Für Müller war sein 70. Lebensjahr wahrscheinlich sein schwierigstes. Zuletzt war er häufig zu hören und zu lesen. Was er denn jetzt mache, wurde der Kardinal etwa gefragt. "Ich kann mich vor Einladungen aus der ganzen Welt nicht retten", antwortete er und war seither unter anderem in deutschen, italienischen wie amerikanischen Medien präsent.

Die Themen, zu denen er sich äußerte, waren die Debatte um das Papstschreiben "Amoris laetitia", Spannungen in der Kurie und sein Ausscheiden als Behördenchef. Ob die Bemerkung des Papstes in der Weihnachtsansprache an die Kurie gegen "sanft entfernte" Mitarbeiter, die sich anschließend öffentlich beschweren, auch auf ihn gemünzt war, bleibt offen. Gehört hat Müller sie; am Donnerstag war er in der Sala Clementina dabei.

Der frühere Dogmatikprofessor hatte Anfang des Jahres auch ein viel beachtetes Buch über Amt und Auftrag des Papstes veröffentlicht. Darin findet sich der Satz: "Die höchste Verantwortung, die Gott einem Menschen auf Erden überträgt, ist die Mission des Bischofs von Rom." Die wiederum erklärte er ausführlich nicht nur in dem Buch, sondern auch in Interviews.

Müller ist Freund von einem der Väter der Befreiungstheologie, dem Peruaner Gustavo Gutierrez. Ihn und das Land hat Müller immer wieder besucht. Seine Erfahrungen in der Seelsorge dort beschrieb er in einem Buch als lehrreich und bereichernd.

Dass Kardinal Müller im Herbst von traditionalistischen Kreisen in Rom eingeladen wurde, um über die Wiederzulassung des vorkonziliaren Messritus zu sprechen, rückte ihn für manche in eine entsprechende Richtung. Dabei ist er selbst kein Anhänger dieses Ritus. Und auch in der teils polemischen Debatte um das Papstschreiben "Amoris laetitia" ließ Müller sich in keine Schublade stecken.

Er verwahrte den Papst gegen jegliche Häresievorwürfe und betonte, das Dokument stehe in der Tradition des katholischen Lehramts. Müller, der damals die Glaubensbehörde noch leitete, ist aber auch der Ansicht: "Wenn man auf die Glaubenskongregation gehört hätte, hätte man das Ziel besser erreicht und wäre besser gegen Einwände gewappnet gewesen."

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Foto: (c) Markus Gehling