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14 Dezember 2017, 08:30
Muslimischer Theologe fordert mehr kritischen Dialog mit Islam

Abdel-Hakim Ourghi fordert Kirchen und Politik zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Islam auf – Wenn Entscheidungsträger zu defensiv reagierten, könnte sich ein konservativer Islam etablieren, unvereinbar mit säkularer Staatsordnung
Freiburg (kath.net) Der Freiburger Islamwisssenschaftler Abdel-Hakim Ourghi fordert Kirchen und Politik dazu auf, sich kritisch mit dem Islam auseinanderzusetzen. Er habe zwar einerseits Respekt davor, „wie sehr die Politiker der etablierten Parteien und die beiden Kirchen um Dialog mit den konservativen Dachverbänden bemüht sind“, schreibt er in der „Süddeutschen Zeitung“. Doch warnte er, dass Kritik, auch „unangenehme Wahrheiten nicht ausgesprochen werden, um nicht den Zorn der muslimischen Minderheitsgesellschaft auf sich zu ziehen“. Wenn allerdings Entscheidungsträger zu defensiv reagierten, könnte sich ein konservativer Islam etablieren, und dieser Islam sei „mit einer säkularen und pluralistischen Staatsordnung und den damit verbundenen Werten nicht vereinbar“.

Außerdem forderte Ourghi die Muslime zu mehr Selbstkritik auf. Viele Muslime fühlten sich von Kritik „in ihrer religiösen Ehre verletzt“, auch dann, wenn diese Kritik differenziert geäußert werde. Doch verschlimmere eine solche Haltung die Lage noch. Ourghi fordert deshalb: „Kritik muss ein Teil unserer kollektiven Identität werden, andere Meinungen dürfen nicht als Infragestellung des Eigenen betrachtet werden.“ Immerhin sei die Mehrheit der Muslime friedlich und dies bezweifle niemand. Doch seien „Beschönigung und Rechtfertigung anstelle von Aufklärung und Reform“ „letztlich ein Bestandteil des Problems“.

Der muslimische Theologe Ourghi gilt als reformorientiert. Er ist mit Imamin und Frauenrechtlerin Seyran Ates Mitbegründer der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Über die Erneuerung des Islams hat er ein Buch veröffentlicht.