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12 Dezember 2017, 09:30
Berlin: Jesuitengymnasium stellt kopftuchtragende Lehrerin ein

Das von Jesuiten betriebene Canisius-Kolleg will mit der Entscheidung für diese Muslimin eine offene Debatte über Religion anstoßen.

Berlin (kath.net) Das von Jesuiten betriebene Canisius-Kolleg wird eine kopftuchtragende Berlinerin als Lehrerin einstellen. Man habe sich bewusst für diese Kandidatin entschieden, sagte der Rektor des humanistischen Gymnasiums, Pater Tobias Zimmermann, im Interview mit der „Welt“. Im Bewerbungsverfahren habe die Muslimin am meisten überzeugt. Seitens des Gymnasiums wisse man, dass man mit dieser Entscheidung „einen Pflock eingeschlagen“ habe, genau dies wollte man. Das Einstellen einer kopftuchtragenden Muslimin versteht er als einen Dienst an der Gesellschaft. Eine burkatragende Muslimin würde er allerdings nicht einstellen, ebensowenig eine Muslimin, die sich weigert, Männern die Hand zu geben.

Der Rektor betonte, es ihn würde „glücklich“ machen, wenn man damit eine offene Debatte über Religion anstoßen könnte. Das Berliner Neutralitätsgesetz verbietet bestimmten staatlichen Angestellten, dass sie keine Kleidungs- oder Schmuckstücke tragen dürfen, die deutlich für eine bestimmte politische oder religiöse Position stehen, doch gilt dieses Gesetz nicht für katholische Schulen. Zimmermann vertrat gegenüber der „Welt“, dass dieses Gesetz Religion zur Privatsache mache. Dass auch Christen diese Verbannung ins Private mitmachen, trage zum Niedergang des Christentums in Deutschland bei. Zimmermann plädiert auch dafür, dass Christen das Kreuz wieder stärker in ihren Alltag hereinholen. Dem soll nach Vorstellung Zimmermanns ein offener Diskurs mit dem Islam folgen, auch über den Umgang mit Symbolen.

In Berlin ist das Neutralitätsgesetz stark diskutiert. CDU und SPD treten für die Beibehaltung ein. Die Kirchen, die Grünen und die Linkspartei plädieren für eine Überprüfung. Beispielsweise kam es zu Klagen von Lehrerinnen, die wegen ihres Kopftuches nicht eingestellt wurden. Eine evangelische Lehrerin durfte gemäß Dienstanweisung ihrer Vorgesetzten ein kleines Kreuz an der Halskette nicht mehr in der Schule tragen, kath.net hat berichtet.

Foto: Symbolbild