12 Dezember 2017, 08:00
„Mir scheint es nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen“
 
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Mainzer Bischof Kohlgraf nimmt in Diskussion über Vaterunser-Bitte Stellung und plädiert dafür, das Gebet so wie bisher zu belassen – „Jesus selbst wird der Ruf nach dem scheinbar abwesenden Gott am Kreuz auch nicht erspart“

Mainz (kath.net) Dass „besorgte oder interessierte Gläubigen“ auch in seiner Umgebung über eine mögliche Neuformulierung der Vaterunserbitte „Führe uns nicht in Versuchung“ diskutieren und die Diskussion längst die theologische Fachwelt verlassen hat, nahm der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zum Anlass für eine Stellungnahme auf Facebook. Kohlgraf reagierte, nachdem sich zuerst der kath.net hat berichtetRegensburger Bischof Rudolf Voderholzer, dann kath.net hat berichtetPapst Franziskus zu der in französischen Übersetzungen neu eingeführten Änderung der Bitte geäußert hatten.

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Es führe „kein Weg an der Feststellung vorbei, dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext im Matthäus- und Lukasevangelium“ entspreche. Auch seien „frühere Versuche, die griechische Version ins Aramäische, der Sprache Jesu zurück zu übersetzen“, „nicht eindeutig gelungen“, deswegen nehme man „den griechischen Text als das Gebet Jesu“.

Dabei gehe es bei der sechsten Vaterunserbitte „nicht um kleine Versuchungen, sondern um die Situation einer Grundentscheidung für oder gegen Gott“, erläuterte Kohlgraf. „Im Alten Testament erleben Abraham, das Volk Israel oder auch Hiob solche Versuchungen, in denen alles auf dem Spiel steht. Wer vermutet, dass dieser Gedanke im Neuen Testament keine Rolle spiele, irrt. Denn Jesus selbst erlebt, dass der Geist ihn in die Wüste führt, wo er dann die Versuchungen durch den Teufel erfährt. Der Geist selbst also führt Jesus in die Situation, sich für oder gegen den Vater entscheiden zu müssen (Vgl. Mt 4,1-11). Eine entsprechende Situation wiederholt sich vor seinem Leiden im Garten Gethsemani (Mt 26,36-46). Für Jesus stellt sich die Versuchung, am kommenden Leiden zu verzweifeln, davon zu laufen, oder die erlebte Abwesenheit Gottes auszuhalten und das Leiden anzunehmen.“ Der Mainzer Bischof betonte eigens, dass Gott „offenbar nicht nur ‚lieb‘“ sei, sondern dass „in seinem Ratschluss uns Menschen“ „vieles“ verborgen bleibe.

Kohlgraf erklärte weiter, dass Menschen „in solche existenziellen Prüfungssituationen“ kämen, in denen sie vor „der grundlegenden Frage“ stünden, ob sie Gott vertrauten oder sich von ihm lossagten. Dabei lasse die Bibel die Möglichkeit zumindest zu, „dass Gott Menschen eine solche Situation nicht erspart, ja sogar herbeiführt. Und tatsächlich entspricht das der Lebenswirklichkeit. Gott ist für viele Menschen eine Frage, sie erleben den Glauben geprüft und unsicher angesichts von Leid und Tod. Man tut ihnen keinen Gefallen, wenn man ihren Schrei, ihre Klage, ihre Wut, die sie gegebenenfalls formulieren, nicht ernst nimmt, indem man die dunklen und unverständlichen Seiten Gottes ausblendet. Jesus selbst wird der Ruf nach dem scheinbar abwesenden Gott am Kreuz auch nicht erspart.“

Deshalb bete man in der sechsten Vaterunserbitte, „dass Gott eine solche Situation weder herbeiführt noch zulässt, er möge uns vielmehr vom Bösen erretten. Mir scheint es nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen und alles wegzustreichen, was ich nicht verstehe. Allein, dass über ein Gebet so diskutiert wird wie derzeit, spricht dafür, die Übersetzung zu belassen.“

„Und führe uns nicht in Versuchung“ –
Zu einer aktuellen Diskussion über die 6. Vater-unser-Bitte
In den vergangenen...

Posted by Bischof Peter Kohlgraf on Sonntag, 10. Dezember 2017


Archivfoto Bischof Kohlgraf




Archivfoto Bischof Kohlgraf © Bistum Mainz / Blum

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