04 Dezember 2017, 16:00
Öffnet die Tore, denn der König kommt!
 
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„Wie oft schon ging Weihnachten einfach spurlos an mir vorüber und es kamen mir Zweifel, ob das nicht einfach nur eine tolle Geschichte vor zweitausend Jahren war. Aber die Wahrheit ist…“ Von Lucia Kirchgasser

Wien (kath.net/Medju aktuell) Im Advent denk ich besonders oft und gern zurück an die Zeit, wo ich noch ganz klein war. Herrlich naiv, das Herz weit offen, voller Fantasie und großer Träume. Ich wollte Bücher schreiben, eine mutige Prinzessin sein und „den besten Mann auf der ganzen Welt“ heiraten – meinen Papa. Immer war ich bereit, das Gute zu glauben und einfach jedem zu vertrauen. Alles ist möglich! Warum auch nicht?! Jeder Tag ein neues Abenteuer! Schon morgens konnte ich es nicht abwarten, bis es endlich wieder losgeht. Das ganze Leben war so aufregend, dass ich kaum Zeit zum Essen oder Schlafen gefunden habe, weil es so viel zu entdecken und zu erleben gab. Aber bis zur Herrlichkeit des Himmels ist es ja leider noch ein Stück und das Leben, die Menschen und meine Erfahrung zeichnen mich. Plötzlich kommen erste Zweifel – bin ich wirklich gut, so wie ich bin? Bin ich wirklich geliebt? Wieso lachen alle über mich? Wieso sieht mich niemand? Warum hört mich niemand? Bin ich falsch? Vor allem die Worte derer, die wir am meisten lieben und bewundern, hinterlassen die tiefsten Spuren. Spuren aus denen etwas wachsen kann aber vor allem auch Spuren, die bluten und vernarben und uns hart machen. Schon so früh hab ich angefangen, die Mauern rund um mein Herz aufzubauen. Je älter ich geworden bin, desto höher, dicker und massiver der Wall, den ich aufgeschüttet habe. Zu vieles hat mich schon verletzt, zu viele haben mein Vertrauen missbraucht, mich entmutigt, mir Würde, Schönheit und Freiheit gestohlen.

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Wie oft wurdest du schon verlassen, klein gemacht, gedemütigt? Wie oft hat dir jemand gesagt, dass du es nicht kannst, nicht schaffst, nicht gut genug machst, dass du nicht gut genug bist?

All das ist unerträglich für ein Herz. Innerlich lebt man in ständiger Angst, vor dem, was als nächstes kommt. Ich wollte mich schützen, den Schmerz aussperren. Was wäre besser als eine dicke Mauer, durch die nichts mehr eindringen kann. Wie gerne habe ich doch meine Freiheit weggeworfen, um mich vor der Unberechenbarkeit des Lebens zu schützen?! Aber was ich vergessen habe, ist, dass Mauern nicht nur den Feind abhalten, sondern auch all das Gute, das Gott mir schenken will!

Ich hab mich gefragt, wieso Gott so fern ist, wieso er mich nicht hört und nichts macht. Wie oft schon ging Weihnachten einfach spurlos an mir vorüber und es kamen mir Zweifel, ob das nicht einfach nur eine tolle Geschichte vor zweitausend Jahren war. Aber die Wahrheit ist, ich habe Gott gar nicht die Möglichkeit gegeben, sich mir anzunähern, mir seine Liebe zu zeigen. Das mit dem freien Willen ist so eine Sache… Gott sind in all seiner Allmacht die Hände gebunden, wenn ich ihn aussperre!

Vielleicht sitzt auch du jetzt einsam und scheinbar verlassen in deiner Burg, eingesperrt von deiner eigenen Angst, aber sei dir gewiss, es ist nicht nur der Feind der dich belagert. Nein! Gott, er ist es der um dich kämpft! Er kämpft FÜR dich und UM Dich! Er ringt um dein Herz! Aber sein Kampf sieht anders aus, als wir es erwarten. Gott ist so anders, als das, was wir kennen! Er ist immer schon andere, sonderbare Wege gegangen... Er kommt nicht mit dem Getöse und Brausen eines mächtigen Sturms, er kommt nicht im Feuer oder Beben. Er wählt das Kleine, Unscheinbare. Er entscheidet sich für die sanfte Brise, die dich zärtlich berührt, dir Kühlung bringt, dein Herz aufatmen lässt. Er ist in der Stille deines Seins, im Frieden eines Augenblicks. Er kommt nicht als starker Held, als prächtiger König, mit Prunk, Reichtum und Macht, sondern als Kind - so unwiderstehlich süß, dass man die Augen nicht davon lassen kann, so kostbar, dass die Antwort nur Liebe sein kann. Der Anblick eines kleinen Kindes, er wärmt dein Herz, auch wenn du dich dagegen sträubst. Ein Kind, ein Zeichen für Hoffnung, für Freude, ein neues Leben. Genau das ist es, was Gott dir schenken will!

Wo stehst du? Wofür entscheidest du dich – für die Angst oder das Leben? Hast du den Mut, das Tor zu öffnen, wenn er klopft?
Klopft dein Herz jetzt?
Denkst du, Gott will dich jetzt?
Fragt er dich jetzt „Bist du bereit, mich neu in dein Leben zu lassen?“.

Wie öffnet man sein Herz? Es ist irgendwie ein so abstrakter Gedanke… So abstrakt, dass ich überzeugt bin, dass es eine ganz konkrete Handlung braucht! Steh auf von deinem Platz, sei mutig, gib ihm laut dein JA! „Ja, Gott ich gebe dir mein Leben, ich wähle die Freiheit, ich wähle Dich!“
Ich weiß nicht, wies dir geht, aber auf meiner Lebenszielliste steht der Punkt „erobert werden“ – ich werde dahinter jetzt einmal ein Häkchen setzen! Und du? Was tust du?

Dieser Artikel der kath.net-Jugendkolumnistin Lucia Kirchgasser ist ist kurzem in „Medju aktuell“ erschienen.

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