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20 November 2017, 13:30
Wiederverheiratete und 'Pathologie schismatischer Zustände'

Der Wiener Dogmatiker Tück verteidigt in einem Beitrag das innerkirchlich umstrittene päpstliche Schreiben "Amoris laetitia", trotzdem wünsche er sich ein klärendes Wort von Papst Franziskus. Dieser müsse mit den Kritikern reden
Wien (kath.net) Der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück verteidigt in einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) das innerkirchlich umstrittene päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" den neuen Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen. Wörtlich schreib der Theologe: "Erst in Anmerkung 351 gesteht Franziskus für komplexe Einzelfälle zu, was seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. noch ausgeschlossen haben: dass nämlich Katholiken, die geschieden sind und in einer zivilen Zweitehe leben, zu den Sakramenten hinzutreten können. Manche fragen: Ist jetzt erlaubt, was vorher verboten war?" Für Tück sei das Schreiben eine "legitime Fortschreibung der bisherigen Lehre", aber kein "Traditionsbruch.

Trotzdem wünsche sich Tück ein klärendes Wort des Papstes, da das Schreiben einen weiten Interpretationsspielraum eröffnet, der zu problematischen Folgeentwicklungen auf nationaler Ebene führe. Damit meint der Dogmatiker, dass in einigen Ländern der Sakramentempfang für Wiederverheiratete nach vor abgelehnt werde, in anderen Ländern aber erlaubt werde. "Feine Risse zeichnen sich ab, die längerfristig die Einheit der katholischen Weltkirche gefährden könnten. Wenn sich die «heilsame Dezentralisierung», die den jeweiligen Ortskirchen mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei der Inkulturation des Evangeliums geben will, nicht zu einer Pathologie schismatischer Zustände auswachsen soll, müsste der Papst noch einmal das Wort ergreifen, mit seinen Kritikern reden und die Spielräume verteidigen, die er zur Implementierung einer situationsbezogenen und einzelfallgerechten Praxis der Barmherzigkeit nutzen will. Schweigen kann für einen Brückenbauer nicht die letzte Antwort sein.", schreib Tück dazu in seinem Beitrag in der NZZ.