30 November 2017, 10:00
Benedikt XVI. und der heilige Apostel Andreas
 
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Jesus prophezeit die Kirche der Griechen, die Kirche der Heiden, die Kirche der Welt als Frucht seines Pascha.

Rom (kath.net/as) Im Rahmen seiner ersten Katechesenreihe bei der Generalaudienz über die Apostel und die ersten Christen der Urkirche setzte sich Papst Benedikt XVI. am 14. Juni 2006 mit dem Apostel Andreas – Bruder des Petrus – auseinander.

„Einem antiken Bericht vom Anfang des 6. Jahrhunderts zufolge, der den Titel Passion des Andreas trägt, soll der Apostel damals gesagt haben: »Gegrüßet seist du, o Kreuz, das du durch den Leib Christi geweiht und von seinen Gliedern wie mit kostbaren Perlen geschmückt wurdest. Bevor der Herr dich bestieg, hattest du irdische Angst eingeflößt. Jetzt hingegen bist du mit himmlischer Liebe ausgestattet und wirst deshalb wie eine Gabe empfangen. Die Gläubigen wissen von dir, welch große Freude du besitzt, wie viele Geschenke du bereithältst. Nun komme ich sicher und voller Freude zu dir, damit du auch mich unter Jubel als Jünger dessen empfängst, der an dich gehängt wurde… O seliges Kreuz, das du die Majestät und Schönheit der Glieder des Herrn empfingst! … Nimm mich, führe mich weit weg von den Menschen und gib mich meinem Meister zurück – auf daß mich durch dich derjenige empfange, der mich durch dich erlöst hat. Gegrüßet seist du, o Kreuz; ja, sei wahrhaft gegrüßt!«

Wie man sieht, tritt hier eine sehr tiefe christliche Spiritualität zutage, die im Kreuz nicht so sehr ein Folterwerkzeug sieht als vielmehr das herausragende Mittel für eine vollkommenen Angleichung an den Erlöser, an das in die Erde gefallene Weizenkorn. Wir müssen daraus eine sehr wichtige Lehre ziehen: Unsere Kreuze erhalten einen Wert, wenn sie als Teil des Kreuzes Christi betrachtet und angenommen werden, wenn der Abglanz seines Lichtes sie erreicht. Nur von jenem Kreuz werden auch unsere Leiden geadelt und erhalten ihren wahren Sinn.“

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Anlässlich des heutigen liturgischen Gedenktags des Apostels Andreas veröffentlicht kath.net die Katechese Benedikts XVI. vom 14. Juni 2006:

Liebe Brüder und Schwestern!

In den letzten beiden Katechesen haben wir von der Gestalt des hl. Petrus gesprochen. Jetzt wollen wir, soweit es die Quellen erlauben, auch die anderen elf Apostel ein wenig näher kennenlernen. Daher sprechen wir heute vom Bruder des Simon Petrus, dem hl. Andreas, der ebenfalls einer der Zwölf ist. Die erste Eigenschaft, die bei Andreas auffällt, ist der Name: Es ist kein hebräischer Name, wie man es sich eigentlich erwarten würde, sondern ein griechischer Name; das ist ein nicht unbedeutendes Zeichen einer gewissen kulturellen Aufgeschlossenheit seiner Familie. Wir befinden uns in Galiläa, wo die griechische Sprache und Kultur ziemlich stark vertreten sind. In den Aufzählungen der Apostel steht Andreas an zweiter Stelle – bei Matthäus (10,1–4) und Lukas (6,13–16) – beziehungsweise an vierter Stelle – bei Markus (3,13–19) und in der Apostelgeschichte (1,13–14). Auf jeden Fall besaß er innerhalb der ersten christlichen Gemeinden sicherlich großes Ansehen.

Die Blutsbande zwischen Petrus und Andreas sowie ihre gemeinsame Berufung durch Jesus gehen aus den Evangelien deutlich hervor. Dort ist zu lesen: »Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen« (Mt 4,18–19; vgl. Mk 1,16–17). Dem Vierten Evangelium entnehmen wir ein weiteres wichtiges Detail: Zuerst war Andreas ein Jünger Johannes des Täufers gewesen; das zeigt uns, daß er ein Suchender war, ein Mann, der die Hoffnung Israels teilte und der das Wort des Herrn, die Wirklichkeit des gegenwärtigen Herrn näher kennenlernen wollte. Er war wirklich ein Mann des Glaubens und der Hoffnung; und eines Tages hörte er, daß Johannes der Täufer Jesus als »das Lamm Gottes« bezeichnete (Joh 1,36) ; da beeilte er sich und folgte zusammen mit einem anderen Jünger, dessen Name nicht erwähnt wird, Jesus, demjenigen, den Johannes »Lamm Gottes« nannte. Der Evangelist berichtet: Sie »sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm« (Joh 1,37–39).

Andreas erlebte also kostbare Augenblicke enger Vertrautheit mit Jesus. Die Erzählung geht weiter mit einer bedeutsamen Anmerkung: »Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus« (Joh 1,40–42) und bewies damit sofort einen außergewöhnlichen apostolischen Geist. Andreas war also der erste der Apostel, der berufen wurde, Jesus nachzufolgen. Aus diesem Grund ehrt ihn die Liturgie der byzantinischen Kirche mit dem Beinamen Protóklitos, was eben »der Erstberufene« bedeutet. Und sicher ist, daß sich auch wegen der brüderlichen Beziehung zwischen Petrus und Andreas die Kirche von Rom und die Kirche von Konstantinopel in besonderer Weise untereinander als Schwesterkirchen fühlen. Um diese Beziehung hervorzuheben, hat mein Vorgänger Papst Paul VI. im Jahre 1964 die berühmte Reliquie des hl. Andreas, die bis dahin in der Vatikanischen Basilika aufbewahrt worden war, dem orthodoxen Metropoliten der Stadt Patras in Griechenland zurückgegeben, wo der Überlieferung nach der Apostel gekreuzigt wurde.

Darüber hinaus erwähnen die Überlieferungen der Evangelien den Namen des Andreas besonders im Zusammenhang mit drei weiteren Ereignissen, durch die wir diesen Mann noch ein wenig besser kennenlernen können. Das erste ist die Brotvermehrung in Galiläa. In jener schwierigen Lage war es Andreas, der Jesus auf die Anwesenheit eines kleinen Jungen aufmerksam machte, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische bei sich hatte: viel zu wenig – so stellte er heraus – für all die Menschen, die an jenem Ort zusammengekommen waren (vgl. Joh 6,8–9). Der Realismus des Andreas verdient dabei hervorgehoben zu werden: Er sah den kleinen Jungen – er hatte sich also schon gesagt: »Doch was ist das für so viele! « (ebd.) – und merkte, daß dessen geringe Vorräte nicht ausreichten. Jesus jedoch vermochte es zu bewirken, daß sie ausreichten für die Menschenmenge, die gekommen war, um ihm zuzuhören. Das zweite Ereignis geschah in Jerusalem.

Als sie aus der Stadt herausgingen, machte einer der Jünger Jesus auf den Anblick der gewaltigen Mauern aufmerksam, die den Tempel trugen. Die Antwort des Meisters war überraschend: Er sagte, daß von jenen Mauern kein Stein auf dem andern bleiben würde. Da befragte ihn Andreas, zusammen mit Petrus, Jakobus und Johannes: »Sag uns, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, daß das Ende von all dem bevorsteht? « (Mk 13,1–4). Als Antwort auf diese Frage hielt Jesus eine wichtige Rede über die Zerstörung Jerusalems und über das Ende der Welt und forderte seine Jünger auf, die Zeichen der Zeit aufmerksam zu lesen und immer wachsam zu bleiben. Aus dieser Begebenheit können wir schließen, daß wir keine Angst haben brauchen, Jesus Fragen zu stellen, daß wir jedoch gleichzeitig bereit sein müssen, die Lehren, die er uns erteilt, anzunehmen, auch die überraschenden und schwierigen.

In den Evangelien wird schließlich noch von einer dritten Initiative des Andreas berichtet. Der Schauplatz ist wiederum Jerusalem, kurz vor der Passion. Zum Paschafest waren – so berichtet Johannes – auch einige Griechen, wahrscheinlich Proselyten oder Gottesfürchtige, in die Heilige Stadt gekommen, um am Paschafest den Gott Israels anzubeten. Andreas und Philippus, die beiden Apostel mit griechischen Namen, fungieren als Dolmetscher und Vermittler dieser kleinen Gruppe von Griechen bei Jesus. Die Antwort des Herrn auf ihre Frage erscheint – wie so oft im Johannesevangelium – rätselhaft, aber gerade so erweist sich ihr Bedeutungsreichtum. Jesus sagt den beiden Jüngern und durch sie der griechischen Welt: »Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht« (Joh 12,23–24).

Was bedeuten diese Worte in diesem Zusammenhang? Jesus will sagen: Ja, die Begegnung zwischen mir und den Griechen wird stattfinden, aber nicht als einfaches kurzes Gespräch zwischen mir und einigen Menschen, die vor allem von der Neugier getrieben sind. Mit meinem Tod, der mit dem Fallen eines Weizenkorns in die Erde vergleichbar ist, wird die Stunde meiner Verherrlichung kommen. Von meinem Tod am Kreuz wird große Fruchtbarkeit ausgehen: Das »tote Weizenkorn« – Symbol für mich als den Gekreuzigten – wird in der Auferstehung zum Brot des Lebens für die Welt werden; es wird Licht für die Völker und Kulturen sein. Ja, die Begegnung mit der griechischen Seele, mit der griechischen Welt wird in jener Tiefe verwirklicht werden, auf die die Geschichte vom Weizenkorn anspielt, das die Kräfte der Erde und des Himmels anzieht und zu Brot wird. Mit anderen Worten, Jesus prophezeit die Kirche der Griechen, die Kirche der Heiden, die Kirche der Welt als Frucht seines Pascha.

Sehr alte Überlieferungen sehen in Andreas, der den Griechen dieses Wort übermittelt hat, nicht nur den Dolmetscher einiger Griechen bei der eben erwähnten Begegnung mit Jesus, sondern sie betrachten ihn als Apostel der Griechen in den Jahren, die auf die Pfingstereignisse folgten; sie lassen uns wissen, daß er für den Rest seines Lebens Verkünder und Sprachrohr Jesu für die griechische Welt war. Petrus, sein Bruder, gelangte von Jerusalem über Antiochia nach Rom, um hier seine universale Sendung auszuüben; Andreas hingegen war der Apostel der griechischen Welt: So erscheinen sie im Leben und im Tod als wirkliche Brüder – und das kommt symbolisch zum Ausdruck in der besonderen Beziehung der Bischofssitze von Rom und Konstantinopel, die wirklich Schwesterkirchen sind. Eine spätere Überlieferung berichtet, wie schon angedeutet, vom Tod des Andreas in Patras, wo auch er durch die Kreuzigung hingerichtet wurde. In jener großen Stunde jedoch bat er, ebenso wie es sein Bruder Petrus tat, darum, an ein Kreuz gehängt zu werden, das sich vom Kreuz Jesu unterschied.

In seinem Fall handelte es sich um ein x-förmiges Kreuz, das heißt ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden Balken, das deshalb auch »Andreaskreuz« genannt wurde. Einem antiken Bericht vom Anfang des 6. Jahrhunderts zufolge, der den Titel Passion des Andreas trägt, soll der Apostel damals gesagt haben: »Gegrüßet seist du, o Kreuz, das du durch den Leib Christi geweiht und von seinen Gliedern wie mit kostbaren Perlen geschmückt wurdest. Bevor der Herr dich bestieg, hattest du irdische Angst eingeflößt. Jetzt hingegen bist du mit himmlischer Liebe ausgestattet und wirst deshalb wie eine Gabe empfangen. Die Gläubigen wissen von dir, welch große Freude du besitzt, wie viele Geschenke du bereithältst. Nun komme ich sicher und voller Freude zu dir, damit du auch mich unter Jubel als Jünger dessen empfängst, der an dich gehängt wurde… O seliges Kreuz, das du die Majestät und Schönheit der Glieder des Herrn empfingst! … Nimm mich, führe mich weit weg von den Menschen und gib mich meinem Meister zurück – auf daß mich durch dich derjenige empfange, der mich durch dich erlöst hat. Gegrüßet seist du, o Kreuz; ja, sei wahrhaft gegrüßt!« Wie man sieht, tritt hier eine sehr tiefe christliche Spiritualität zutage, die im Kreuz nicht so sehr ein Folterwerkzeug sieht als vielmehr das herausragende Mittel für eine vollkommenen Angleichung an den Erlöser, an das in die Erde gefallene Weizenkorn. Wir müssen daraus eine sehr wichtige Lehre ziehen: Unsere Kreuze erhalten einen Wert, wenn sie als Teil des Kreuzes Christi betrachtet und angenommen werden, wenn der Abglanz seines Lichtes sie erreicht. Nur von jenem Kreuz werden auch unsere Leiden geadelt und erhalten ihren wahren Sinn.

Der Apostel Andreas möge uns also lehren, Jesus bereitwillig nachzufolgen (vgl. Mt 4,20; Mk 1,18), allen Menschen, denen wir begegnen, mit Begeisterung von ihm zu erzählen und vor allem eine Beziehung echter Vertrautheit mit ihm zu pflegen, im Bewußtsein, daß wir nur in ihm den letzten Sinn unseres Lebens und unseres Todes finden können.







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