17 November 2017, 12:00
Wenn der Nebel sich lichtet
 
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Die wesentlichen Dinge stehen nicht im Kalender. BeneDicta von Petra Knapp-Biermeier.

Linz (kath.net) Es ist ein ganz normaler Novembermorgen. Ich spaziere mit meinem Jüngsten durchs Herbstlaub in den Kindergarten. Die Hügel rundum sind nebelverhangen. Wieder zuhause angekommen, werfe ich einen Blick in meinen Kalender. Reiten. Klavier. Lese-Tutorium. Kindergartenfest. Ballett. Kinderturnen. Kochplan. Alles ist aufgelistet, alles hat einen Ort und eine Zeit. Nun muss es eigentlich nur mehr laufen, denn die wesentlichen Punkte sind abgesteckt.

Ich starre auf das Papier und merke, wie Unruhe und Nervosität aufkommt. Wird der Plan halten? Was ist, wenn einer stolpert? Und wo laufen wir eigentlich hin? Innerlich gerate ich immer mehr in eine Schieflage. Mein Herz erahnt die Wahrheit hinter den wunderbaren Plänen: Hauptschauplatz des Lebens ist nämlich die Zeit zwischen den Terminen, Events und Meetings.

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Was passiert, wenn ein Termin abgehakt ist und der nächste noch vor dir ist? Wo stehst du dann? Da sind die Übergänge, die Anfänge, das Ende. Dort wird es kritisch. Das Ungeplante, Unvollkommene, Zerrissene, Zerbrochene. Wenn man heimkommt, und dann ist da erst einmal nichts. Entweder ist es still, zu still, oder ein lautstarker Konflikt folgt dem nächsten. Da warten dann Geschirr, Wäsche und Rechnungen, Hausaufgaben und Aufräumen ist angesagt.

Wutausbrüche, Ängste, Ausweglosigkeiten, vorpubertäre Krisen. All das steht nicht im Kalender, aber all das macht das Leben so sehr aus. Plötzliche Launen, die einen mitreißen können. Hiobsbotschaften, die einem erzählt werden. Unerwartetes, Unvorhergesehenes, Beängstigendes. Wohin damit?

„Wenn du den Tag betrachtest, der vor dir liegt, siehst du einen verworrenen, komplizierten Weg, von dem in alle Richtungen Abzweigungen wegführen“, schreibt Sarah Young in ihrem Buch „Ich bin bei dir. 366 Liebesbriefe von Jesus“ am 16. November. „Du fragst dich, wie du den richtigen Weg durch diesen Irrgarten finden sollst. Dann erinnerst du dich an den, der immer bei dir bleibt und dich bei der Hand hält. Du erinnerst dich an mein Versprechen, dich nach meinem Rat zu leiten, und du beginnst, dich zu entspannen.“

Ich klappe den Kalender zu, und nehme die Bibel. Ja, das Wesentliche steht tatsächlich nicht im Kalender: Zeit mit Gott. Meine Tage nehmen einen anderen Lauf, wenn ich bereits am Morgen die Kontrolle abgebe. Wenn ich alles, was vor mir liegt, dem anvertraue, der alles in Händen hält. Wenn ich nicht krampfhaft festhalte an meinen Plänen, Vorstellungen und Festlegungen, wie und in welchem Zeitrahmen Dinge ablaufen müssen.

Natürlich ist das ein Wagnis. Und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich meine eigenen Sicherheiten dem vorziehe, was Gott für mich an dem Tag bereitet hat. Da gehe ich stur meinen Weg und versuche, mir selbst zu genügen. Die Unruhe bleibt jedoch, bohrt so lange, bis ich kapituliere, bis mein Herz wieder Ruhe findet bei dem, der mich geschaffen hat. Darum lasse ich alles erst mal liegen und richte mich aus auf Gott. Mein Herz sucht seine Nähe, ohne viele Worte, zehn Minuten vielleicht oder fünfzehn.

Und dann ändert sich die Perspektive. „Wenn du wieder auf den Weg schaust, der vor dir liegt, stellst du fest, dass sich ein leichter Nebel darübergelegt hat, der dir den Blick versperrt“, schreibt Sarah Young weiter. „Du kannst nur ein paar Schritte weit sehen, und deshalb richtest du deine Aufmerksamkeit stärker auf mich und fängst an, meine Gegenwart zu genießen.“

Mein Herr und mein Gott. Beim Gehen, beim Schreiben, beim Reden, beim Kochen. Du bist da, an meiner Seite, begleitest mich in jeder Situation. Worte des Dankes sprudeln heraus, Lobpreis und Anbetung. Ich bin schon mitten im Tun drinnen, aber mein Herz ist jetzt verankert bei dem, der mich über alle Maßen liebt. Ich bin da, wo ich jetzt, in dem Moment sein soll. Und mein Kalender darf ruhig liegen bleiben, bis zum nächsten Tag.

Der Nebel, diese Ungewissheit über die nächsten Schritte, ist „ein Schutz, der dich in das Jetzt zurückruft“, schließt Sarah Young ihren Liebesbrief von Gott am 16. November. „Obwohl ich allen Raum und alle Zeit bewohne, kannst du nur hier und jetzt mit mir sprechen. Eines Tages wird der Nebel nicht mehr nötig sein, denn dann hast du gelernt, deinen Blick auf mich und auf das Wegstück, das direkt vor dir liegt, zu richten.“

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