16 November 2017, 13:00
Das Reich Gottes ist weder ein Spektakel noch ein Karneval
 
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Franziskus in Santa Marta: das Wachsen des Reiches Gottes. Der Heilige Geist lässt es im Verborgenen wachsen, nicht irgendwelche Pastoralpläne. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte – das Reich Gottes ist schon mitten unter euch“: Papst Franziskus ging in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Donnerstag der 32. Woche im Jahreskreis auf das Tagesevangelium (Lk 17,20-15) aus.

Das Reich Gottes „ist weder ein Spektakel noch ein Karneval“, so Franziskus. Das Reich Gottes möge keine „Öffentlichkeit“. Der Heilige Geist lasse es wachsen, nicht „Pastoralpläne“. Die Pharisäer fragten Jesus, „wann das Reich Gottes komme.

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Es sei dies eine einfache Frage, die einem guten Herzen entspringe und oftmals im Evangelium vorkomme. So sende zum Beispiel Johannes der Täufer, als er im Gefängnis festgehalten werde, seine Jünger zu Jesus, um ihn zu fragen, ob er jener sei, der kommen solle, oder ob er einen anderen erwarten müsse. Auch bei der Kreuzigung komme diese Frage auf, als Jesus aufgefordert werde: „Wenn du der Sohn Gottes bist, dann steig vom Kreuz herab“. Immer seien da der Zweifel und die Neugier festzustellen, wann das Reich Gottes komme:

„Das Reich Gottes ist mitten unter euch“: so laute die Antwort Jesu. Dies sei die frohe Botschaft in der Synagoge von Nazareth, als Jesus nach der Lesung aus dem Propheten Jesaja sage, dass das, was die Schrift sage, „heute“ mitten unter ihnen zur Erfüllung gekommen sei.

Wie der ausgesäte Same von Innen her wachse, so wachse das Reich Gottes „im Verborgenen“ mitten unter uns oder sei verborgen wie ein Edelstein oder ein Schatz, aber immer „in der Demut“:

„Doch wer schenkt diesem Samen das Wachstum, wer lässt ihn aufkeimen? Gott, der Heilige Geist, der in uns ist. Und der Heilige Geist ist Geist der Milde, Geist der Demut, er ist Geist des Gehorsams, Geist der Einfachheit. Er ist es, der das Reich Gottes im Innern wachsen lässt, nicht die Pastoralpläne, die großen Dinge... Nein, es ist der Heilige Geist, im Verborgenen. Er lässt wachsen und es kommt der Augenblick, da die Frucht zu Tage tritt“.

Im Fall des guten Schächers, so die Frage des Papstes: „wer hat da den Samen des Reiches Gottes in seinem Herzen ausgesät?“. Vielleicht sei es die Mutter gewesen oder ein Rabbiner, als er ihm das Gesetz erklärt habe. Dann habe er dies vielleicht vergessen, doch an einem gewissen Punkt habe es der Heilige Geist im Verborgenen wachsen lassen. All dies, so Franziskus, mache deutlich, dass das Reich Gottes immer „eine Überraschung“ sei: ein Geschenk des Herrn.

Jesus erkläre auch, dass „das Reich Gottes nicht so kommt, dass es die Aufmerksamkeit auf sich zieht, und keiner wird sagen: ‚Da ist es; hier oder da’“. „Es ist kein Spektakel oder noch schlimmer ein Karneval“, unterstrich der Papst:

„Das Reich Gottes lässt sich nicht mit Hochmut, Stolz sehen, es liebt keine Öffentlichkeit: es ist demütig, verborgen, und so wächst es. Ich denke: wenn die Leute auf die Gottesmutterblickten, dort, die sie Jesus nachfolgte: ‚Das ist die Mutter, tja....’. Die heiligste Frau, aber im Verborgenen, keiner wusste um das Geheimnis des Reiches Gottes, die Heiligkeit des Reiches Gottes. Und als sie unter dem Kreuz des Sohnes stand, sagten die Leute: ‚Die arme Frau mit diesem Kriminellen als Sohn, die arme Frau...’. Nichts, keiner wusste“.

Das Reich Gottes wachse also immer im Verborgenen, da „der Heilige Geist in uns ist“, der es aufkeimen lasse, bis es Frucht gebe:

„Wir alle sind aufgerufen, diesen Weg des Reiches Gottes zu beschreiten: das ist eine Berufung, es ist eine Gnade, ein Geschenk, es ist unentgeltlich, man kann es nicht kaufen, es ist eine Gnade, die Gott uns gibt. Und wir alle, die wir getauft sind, haben in uns den Heiligen Geist. Wie steht es um meine Beziehung mit dem Heiligen Geist, der in mir das Reich Gottes wachsen lässt? Eine gute Frage, die wir uns heute alles stellen sollen: glaube ich, glaube ich wirklich, dass das Reich Gottes mitten unter uns ist, dass es verborgen ist, oder gefällt mir das Spektakel besser?“

Abschließend mahnte Franziskus, den Heiligen Geist um die Gnade zu bitten, „in uns, in der Kirche kraftvoll den Samen des Reiches Gottes aufkeimen zu lassen, damit es groß werde, vielen Menschen Zuflucht gewähre und Früchte der Heiligkeit schenke“.

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