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08 November 2017, 16:00
Wie sehr brauche ich dich Jesus – jeden Tag, jede Sekunde meines Leben

Irgendwann öffne ich meine Augen und sehe IHN. Vor mir ein Stück Brot, umgeben von Gold. Mit dem Verstand kann ich es nicht erfassen, aber in meinem Herzen regt sich etwas - Die Jugendkolumne von kath.net - Von Lucia Kirchgasser

Linz (kath.net)
Müde und traurig schleppe ich mich in die alte Kirche in der Altstadt. Wenn ich ehrlich bin habe ich keine Lust auf die Messe und auf den anschließenden „Abend der Barmherzigkeit“. Nicht, dass ich nicht dringend Gottes Barmherzigkeit brauchen würde, im Gegenteil, aber ein gemütlicher Abend zu Hause klingt so viel verlockender! Um meine Sonntagspflicht zu erfüllen, gehe ich also hin. Schuldgefühle liegen schwer auf meinem Herzen. Immer versuch ich, alles richtig zu machen und rede mir ein, ich könnte es tatsächlich schaffen, meine Fehler und Schwächen, meine immer wiederkehrenden Sünden, hinter mir zu lassen, wenn ich mich nur genug anstrenge. Was für ein Schwachsinn!

Allein dieser vermessene und stolze Gedanke ist ja schon wieder Sünde genug. In meinem Herzen ist dieses drückende Gefühl von Resignation und Ohnmacht. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Ich bin nicht gut genug, nicht fromm genug, nicht stark genug, um das Richtige zu tun, aber so bin ich auch nicht gut genug, nicht fromm genug, nicht stark genug, um ein gutes Leben – ein Leben in Fülle – zu verdienen. Die Messe verstreicht. Ich versuche mit dem Herzen dabei zu sein, aber meine Gedanken sind überall anders, als dort, wo sie sein sollen. Viel zu schnell hab ich meinen Fokus auf Gott verloren. Also der nächste Gedanke „Du hast es nicht genug versucht. Du bist zu schwach. Du lässt dich zu schnell ablenken. Du bist ein Heuchler. Nichts an dir ist so fromm, wie du tust..“

Ich schließe die Augen, will meine eigenen Gedanken und Anklagen nicht länger hören. Ich sehne mich so sehr nach Frieden! Alles drängt mich zu gehen, aber weil ich in Begleitung bin, bleibe ich sitzen. Eine Stunde, das schaffe ich. Ich beschließe, einfach ruhig dazusitzen und mich „von Gott lieben zu lassen“. In Gedanken entschuldige ich mich schon einmal im Voraus bei Gott, weil ich nicht garantieren kann, dass ich jetzt mit dem Herzen bei ihm bin.

Irgendwann öffne ich meine Augen und sehe IHN. Der Tabernakel ist geöffnet. Vor mir ein Stück Brot, umgeben von Gold. Mit dem Verstand kann ich es nicht erfassen, aber in meinem Herzen regt sich etwas. Es ist dieses ureigene, instinktive Erkennen; das Gefühl zu Hause zu sein, angekommen zu sein. Genau hier vor Gott ist mein Platz. Hier gehöre ich her. Hier bekommt mein Leben einen Sinn, auch wenn es für die Welt da draußen vor den Kirchentüren so sinnlos scheint.

Der Druck, den ich mir selber gerade noch gemacht habe, lässt nach. Ich tauche ein in SEINE Gegenwart und was gerade noch so wichtig und unüberwindbar war, verliert sich im Nichts. Ich höre die Musik. Sie singen „when I cannot stand, I’ll fall on you“ – also „wenn ich nicht bestehen/der Versuchung nicht standhalten kann, falle ich auf dich“.. Wow! Ich bin so berührt! Wie sehr brauche ich dich Jesus – jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens – und du bist einfach da. Alles, was mich belastet, bindest du an dein Kreuz und trägst es für mich! Du trägst alles, damit ich nicht für immer verloren gehe, sondern für immer bei dir, bei Gott, sein kann. Wie unsagbar groß muss deine Liebe sein?! Ich kann es nicht fassen!

Allein deine Liebe hat mich erlöst! Nichts davon ist mein Anteil. Das ist es, was das Evangelium uns sagt, aber scheinbar muss ich es einfach täglich immer wieder neu auf meiner Zunge zergehen lassen.

Das meinst du also, wenn du von der Freiheit der Kinder Gottes sprichst – ich bin frei, weil ich diese selbst auferlegte Last, fehlerfrei sein zu müssen, fallen lassen kann! Ich muss nichts leisten, mir nichts verdienen! Dein Joch ist leicht, weil ich mich nicht selbst erlösen muss! Das machst alles du! Du hast es bereits getan… Ich BIN frei!

Was für eine Hoffnung, die mehr und mehr zur Gewissheit wird! Mein Herz jubelt und ich stimme ein in das Lied „where sin runs deep, your grace is more“ – es ist die Bibelstelle Römer 5,20 „wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“. Deine Gnade, Gott, ist unendlich! Es ist wahr, du bist ein gerechter Gott, der jedem das gibt, was er braucht – und du gibst auch mir, was ich brauche. Auch wenn mein Maß, das ich an Gnade und Barmherzigkeit brauche groß ist, um bei dir sein zu können, DIR ist nichts zu groß, Gott! Deine Liebe ist unerschöpflich! „Fürchte dich nicht; denn ich habe dich ausgelöst und rufe dich beim Namen, mein bist du.“ (Jes 43,1) Ganz neu entscheide ich mich heute, das zu glauben! Ich glaube, dass ich frei bin! Ich glaube, dass ich, dank dir Jesus, meine Würde und Schönheit zurück habe, dass ich keine Angst haben muss, verloren zu sein. Ich BIN erlöst! Ich BIN dein, Gott, ganz in deiner Hand! Mein Leben gehört dir! Das ist es, was ich dir geben kann. Ich sage JA zu deiner Erlösung. Ich gebe dir mein Herz, meine Seele, all meine Gedanken und alles, was ich an Liebe aufbringen kann. Ich entscheide mich zu glauben, dass dir das genügt. Ich BIN genug! Ich BIN geliebt – genau jetzt, einmal mehr! Hallelujah! „Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen.“ (Psalm 86,5)