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03 November 2017, 11:52
Die Hoffnung enttäuscht nie!

Franziskus feiert die heilige Messe im Petersdom für die 14 Kardinäle und 137 Bischöfe, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Der vollständige Sieg über den Tod durch die Auferstehung. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Mit einer Messe in der Petersbasilika am heutigen Freitag gedachte Papst Franziskus der 14 Kardinäle und 137 Bischöfe, die im vergangenen Jahr gestorben sind. In seiner Predigt betonte der Papst, dass diese Messfeier erneut vor die Wirklichkeit des Todes stelle. Die Liturgie schenke in erster Linie Hoffnung für die Verstorbenen und für uns selbst.

Die erste Lesung aus dem Buch Daniel bringe eine starke Hoffnung auf die Auferstehung der Gerechten zum Ausdruck: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu“ (12,2). Der Tod, so Franziskus, mache den „Scheideweg“ definitiv, vor dem wir bereits auf Erden stünde: den Weg des Lebens, der zur Gemeinschaft mit Gott führe, und den Weg des Todes fern von Gott.

Die „Vielen“, „die zum ewigen Leben erwachen, sind zu verstehen wie die ‚vielen’, für die das Blut Christi vergossen wurde“. Es sei dies eine Vielzahl, die dank der barmherzigen Güte Gottes die Wirklichkeit des Lebens erfahren könne, das nicht vergehe, „den vollständigen Sieg über den Tod durch die Auferstehung“.

Im Evangelium stärke Jesus unsere Hoffnung: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben“ (Joh 6,51). Es seien dies Worte, die das Kreuzesopfer Christi in Erinnerung riefen. Jesus habe den Tod angenommen, um die Menschen zu retten, die in der Knechtschaft der Sünde tot gewesen seien. So sei Jesus zu unserem Bruder geworden und habe unser Sein bis zum Tod geteilt. Mit seiner Liebe habe er das Joch des Todes gesprengt und die Türen für das Leben geöffnet.

Indem wir uns an seinem Leib und Blut nährten, vereinten wir uns mit seiner treuen Liebe. Kraft dieses göttlichen Bandes der Liebe Christi „wissen wir, dass die Gemeinschaft mit den Verstorbenen nicht nur ein Verlangen bleibt, eine Vorstellung, sondern wirklich wird“.

Der Glaube an die Auferstehung führe uns dazu, Menschen der Hoffnung und nicht der Verzweiflung zu sein, Menschen des Lebens und nicht des Todes.

Diese Hoffnung helfe uns, gegenüber dem Tod eine Haltung des Vertrauens anzunehmen. Jesus habe gezeigt, dass nicht der Tod das letzte Wort sei, sondern die barmherzige Liebe des Vaters, die uns verwandle und die ewige Gemeinschaft mit ihm leben lasse. Eine fundamentale Charakteristik des Christen bestehe im Sinn für die Erwartung der endgültigen Begegnung mit Gott.

Die Kardinäle und Bischöfe, derer wir heute gedächten, „haben uns in der Perspektive der Ewigkeit verlassen, nachdem sie der Kirche und dem ihnen anvertrauten Volk gedient haben“. „Die Hoffnung enttäuscht nie“, wiederholte der Papst abschließend mit den Worten des heiligen Paulus“. Gott sei treu „und unsere Hoffnung auf ihn ist nicht leer“.


kath.net veröffentlicht die offizielle Übersetzung der Predigt des Heiligen Vaters bei der Messe am 3.November im Petersbasilika im Wortlaut:

Die heutige Gedächtnisfeier führt uns wieder einmal die Wirklichkeit des Todes vor Augen und weckt in uns auch die Wehmut des Abschieds von den Menschen, die uns nahestanden und uns Gutes getan haben. Aber vor allem nährt die Liturgie unsere Hoffnung für diese Menschen und auch für uns selber.

Die erste Lesung ist Ausdruck einer starken Hoffnung auf die Auferstehung der Gerechten: »Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. « (Dan 12,2) Mit denjenigen, die im Land des Staubes schlafen, d.h. in der Erde, sind offensichtlich die Toten gemeint, und das Erwachen vom Tod ist nicht automatisch eine Rückkehr ins Leben: Einige werden in der Tat zum ewigen Leben erwachen, andere zur ewigen Schmach. Der Tod macht die „Weggabelung“ endgültig, vor der wir schon hier in dieser Welt stehen: vor dem Weg des Lebens, also mit Gott, oder vor dem Weg des Todes, also fern von Ihm. Die „Vielen“, die zum ewigen Leben erwachen, sind zu verstehen als die „Vielen“, für die das Blut Christi vergossen wurde. Es ist die große Zahl derer, die dank der barmherzigen Güte Gottes die Wirklichkeit des unvergänglichen Lebens erfahren dürfen, den durch die Auferstehung errungenen vollkommenen Sieg über den Tod.

Im Evangelium stärkt Jesus unsere Hoffnung, wenn er sagt: »Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben« (Joh 6,51). Diese Worte verweisen auf das Kreuzesopfer Christi. Er hat den Tod angenommen, um die Menschen zu retten, die der Vater ihm gegeben hat und die dem Tod verfallen waren in der Sklaverei der Sünde. Jesus ist unser Bruder geworden und hat unser Schicksal bis zum Tod mit uns geteilt; durch seine Liebe hat er das Joch des Todes zerbrochen und uns die Türen des Lebens geöffnet. Wenn wir uns von seinem Leib und seinem Blut nähren, vereinen wir uns mit seiner treuen Liebe, die in sich die Hoffnung birgt, dass das Gute über das Böse, über das Leid und den Tod triumphieren wird. Kraft dieses göttlichen Bandes der Liebe Christi wissen wir, dass die Gemeinschaft mit den Verstorbenen nicht nur Wunsch oder Einbildung bleibt, sondern wirklich wird.

Der Glaube an die Auferstehung, zu dem wir uns bekennen, macht uns zu Menschen der Hoffnung und nicht der Verzweiflung, zu Menschen des Lebens und nicht des Todes, weil uns die in der Einheit mit dem Auferstandenen begründete Verheißung des Ewigen Lebens tröstet.

Diese Hoffnung, die das Wort Gottes in uns wieder neu entflammt, hilft uns angesichts des Todes eine innere Haltung des Vertrauens anzunehmen: In der Tat hat Jesus uns gezeigt, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern dass uns die barmherzige Liebe des Vaters verwandelt und eintreten lässt in die ewige Gemeinschaft mit ihm. Ein grundlegendes Wesensmerkmal des Christen ist der Sinn für die fiebernde Erwartung der endgültigen Begegnung mit Gott. Wir haben das eben im Antwortpsalm bekräftigt: »Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? « (Ps 42,3). Diese poetischen Worte interpretieren auf bewegende Weise unsere gespannte Erwartung, die nach Liebe, Schönheit, Glückseligkeit und göttlicher Weisheit dürstet.

Diese Ausdrücke des Psalms haben sich der Seele unserer Brüder, der Kardinäle und Bischöfe, derer wir heute gedenken, eingeprägt: Nachdem sie der Kirche und dem ihnen anvertrauten Volk gedient hatten, haben sie uns hier im Blick auf die Ewigkeit verlassen. Während wir für ihren großzügigen Dienst am Evangelium und an der Kirche danken, scheint es uns, als hörten wir sie die Worte des Apostels wiederholen: »Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen« (Röm 5,5). Ja, sie lässt nicht zugrunde gehen! Gott ist treu und unsere Hoffnung in ihn ist nicht vergeblich.

Flehen wir für unsere Verstorbenen die selige Jungfrau Maria um ihre mütterliche Fürsprache an, auf dass sie des Ewigen Gastmahls teilhaftig werden, das sie im Glauben und in der Liebe während ihrer irdischen Pilgerschaft schon anfanghaft verkosten durften.