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02 November 2017, 16:30
Renommierter Theologe kritisiert Papst, kündigt nach Aufforderung

Pater Weinandy verliert Stelle als theologischer Berater der US-Bischofskonferenz – Bischöfe seien still geworden, weil sie befürchten, dass sie andernfalls „an den Rand gedrängt würden oder noch Schlimmeres“

Vatikan (kath.net) Das Pontifikat von Papst Franziskus habe jenen, „die schädliche theologische und pastorale Standpunkte vertreten, die Lizenz und das Vertrauen gegeben, ins Licht zu treten und ihre bisher verborgene Dunkelheit zu entblößen“, die eines Tages korrigiert werden müsse. Dies schreibt der Theologe und Kapuzinerpater Thomas Weinandy an den Papst. Weinandy ist Professor an der Gregoriana in Rom und war ein hochrangiger Mitarbeiter der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Papst Franziskus hatte den international bekannten Gelehrten mit dem Orden „Pro Pontifice et Ecclesiae“ ausgezeichnet und ihn 2014 zum Mitglied der Internationalen Theologenkommission ernannt. Nach Bekanntwerden des Schreibens hat die US-amerikanische Bischofskonferenz am 1. November den Gelehrten als ihren theologischen Berater gebeten, seine Stelle aufzugeben, Weinandy entsprach dieser Bitte, wie dem „Catholic Report“ zu entnehmen ist. Die weitere Entwicklung bleibt noch abzuwarten.

Weinandy drückt in dem Schreiben seine Treue zu Papst Franziskus als dem „Stellvertreter Christi auf Erden“ und dem „Hirten seiner Herde“ aus. Trotzdem kritisiert er am Papst in respektvollem Ton:

- dass er „chronische Verwirrung“ fördere
- die Wichtigkeit der Lehre schwäche
- dass er Bischöfe ernenne, welche die Gläubigen mit dubiosen Lehren und zweifelhafter pastoraler Praxis schockierten
- dass er Geistlichen, die widersprechen, den Eindruck vermittle, dass sie an den Rand gedrängt würden „oder Schlimmeres“, wenn sie ihre Meinung offen äußerten
- dass er treue Katholiken dazu bringe, ihr Vertrauen in ihren obersten Hirten zu verlieren

„Heiliger Vater“, so schreibt Weinandy beispielsweise, „Sie haben, besonders während der beiden vergangenen Synoden, alle Menschen, besonders Bischöfe, dazu ermutigt, frei herauszusprechen und keine Angst davor zu haben, was der Papst denken könnte. Doch haben Sie wahrgenommen, dass die Mehrheit der Bischöfe in der ganzen Welt auffallend still geworden sind? Warum dies? Bischöfe lernen schnell, und was viele von ihnen in Ihrem Pontifikat gelernt haben, ist nicht, dass Sie offen für Kritik sind, sondern dass Sie Kritik übelnehmen. Viele Bischöfe sind still, weil sie Ihnen treu sein wollen, deshalb sprechen sie nicht offen (zumindest öffentlich, im Privaten ist das eine andere Sache) über die Sorgen, die Ihr Pontifikat in ihnen auslöst. Viele befürchten, dass wenn sie frei sprächen, dass sie dann an den Rand gedrängt werden würden oder sogar Schlimmeres.“

Die Lehre von Papst Franziskus wirke „absichtlich zweideutig“, etwa in Amoris laetitia, erläutert Weinandy. Außerdem kritisierte er, dass Papst Franziskus Lehre und Doktrin „sehr häufig“ als toten Buchstabenglauben charakterisiere, was von den alltäglichen pastoralen Sorgen sehr weit entfernt sei. Aber sei es nicht im Gegenteil genau die christliche Doktrin einschließlich ihrer feinen Unterscheidungen, die die Menschen von weltlichen Ideologien befreie und die sicherstelle, dass das authentische, lebensspendende Evangeliums verkündet werde.

Das Schreiben des Gelehrten datiert auf den 31. Juli (Fest des Gründers der Jesuiten, Ignatius von Loyola), ist aber erst jetzt bekannt geworden. Mitte Oktober hatte Weinandy eine kurze Antwort des italienischen Erzbischofs Angelo Becciu erhalten, der „Nummer zwei“ im Staatsekretariat, dass der Papst das Schreiben gesehen habe. Eine Antwort von Papst Franziskus kam offenbar nicht. Daraufhin gab Weinandy das Schreiben an „crux“ und andere Medien.

Link zum Brief Weinandys in voller Länge in „Crux“: “Your Holiness, I write this letter with love for the Church and sincere respect for your office”.

Archivfoto: Papst Franziskus