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27 Oktober 2017, 09:20
Sudan: „Mit meinem Glauben habe ich vor nichts Angst“

Christliche Flüchtlinge aus Eritrea suchen Zuflucht im überwiegend muslimischen Nachbarland. Von Oliver Maksan

München-Wien (kath.net/KIN) Der Sudan ist kein christliches Land. Über 90 Prozent der Einwohner des ostafrikanischen Landes sind Muslime, nur zwei Prozent sind katholisch. Grundlage der Gesetzgebung ist die Scharia. Auch wenn die Verfassung offiziell Religionsfreiheit garantiert, kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Christen. In den letzten Jahren erhielt die kleine christliche Herde im Sudan Verstärkung – wenn auch keine freiwillige. Zehntausende Eritreer – darunter viele katholische Christen – suchen Zuflucht im Nachbarland. Sie halten es in ihrer Heimat einfach nicht mehr aus.

„Die Regierung in Eritrea zwingt die Menschen für Jahre, manchmal Jahrzehnte, in einen militärischen Zwangsdienst. Man bekommt während dieser Zeit kaum Geld und ist der Regierung völlig ausgeliefert. Das wollen immer weniger Menschen mitmachen“, meint ein Freiwilliger, der sich in der sudanesischen Hauptstadt Khartum um eritreische Flüchtlinge kümmert. Nennen wir ihn Joseph. Der Sudan ist meist nur die erste Station auf einer langen Odyssee. Denn auch für die meisten Flüchtlinge aus Eritrea heißt das Wunschziel Europa. Tausende Euro sind sie dafür bereit, Schleppern in den Rachen zu werfen. Etwa 1500 Euro kostet der Weg vom Sudan nach Libyen. Von dort nach Italien kostet es noch einmal so viel.

Doch vielen Flüchtlingen fehlt das Geld für die gefährliche Fahrt; sie stecken im Sudan fest. Oft sind sie Jahre dort, ehe sie weiterziehen können. „An eine Rückkehr nach Eritrea ist nicht zu denken. Dort droht den Flüchtlingen Gefängnis oder der Tod“, meint Joseph, während er durch eine Schule am Stadtrand von Khartum führt, in der er aushilft. „In der Zwischenzeit muss das Leben aber weitergehen. Besonders für die Kinder dürfen die Jahre hier keine verlorenen sein. Manche wurden ja bereits hier im Land geboren.“

Das weltweitweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt deshalb die von Kapuzinern betriebene Schule, die 1200 Kinder besuchen. „Den Menschen geht es darum, ihren Kindern eine solide Ausbildung zu ermöglichen, sie aber gleichzeitig im christlichen Glauben unterweisen zu lassen. So sollen die Kinder ihre Wurzeln nicht verlieren und gleichzeitig eine Zukunft haben“, meint Christine du Coudray-Wiehe, Projektverantwortliche bei „Kirche in Not“ für den Sudan. „Die eritreischen Flüchtlinge im Sudan haben es sehr schwer. Sie sind einem totalitären Regime in ihrer Heimat entkommen – und leben jetzt in einem islamistischen Regime. Wir wollen an ihrer Seite sein.“

Bezahlt werden mit Hilfe von „Kirche in Not“ Bücher und das Gehalt für die Lehrer, aber auch das Essen für die Schüler. Die Eltern haben nur begrenzte Möglichkeiten, den Schulbesuch ihrer Kinder zu finanzieren. Denn bei der Vergabe von Jobs werden Einheimische bevorzugt. Die meisten verdienen ihren Lebensunterhalt deshalb illegal, als Tagelöhner, mit Schwarzarbeit. Sie sparen hart, um die Reise nach Europa oder in andere westliche Länder zu finanzieren. Denn bleiben will keiner.

„Unsere Leute haben große Angst vor der Polizei“, erzählt Joseph. „Wir Christen sind ihr schutzlos ausgeliefert.“ Manchmal nehme die Polizei Christen grundlos fest und lasse sie erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder frei. Joseph berichtet, wie die Menschen dann das wenige, was sie haben, zusammenlegen und ihren Brüdern und Schwestern in Not helfen. „Unsere Leute haben einen starken Glauben. Er gibt ihnen Kraft, das hier alles durchzuhalten.“

Und durchhalten muss eine Familie auf der Flucht so einiges. Nahe der Kirche der Eritreer in einem Armenviertel von Khartum bewohnt die Familie von Isaias in einer Hütte mit Wellblechdach ein winziges Zimmer. „Hier schlafen wir, hier kochen wir, hier essen wir, hier spielen unsere Kinder“, meint der Familienvater, als ihn die Mitarbeiter von „Kirche in Not“ besuchen. Mit typischer Gastfreundlichkeit reicht er Limonade und Süßigkeiten. Isaias hat viele Jahre in der eritreischen Armee jahrelang gekämpft. Vor ein paar Jahren dann hat er beschlossen, seine Heimat zu verlassen, weil er weder für sich noch seine Kinder Hoffnung sah. „Wir wollen nach Kanada“, meint er. Ob er keine Angst vor dem fernen, fremden Land habe? Nein, entgegnet er energisch. „Mit meinem Glauben und meiner Kirche habe ich vor nichts Angst.“

Um den christlichen Flüchtlingen im Sudan weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto: Gottesdienst in der Kapelle der Flüchtlinge aus Eritrea in Khartum (c) Kirche in Not