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25 Oktober 2017, 16:00
Eine 'Sprichwörter 31-Frau'

Die neue Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Magdalena Stürzl über christliche Beziehungen

Wien (kath.net)
Selten hab ich ein Zitat gelesen, das dermaßen ins Schwarze trifft, sich durch seine Tiefgründigkeit auszeichnet und - wie man heutzutage sagt - als "couple goal“ für eine christliche Beziehung dienen kann.

„Das Herz einer Frau sollte so nah bei Gott sein, dass ein Mann Ihn suchen muss, um sie zu finden!“ (Elisabeth Elliot)
Betrachtet man nur einmal den ersten Satzteil, ist der zentrale Aspekt ganz klar ersichtlich: Das Herz einer Frau sollte sehr nahe bei Gott sein. Sieht man sich den zweiten Satzteil an, beinhaltet dieser, dass ihr Herz bei Gott sein soll, noch bevor sie von einem Mann gefunden wird. Es scheint fast so, als wäre das alles irgendwie eine Vorbereitung. Indem die Frau ihr Herz bei Gott ruhen lässt, kann sie es mit der Liebe und all den guten Eigenschaften Gottes nähren lassen, die sie darauf vorbereiten, ihrem zukünftigen Mann eine „Hilfe“ zu sein. So wie Eva Adam als Hilfe beigestellt worden ist. Es gibt ihr die Möglichkeit, den Raum, ja die Freiheit, die sogenannte Mrs. Right für ihren Zukünftigen zu werden. Im christlichen, jugendlichen Sprachgebrauch wird das Ideal einer Frau zunehmend als „Proverbs 31 woman“ bezeichnet. In Sprichwörter 31, 10-31 findet sich eine Lobrede an eine überaus tüchtige Frau, deren Wert den aller Perlen überragt. Es ist von einer Frau die Rede, der der Mann blind vertrauen kann. Sie sorgt für ihn, ihre Familie und auch die Bedürftigen.

Sie hat keine Angst vor der Zukunft und sie spricht kluge sowie gütige Worte. Und vor allem: Sie ist gottesfürchtig. Erlaubt die Frau ihrem Herzen, bei Gott, dem Vater, zu ruhen und ein Gefäß für seine Liebe zu werden, ist es eben jene Liebe des Vaters, die sie auf besondere Art und Weise lieben und sich hinzugeben lehrt. Das Herz bei Gott zu haben, bedeutet aber nicht nur, ruhen und sich füllen lassen, sondern es bedeutet auch, ein gottgefälliges Leben zu leben. Es bedeutet, wenn Gott einen ruft, aus dem Boot auszusteigen, wie die Proverbs 31-Frau der „drohenden Zukunft zu spotten“ und bereit zu sein Gottes Willen radikal zu gehorchen.

Eine „Sprichwörter 31 Frau“ unterwirft ihren Willen dem des Vaters und ebenso ihr ganzes Leben. Das hilft ihr nicht nur selbst auf dem Weg zur Heiligkeit, sondern wird auch für ihren Mann Frucht tragen. Sie kann ihm so eine große Hilfe in seinem „Abenteuer Heiligkeit“ sein. Ruht ihr Herz ganz nahe am Herzen des Vaters, wird es ihr leichter gelingen, auch ihren Mann immer mehr zu ihm zu führen und dazu beizutragen, dass ihre Beziehung beziehungsweise Ehe immer mehr zu einem Abbild der Liebesbeziehung in Gott selbst wird.

Ein Blick auf den zweiten Satzteil verrät, dass der Mann in weiterer Folge zuerst Gott suchen muss. Erneut kommt mir der Gedanke an Vorbereitung. So wie der Mann später Vater und Mutter verlassen muss, um sich an seine Frau zu binden und ein Fleisch zu werden (vgl. Eph 5,31), muss er sich zuallererst auf die Suche nach Gott machen. Ebenso wie die Frau, lernt er bei der Quelle der Liebe, was es heißt, seiner Zukünftigen mit einer Liebe zu begegnen, die bereit ist, aufs Ganze zu gehen – die bereit ist, das Leben hinzulegen. Er lernt den Auftrag in Epheser 5,25 „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat.“ zu verwirklichen. In Vers 26 geht es weiter mit: „um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen“ – Christus hat also sein Leben niedergelegt, für die, die er liebt, und möchte sie auch heiligen. Ebenso wie die Frau hat auch der Mann die Verantwortung, ihr auf dem Weg zur Heiligkeit zu helfen und wie ginge das besser, als wenn man seinen Kompass in Richtung Gott ausrichtet? Der Mann bekleidet in traditioneller Sicht das Amt des Führers oder gleichsam Priesters der Familie – aber dazu braucht er Gott als Felsen, um diesem Amt überhaupt erst würdig zu werden, um seine ganze Familie Gott näher zu bringen.

Suchen beide zuerst das Herz Gottes, werden sie im Herzen Gottes, dem Herzen des jeweils anderen begegnen können. Im Herzen Gottes lernen beide, was es heißt zu lieben und was Ganzhingabe bedeutet. Im Herzen Gottes werden Mann und Frau auf Epheser 5,24f vorbereitet: Beide lernen, ihren Willen dem des Vaters zu unterwerfen. In Vers 24 ist die Rede vom Sich-Unterordnen der Frau, heute oft ein Stein des Anstoßes, doch im Herzen Gottes lernt die Frau die Selbsthingabe und damit
auch die Bereitschaft, ihren Mann in seiner Aufgabe als Haupt der Familie zu sein anzuerkennen. Der
Mann hingegen wird würdig und fähig, eben jenes Haupt der Familie zu sein, so wie Christus das
Haupt der Kirche ist. Im Endeffekt werden Mann und Frau auf eine Liebe vorbereitet, die nur ein „all
in“ kennt.