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20 Oktober 2017, 13:00
Die Gnade der inneren Wahrheit vor Gott

Franziskus in Santa Marta: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. Die Nichtigkeit der Wahrheit des Heuchlers mit seiner geschminkten Seele. Die Gnade der Weisheit der Selbstanklage. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Die erste Lesung vom Tag bildete den Ausgangspunkt der Betrachtungen von Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Freitag der 28. Woche im Jahreskreis.

„Der Herr schenke uns die Gnade der inneren Wahrheit“, so der Papst in Bezug auf die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer. Paulus mahne dazu, mit einem Akt des Glaubens bei Gott zu sein. Er erkläre, was „die wahre Vergebung Gottes“ sei, das heißt jene, die „unentgeltlich“ sei, aus „seiner Gnade“, aus „seinem Willen“ komme, gewiss nicht jene, von der wir meinten, sie durch unsere Werke zu erlangen:

„Unsere Werke sind die Antwort auf die unentgeltliche Liebe Gottes, der uns gerechtfertigt hat und uns immer vergibt. Und unsere Heiligkeit besteht gerade darin, immer diese Vergebung zu empfangen. Aus diesem Grund zitiert Paulus den Psalm, den wir soeben gebetet haben: ‚Selig sind die, deren Frevel vergeben und deren Sünden bedeckt sind. Selig ist der Mensch, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet’ (V. 7-8). Es ist der Herr, er ist es, der uns die Erbsünde vergeben hat und der uns jedes Mal vergibt, wenn wir zu ihm gehen. Wir können uns unsere Sünden nicht mit unseren Werken vergeben: allein er vergibt. Wir können mit unseren Werken auf diese Vergebung antworten“.

„Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei“: im heutigen Evangelium (Lk 12,1-7) lasse uns Jesus dann „eine andere Weise der Suche nach der Rechtfertigung“ verstehen, indem er uns vor das Bild derer stelle, „die meinen, aufgrund des Scheins gerecht zur sein“: jene also, die es verstünden, ein „frommes Gesichtchen“ zu machen, als seien sie Heilige. Bei diesen Menschen handle es sich um die Heuchler. In ihrem Innern „ist alles schmutzig“, doch sie wollen gut und gerecht „erscheinen“, indem sie sich beim Fasten, Beten oder Almosen Geben sehen ließen. Doch in ihrem Herzen sei da nichts, „da ist keine Substanz“, ihr Leben sei heuchlerisch, ihre Wahrheit „ist nichts“:

„Diese da schminken die Seele, sie leben von der Schminke, die Heiligkeit ist ein Make-up für sie. Jesus fordert von uns immer, wahrhaftig zu sein, doch wahrhaftig im Innern des Herzens, und wenn etwas in Erscheinung treten soll, dann diese Wahrheit, das, was in unserem Herzen ist. Aus diesem Grund jener Rat: wenn du betest, dann geh hin und tue es im Verborgenen. Wenn du fastest, dann ja: leg ein wenig Schminke auf, damit keiner auf dem Gesicht die Schwäche des Fastens sieht. Und wenn du Almosen gibst, dann soll deine Linke nicht wissen, was die Rechte tut, tue es im Verborgenen“.

Die Rechtfertigung der Heuchler „ist die Rechtfertigung des Scheins“. Sie „sind Seifenblasen, die heute da sind und morgen nicht mehr“:

„Jesus fordert von uns Kohärenz im Leben, Kohärenz zwischen dem, was wir tun, und dem, was wir in unserem Inneren leben. Die Falschheit schadet so sehr, die Heuchelei schadet so sehr, das ist eine Lebensart. Im Psalm haben wir um die Gnade der Wahrheit vor dem Herrn gebetet. Es ist schön, worum wir gebeten haben: ‚Herr, ich bekannte dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich habe meine Seele nicht geschminkt. Ich sagte: ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben’. Immer die Wahrheit vor Gott, immer. Und diese Wahrheit vor Gott ist es, die den Raum für die Vergebung des Herrn schafft“.

Die Heuchelei werde also zu einer „Gewohnheit“. Der von Franziskus angezeigte Weg sei daher jener, nicht die anderen anzuklagen, sondern „die Weisheit der Selbstanklage“ zu lernen, ohne unsere Schuld vor dem Herrn zu bedecken.

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