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18 Oktober 2017, 09:30
Vorwürfe häuften sich, Jesuit profitierte von 'Kultur des Wegschauens'

„Süddeutsche Zeitung“ berichtet über Missbrauchs-Hauptverdächtigen aus dem Berliner Jesuitenkolleg: Man habe im Bistum Hildesheim wissentlich in Kauf genommen, dass Peter R. Kinder und Jugendliche gefährden würde.

Hildesheim-Berlin (kath.net) Der inzwischen suspendierte Jesuit Peter R. gilt als einer der Missbrauchs-Haupttäter am Berliner Canisius-Colleg, er arbeitete zuletzt im Bistum Hildesheim. Bei Beschwerden gegen ihn habe es ein „Muster des Wegschauens“ gegeben, beschreibt das Gutachten, welches das Bistum jüngst zu diesem und anderen Missbrauchsvorwürfen veröffentlicht hat, kath.net hat berichtet. Man habe wissentlich in Kauf genommen, dass Kinder und Jugendliche gefährdet würden, wurde beim Vorstellen des Berichtes vom Gutachter Peter Mosser erläutert. Das schrieb die „Süddeutsche Zeitung“.

Peter R. ist, so die „Süddeutsche“ anhand des Gutachtens weiter, für zahlreiche sexuelle Übergriffe am von Jesuiten geführten Canisius-Kolleg verantwortlich. Nicht zuletzt diese Vorfälle lösten den bundesweiten Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aus, als sie 2010 bekannt wurden. Peter R. war wegen dieser Vorwürfe bereits in den Achtzigerjahren nicht mehr haltbar gewesen. Deshalb veränderte er seine berufliche Aufgabe und kam ins Bistum Hildesheim. Sobald wieder Vorwürfe gegen ihn auftauchten, wurde er immer versetzt. Das Gutachten weist elf Fälle sexualisierter Gewalt durch Peter R. nach; davon seien seinerzeit sechs den damaligen Bistumsverantwortlichen bekannt geworden. Doch keine der Gemeinden, in der R. eine neue Stelle antrat, „sei über die Gefahr informiert worden, die von dem Mann ausgehe“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ wörtlich. „Noch beim bislang jüngsten, 2015 bekannt gewordenen Fall einer Frau, die als 14-Jährige das Opfer von R. wurde, habe es zahlreiche Versäumnisse gegeben“, dieser Fall spielte sich offenbar 2010 ab.