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06 Oktober 2017, 09:30
Christlicher Anwalt und Minister: Asia Bibi wird bald frei sein

Pakistanischer Regionalminister Sandhu schildert im Interview der St. Pöltner Kirchenzeitung die schwierige Lage für Christen in seinem Heimatland

St. Pölten (kath.net/KAP) Einer der Anwälte der wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanischen Christin Asia Bibi (Archivfoto) nährt Hoffnungen auf ihre baldige Freilassung. "Ich bin überzeugt, dass sie in zwei oder drei Monaten frei sein wird", sagte Khalil Tahir Sandhu im Interview für die aktuelle Ausgabe der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt". Der Jurist und Minister für Menschenrechte und Minderheiten der pakistanischen Provinz Punjab vertritt Asia Bibi gemeinsam mit anderen Anwälten vor dem Höchstgericht in Islamabad. Internationaler Druck über Solidaritätserklärungen, Medienberichte und diplomatische Initiativen seien im Kampf um Bibis Freilassung "sehr hilfreich", so Sandhu. Explizit verwies er auf 13.000 Unterstützungsunterschriften, die der deutsche Botschafter jüngst überreicht habe.

Asia Bibi wurde vor mehr als acht Jahren in ihrem Heimatdorf Ittanwali in der Provinz Punjab verhaftet. Die Berufungsverhandlung gegen das 2010 verhängte Todesurteil wurde in den vergangenen Jahren mehrfach verschoben. Mitte September schlug das EU-Parlament die Christin für den diesjährigen Sacharow-Menschenrechtspreis vor.

Die strengen islamischen Gesetze in Pakistan würden oft gegen Minderheiten, vor allem Christen, angewendet, schilderte ihr Anwalt Sandhu im Gespräch mit "Kirche bunt". Asia Bibis Fall sei einer von vielen. Allein in Punjab befinden sich nach Angaben des Regionalministers derzeit 223 Menschen wegen Vorwürfen nach dem umstrittenen Blasphemiegesetz in Haft. Mehr als die Hälfte von ihnen seien Muslime. Im Gefängnis säßen aber auch viele Christen, berichtete Sandhu, der selbst derzeit 14 von ihnen vor Gericht verteidigt.

Große Hoffnung auf eine mögliche Änderung des Blasphemiegesetzes hat der christliche Anwalt, der selbst auf der Todesliste der islamistischen Taliban steht, nicht. "Aber wir können etwas gegen den Missbrauch des Gesetzes tun und gegen falsche Beschuldigungen", zeigte er sich überzeugt. Es gebe einen guten Austausch mit den muslimischen Minis­tern und dem islamischen Klerus in der Region. Auch die muslimischen Regionalminister Punjabs hätten beispielsweise ein Dokument unterzeichnet, mit dem der Missbrauch des Blasphemiegesetzes gestoppt werden soll. "Ich bin überzeugt, dass man nur durch Dialog etwas bewirken kann", sagte Sandhu.

Der 50-jährige Anwalt hielt sich Ende September auf Einladung der Caritas der Diözese St. Pölten in Österreich auf. Pakistan ist eines der Auslandshilfe-Schwerpunktländer der St. Pöltner Caritas.

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