05 Oktober 2017, 15:00
'An die geschätzten Protestanten unter meinen Kritikern'
 
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WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Gebetshaus Augsburg'
„In den letzten Monaten gab es einige Artikel zum Gebetshaus Augsburg oder meiner Tätigkeit, deren wesentlicher Kritikpunkt die Behauptung ist, es ginge mir um eine subtile Vermittlung katholischer Inhalte.“ Gastbeitrag von Johannes Hartl

Augsburg (kath.net/Blog Johannes Hartl ) In den letzten Monaten gab es einige Artikel, die sich kritisch mit dem Gebetshaus oder meiner Tätigkeit auseinandersetzten, deren wesentlicher Kritikpunkt die Behauptung ist, es ginge mir um eine subtile Vermittlung katholischer Inhalte. Diese Tatsache entbehrt nicht einer gewissen Ironie, waren es in den letzten Jahres doch eher liebe katholische Geschwister, die sich zur Mahnung veranlasst fühlten, durch Johannes Hartl dringe ein protestantischer Geist in die katholische Szene ein.

Kritik am Gebetshaus und an mir ist jederzeit willkommen, stets notwendig, fast immer berechtigt und inhaltlich sicherlich meist jedenfalls bedenkenswert. Ich möchte aus allen denkbaren und sinnvollen Themen (zum Beispiel wie was kommuniziert wird, wie viel die MEHR kostet etc.) nur dieses eine herausgreifen. Das Hauptproblem der meisten meiner protestantischen Kritiker ist offenbar die Tatsache, dass ich katholisch bin. Am Ende jedes Artikels läuft es gewöhnlich auf folgende Argumentation heraus: weil Johannes katholisch ist, ist das Richtige, das er sagt, wertlos, weil er ist ja katholisch. Und Katholiken glauben an die schrecklichsten Dinge, zum Beispiel, dass man neben Gott auch noch die Himmelskönigin anbeten, mit Toten kommunizieren und sich den Himmel durch Ablassbriefe verdienen solle. All meine Versuche, das Evangelium in den schönsten Farben zu malen, dienten also zu nichts weiter als der Verschleierung meiner eigenen konfessionellen Abgründigkeit.

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Nun zunächst zum Vorwurf: ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Ich bin tatsächlich charismatischer Katholik. Für manche Evangelikale also gleich ein doppelter Satansbraten. Doch ich habe eine ganz schlechte Nachricht: weltweit gehören irgendwie 1,5 Milliarden Christen oder so entweder zur katholischen oder zu einer charismatischen Kirche. Also entweder hat man die Chuzpe, 75% der Christenheit abzusprechen, Christen zu sein, oder man schluckt den Frosch und anerkennt, dass es eben auch ein paar Frösche gibt, die nicht auf der gleichen Seerose sitzen, wie man selbst.

Auffallend abwesend in den meisten Artikeln ist eine genaue Darlegung, was genau denn nun falsch sei an dem, was ich sage. Nur zum Verständnis: mir ist absolut klar, dass Protestanten keine Katholiken sind. Ich erwarte also nicht, dass sie dem Katholizismus zustimmen. Doch das ist nicht meine Frage. Meine Frage ist, was genau unbiblisch oder falsch sei an dem, was ich öffentlich verkündige?

Um das mal ganz klar zu sagen: ich erachte es weder als meine Aufgabe noch als meine Absicht, Menschen aus anderen Kirchen zu Katholiken zu machen. Es ist schlicht nicht das, was ich beabsichtige. Ich möchte, dass Menschen sich inniger in Jesus verlieben. Und zwar Nichtchristen, Katholiken, Protestanten, Sportlehrer, Hähnchenbrater*Innen und Bademeister, alle. In welcher Kirche sie Heimat finden, steht auf einem anderen Blatt.

Nun scheint mir unausgesprochen jedoch die Annahme mitzuschwingen, das könne doch nicht wahr sein, denn schließlich sei ich katholisch. Wenn ich mich also auf die biblische Botschaft beschränke, dann sei das sicherlich zum Zwecke der Vermischung. „Johannes Hartl strebt die Welteinheitsreligion an, alles ein Brei unter der Herrschaft Roms.“ Alles klar. Und privat liest Du schwerpunktmäßig Bücher aus dem KOPP-Verlag, oder?

Spaß beiseite. Wenn ein Oberpfälzer und ein Niederbayer darin übereinkommen, dass das Oktoberfest eine ausgezeichnete Sache ist, dann verliert weder der Oberpfälzer seinen (übrigens entsetzlichen) Dialekt, noch muss der Niederbayer seine (übrigens großartige) Identität aufgeben. Sie stimmen schließlich darin überein, dass es in jeder Hinsicht phänomenal ist, 11€ für einen Liter schlechtgekühltes Bier zu bezahlen und sich von betrunkenen Kanadiern nach dem Weg zum Marienplatz fragen zu lassen. Wegen meiner. Doch wer käme auf die Idee, dass es der subtile Versuch der Vernichtung Niederbayerns sei, wenn ein Oberpfälzer von der Wiesn schwärmt?

Vergleich verstanden? Ich schwärme von Jesus. Jesus begegnen nenne ich Gebet. Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts. Diese Botschaft ist relevant für jeden. Ich persönlich komme zufälligerweise aus Niederbayern. Vielleicht hört man manchmal meinen Akzent. Wer diesen sosehr liebt und deshalb nach Niederbayern umziehen will: warum nicht. Doch das ist nicht die Pointe. Ich betone Themen, die relevant für jeden Menschen, erst recht für jeden Christen sind. Ich betone Themen, in denen jeder Christ übereinstimmen kann, ohne seine konfessionelle Prägung zu verlieren.

Klingt beängstigend? Dann hast Du vielleicht einfach nur Angst, dass Menschen woanders das Bier besser schmecken könnte als bei Dir. Oder Du traust Leuten nicht zu, für sich selbst zu unterscheiden. Das machen die Leute aber sowieso.

Also langer Rede kurzer Sinn: weder bin ich der verlängerte Arm der niederbayerischen Regierung, noch verachte ich insgeheim die Oberpfalz. Ich schwärme einfach vom Oktoberfest. Und das ist bekanntlich für alle Bayern da. Und für die Kanadier.

Dr. Johannes Hartl ist katholischer Theologe. Der Gründer und Leiter des Gebetshauses Augsburg ist verheiratet und Familienvater.

Aktuell gibt er im Rahmen seines Lehrauftrags eine Blockvorlesung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI.

kath.net-Lesetipp
Gott ungezähmt
Raus aus der spirituellen Komfortzone
Von Johannes Hartl
Hardcover
224 Seiten
2016 Herder, Freiburg
ISBN 978-3-451-34890-7
Preis 20.60 EUR

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Dr. Johannes Hartl - Katechese auf der #MEHR2017 / Gebetshaus Augsburg




Foto (c) Gebetshaus Augsburg







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