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26 September 2017, 23:00
Kardinal: Jugend hat Mexiko nach dem Beben eine Lektion erteilt

Würdigung für den Bergungs-Einsatz von hunderttausenden Jugendlichen bei Trauerfeier in der Guadalupe-Basilika - Bischofskonferenz sieht durch Katastrophe auch "Gewissen Mexikos erschüttert"

Mexiko-Stadt (kath.net/KAP) Die vielen Jugendlichen, die sich in Mexiko nach dem verheerenden Erdbeben der Vorwoche an den Bergungs- und Hilfsarbeiten beteiligt haben, haben dem Land "eine Lektion erteilt": Das hat der Erzbischof von Mexiko-Stadt, Kardinal Norberto Rivera, am Sonntag bei einem Trauergottesdienst für die Opfer der Katastrophe in der Guadalupe-Basilika hervorgehoben. Hunderttausende hätten sich freiwillig für die anderen eingesetzt. Dies habe Mexiko gezeigt, dass es trotz seiner Armut reich an Liebe und Solidarität sei, so der Erzbischof.

Tag und Nacht hätten junge Menschen die Opfer des Bebens betreut, Nahrungsmittel verteilt und Schutt entfernt, seien rastlos in den Straßen auf- und abgelaufen um andere für die Mithilfe zu mobilisieren. "Und dies alles nur für den freudigen Moment, wenn jemand aus den Trümmern herausgezogen und wiedergeboren wird", so der Kardinal. Bei dem Gottesdienst, bei dem auch hunderte Angehörige der beim Beben Verstorbene und der vatikanische Nuntius Franco Coppola anwesend waren, dankte Rivera zudem den Mitgliedern internationaler Spezialisten aus neun Ländern - darunter auch die Schweiz und Japan, die sich an den Bergungen beteiligt hatten.

Bereits am Samstag hatte die mexikanische Bischofskonferenz betont, das Erdbeben der Stärke 7,1 sei nicht nur ein auf tektonische Platten beschränktes Naturereignis gewesen, sondern habe auch "das Gewissen des Landes erschüttert". Mexiko sei durch die Katastrophe auch aufgerufen, seine Entwicklung und seine Wertvorstellungen zu überprüfen. Wegweisend sollten jene Prinzipien sein, die Papst Franziskus in der Enzyklika "Laudato si" vorgezeichnet habe: Ein Fokus auf menschliche Entwicklung, die ganzheitlich, nachhaltig und mit transzendenten Zielen sein solle, erklärten die Bischöfe.

Weiterhin laufen in dem mittelamerikanischen Land die kirchlichen Hilfsaktionen auf Hochtourenn. Bislang wurden 200 Tonnen Hilfsgüter in Mexiko-Stadt, jedoch auch in Morelos, Oaxaca und Chiapas verteilt, erklärte Padre Enrique Maldonado, Präsident der Caritas der Erzdiözese Mexiko-Stadt, in einer diözesanen Aussendung. 300.000 Säcke Lebensmittel seien in den 50 kirchlichen Nothilfe-Zentren an Familien übergeben worden. 31 dieser Zentren seien weiterhin geöffnet, ebenso wie acht Notherbergen in Pfarren und katholischen Universitäten. In den Herbergen stünden Priester für seelsorgliche Betreuung zur Verfügung. 83 Krankenstationen und drei kirchliche Krankenhäuser würden weiters die verletzten Menschen versorgen, dazu wurden 80 junge Freiwillige im Schnellverfahren für die Kurztherapie für betroffene Menschen ausgebildet.

Wie das Erdbeben die mehreren hundert Pfarren beeinträchtigt hat, deren Kirchen zerstört wurden, zeigt das Beispiel der Pfarre Nuestra Senora de los Angeles im Hauptstadtviertel Guerrero: Das ganze Pfarrleben und auch die Wochentagsmessen finden hier in der Sakristei statt, wo ein provisorischer Altar aufgebaut wurde, während die große Sonntagsmesse auf der Straße oder in einem nahen Garten gefeiert wird. Das beschädigte Kirchengebäude wurde am Wochenende vom Zivilschutz und der Denkmalbehörde untersucht. Man hoffe nun, dass die Kirche eines Tages wiederaufgebaut werde, heißt es in dem Bericht auf der Homepage der Erzdiözese Mexiko-Stadt.

Das Erdbeben der Stärke 7,1 vom 19. September hat laut jüngsten Angaben des mexikanischen Zivilschutzes mindestens 320 Menschenleben gefordert, davon 182 in der Hauptstadt. Bis Montagmorgen (Ortszeit) wurden 39 Nachbeben registriert, sowie seit dem stärkeren Beben in der Region vom 7. September in Summe bereits 4.684 Nachbeben, teilte der nationale seismologische Dienst mit.

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