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17 September 2017, 07:55
‘Ein Herz für andere haben’

Erntedank und Schöpfungszeit - Predigt von Josef Spindelböck.

St. Pölten (kath.net/ Sankt Josef)
24. Sonntag im Jahreskreis A (17.09.2017) L1: Sir 27,30-28,7; L2: Röm 14,7-9; Ev: Mt 18,21-35

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wie jedes Jahr so danken wir auch heuer wieder Gott dem Herrn für alle guten Gaben, die er uns in seiner Schöpfung schenkt. Zum Zeichen der Dankbarkeit werden anschließend Gaben aus der heurigen Ernte vor den Altar gebracht.

Mag der Mensch sich auch noch so sehr mühen, letztlich hängt das Wachsen und Reifen der Früchte des Feldes, des Obstes, der Weinstöcke in den Weingärten sowie der Erträgnisse des Waldes immer ab von Faktoren, die wir Menschen nicht kontrollieren können. Das, was sich in der Natur immer wieder entfaltet, was wächst und gedeiht, ist zutiefst bewundernswert. Das Leben der Pflanzen und Tiere und noch mehr das Leben des Menschen ist ein Geheimnis, dem wir uns nur in Ehrfurcht nähern können.

Gewiss darf sich der Mensch die Gaben der Schöpfung zunutze machen, doch immer so, dass er den Gesamtkreislauf der Natur nicht zerstört. Nur dort, wo wir die Spuren des Schöpfergottes in den Gaben der Natur anerkennen, werden wir bewahrt vor einer Haltung der Anmaßung, in der wir meinen, wir würden uns alles selber verdanken und könnten alles selber machen. Gott ist ja, wie es im Tagesgebet (dieses 24. Sonntags im Jahreskreis A) heißt, der „Schöpfer und Lenker aller Dinge“.

Lernen wir die Dankbarkeit und das Staunen neu! Wenn uns Jesus in den Evangelien des Öfteren die Kinder als Vorbild vor Augen stellt, dann meint er damit jene Haltung der Offenheit und der natürlichen Dankbarkeit, die wir als Erwachsene vielleicht schon etwas verlernt haben. Das Leben insgesamt, ja die ganze Schöpfung ist ein Wunder! Gott in seiner Liebe und Weisheit hat uns alles geschenkt. Wenn wir den Dingen und Lebewesen so begegnen, wie Gott sie für uns gewollt hat, dann haben wir auch selbst einen Nutzen davon.

Wenn wir hingegen die Natur ausbeuten und ihre Gesetze missachten, dann richtet sich die Wucht der Natur schließlich gegen den Menschen selbst. In diesem Sinn sind wir in der Schöpfungszeit, die vom 1. September bis zum 4. Oktober dauert, aufgerufen zu einem ehrfurchtsvollen und achtsamen Umgang mit der ganzen Schöpfung. Je mehr wir als Menschen begreifen, dass wir der übrigen Schöpfung nicht nur gegenüberstehen, sondern in sie eingefügt sind, desto aufmerksamer wird unser Blick für die Welt um uns sein. Dann werden wir auch die richtige Weise des Umgangs mit der unbelebten Welt sowie den Pflanzen und Tieren finden.

Wer weiß, dass er alles letztlich Gott dem Herrn verdankt, der wird demütig sein. Das Übermaß der Gaben und Gnaden Gottes kann und soll unser Herz öffnen für die Mitmenschen. Überall dort, wo sie auf uns angewiesen sind, wollen wir mit innerer Großzügigkeit geben, denn auch wir haben reichlich empfangen. Auf diese Weise wird unser Leben erfüllt, denn wer aus Liebe gibt, der wird noch Größeres dafür empfangen. Gott selbst lässt sich ja nie an Großzügigkeit übertreffen.

Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns, wie wichtig es ist, ein Herz für andere zu haben. Denn letztlich sind wir alle Empfangende, und wer meint, der Nächste schuldet ihm etwas, der soll bedenken, wieviel er selber Gott dem Herrn verdankt und schuldet. So werden wir innerlich frei und können dem Bruder oder der Schwester vergeben, wenn sie an uns schuldig geworden sind. Denn auch wir selber sind immer wieder auf die Gewährung von Vergebung und Versöhnung durch unsere Mitmenschen angewiesen, ja letztlich auf das Erbarmen des Herrn.

Alles, was wir tun, soll geschehen zum Lob und zur Ehre des Dreieinigen Gottes, der uns geschaffen hat und der uns in das himmlische Reich beruft, wo einst die ganze Schöpfung in Christus dem Herrn vollendet wird. Amen.