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26 Juni 2017, 13:00
Das spirituelle Zelt des Christen im Aufbruch

Franziskus in Santa Marta: Entäußerung und Entblößung, Verheißung und Segen – die drei Dimensionen des christlichen Lebens. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Ein Christ, der stillsteht, ist kein wahrer Christ. In den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit stellte Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Montag der zwölften Woche im Jahreskreis die erste Lesung aus dem Buch Genesis (Gen 12, 1-9) zum neuen Anfang, den Gott mit der Menschheit in der Gestalt des Abraham macht.

Die Betrachtung des Schicksals Abrahams veranlasste den Papst zu einer dringlichen Aufforderung, nicht statisch zu sein oder sich „zu sehr niederzulassen“. Franziskus mahnte dazu, Gott zu vertrauen und ihm nachzufolgen. In der Geschichte Abrahams könne „der Stil des christlichen Lebens ausgemacht werden, der Stil von uns als Volk“. Dieser Stil kennzeichne sich durch drei Dimensionen: der „Entäußerung und Entblößung“, der „Verheißung“ und des „Segens“. „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde“ (V. 1), so die Mahnung des Herrn an Abraham:

„Christ sein bringt immer diese Dimension der Entäußerung und Entblößung mit sich, die ihre Fülle in der Entäußerung Jesu am Kreuz findet. Immer ist da ein ‚Zieh weg!’, ‚Verlasse!’, um den ersten Schritt zu tun. ‚Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft, aus deinem Vaterhaus’. Wenn wir unser Gedächtnis etwas anstrengen, dann werden wir sehen, dass die Berufung der Jünger in den Evangelien ein ‚Geh weg!’, ‚Verlasse!’, ‚Komm!’ ist. Auch in den Propheten, nicht wahr? Denken wir an Elischa, der den Acker bearbeitet: ‚Lass das sein und komm!’ – ‚Aber erlaub mir doch wenigstens, mich von meinen Eltern zu verabschieden!’ – ‚Nun, geh und komm zurück’. ‚Verlasse und komm!’“.

Die Christen müssten die Fähigkeit haben, „entblößt“ zu sein. Andernfalls „sind sie keine echten Christen“, wie es auch jene nicht seien, die sich nicht „mit Jesus entkleiden und kreuzigen“ ließen. Abraham „gehorchte aus Glauben“ und sei aufgebrochen, um ein Land als Erbe zu erhalten, dies jedoch ohne eine genaue Bestimmung zu kennen:

„Der Christ hat kein Horoskop, um in die Zukunft zu sehen. Er geht nicht zum Hellseher, der eine Kristallkugel hat, der ihm die Hand liest... Nein, nein. Er weiß nicht, wohin er geht. Er wird geführt. Und das ist gleichsam die erste Dimension des christlichen Lebens: die Entäußerung und Entblößung. Doch warum die Entäußerung? Aus dem Grund einer festen Askese? Nein, nein! Um hin zu einer Verheißung zu gehen. Und das ist die zweite Dimension. Wir sind Männer und Frauen, die zu einer Verheißung unterwegs sind, zu einer Begegnung, zu etwas – zu einem Land, wird Abraham gesagt –, das wir als Erbe empfangen sollen“.

Und dennoch baue Abraham dann kein Haus, sondern schlage ein Zelt auf, um darauf zu verweisen, „dass er unterwegs ist und Gott vertraut“. So baue er einen Altar, „um den Herrn anzubeten“: „Der Herr erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Dort baute er dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar“ (V. 7) Dann gehe er weiter. Er sei immer unterwegs:

„Der Weg beginnt alle Tage am Morgen neu. Der Weg des Anvertrauens an den Herrn. Der Weg, der offen ist für die Überraschungen des Herrn, die viele Male nicht gut, die viele Male hässlich sind – denken wir an eine Krankheit, an einen Todesfall –, doch offen, denn ich weiß, dass Du mich an einen sicheren Ort bringen wirst, zu einem Land, das Du für mich vorbereitet hast. Das heißt: der Mensch unterwegs, der Mensch, der in einem Zelt lebt, in einem geistlichen Zelt. Wenn man sich zu gut einrichtet, zu sehr festsetzt, dann verliert unsere Seele diese Dimension, hin zu einer Verheißung unterwegs zu sein, und statt zur Verheißung zu gehen trägt sie die Verheißung und besitzt die Verheißung. Und das ist nicht in Ordnung, das ist nicht christlich im eigentlichen Sinn“.

In diesem „Samen des Anfangs unserer christlichen Familie“, so der Papst, trete eine weitere Charakteristik hervor, die Charakteristik des Segens. Der Christ sei ein Mann, eine Frau, der oder die „segnet“. Dies bedeute: „er spricht gut von Gott und den anderen“. Der Christ „lässt sich von Gott und den anderen segnen“, um voranzugehen. Dies also sei das Schema des christlichen Lebens, denn alle, „auch die Laien“, müssten die anderen segnen, gut von den anderen und gut zu Gott von den anderen sprechen.

Oft, fügte Franziskus hinzu, „sind wir es gewohnt, nicht gut vom Nächsten zu sprechen, wenn die Zunge ein wenig so in Bewegung ist, wie sie will, statt dem Gebot zu folgen, das Gott unserem Vater Abraham als Zusammenfassung des Lebens anvertraut: zu gehen, sich vom Herrn entblößen zu lassen, auf seine Verheißungen zu vertrauen und rechtschaffen zu sein“. Im Grunde, so der Papst abschließend, „ist das christliche Leben so einfach“.

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