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23 Juni 2017, 12:37
Vom Bischofs-Bashing und den Medien

Es gibt bei Medien gelegentlich Versuche, "zwischen eine neue, wachsende Bewegung und die hierarchisch verfasste Kirche einen Keil zu treiben". Gastkommentar nach einem Artikel über das Gebetshaus in „Christ und Welt“. Von Johannes Hartl
Augsburg (kath.net) Das Schimpfen auf Autoritäten war schon immer die einfachste, doch auch feigste, weil zu nichts verpflichtende Form, sich in widrigen Umständen zu verhalten. Ob liberal oder konservativ: keine kirchliche Szene ist vor der Gefahr gefeit, vielleicht sogar berechtigte Kritik auf eine Art und Weise zu äußern, die das Anliegen doch ins Unrecht setzt. Der Ton macht eben auch die Musik.

Gestern erschien in „Christ und Welt“, der Beilage zur ZEIT, ein Artikel über das Gebetshaus. Bereits im Kontakt mit anderen Vertretern der Medien war der Versuch spürbar, zwischen eine neue, wachsende Bewegung und die hierarchisch verfasste Kirche einen Keil zu treiben. Was die Bischöfe denn meiner Meinung nach falsch machten, was wir im Gegensatz zu ihnen verstanden hätten, so lauteten die tendenziösen Fragen. Schon die Schlagrichtung dieser Überlegungen ist mir zutiefst zuwider. Im „Christ und Welt“ Artikel werde ich mit Aussagen zitiert, die ich so auf diese Weise nicht unterschrieben hätte. Es stünde besser um die Kirche, wenn die Bischöfe 90% ihrer Zeit beten und nur 10% sich mit der Politik befassen würden. Einmischung in die Politik sei ohnehin nicht ihr Auftrag.

Eines ganz klar vorweg: mein Auftrag ist es ganz sicher nicht, Bischöfe über den Umfang des ihrigen aufzuklären.

Ja, tatsächlich lässt das erfreuliche Wachstum der jungen geistlichen Bewegungen die Frage aufkommen, ob die Katechese, die erneuerten Formen des gemeinschaftlichen Gebets und die Vertiefung des geistlichen Lebens in der kirchlichen Praxis und Verkündigung den Raum einnehmen, der ihnen eigentlich zukommen müsste. Doch weder ist es Aufgabe eines Bischofs, 90% seiner Zeit zu beten, noch ist irgendetwas falsch daran, wenn er sich politisch äußert.

Ja, ich gestehe: es macht mich ein wenig unruhig, wenn das Verhältnis zu kippen scheint. Der Dienst am Wort, die Verkündigung der christlichen Lehre: das muss der Mittelpunkt des öffentlichen Auftritts der Kirche sein. Wo politische Positionierung opportun oder gar geboten scheint, ist einerseits die Ausgewogenheit und Vermeidung der Parteinahme wichtig, andererseits das prozentuale Verhältnis zu Äußerungen über andere Themen. Bedauerlich wäre, wenn das bischöfliche Verkündigungsamt zu Gunsten politischer Meinungsäußerungen in das Hintertreffen geriete. Doch wo genau geschieht das und wer dürfte dies beurteilen?

Die Bewegung, die gerade um das Gebetshaus und die MEHR Konferenz herum entsteht, ist von innerkirchlicher Polemik frei.

Weder geht es darum, Theologen oder Bischöfe der Inkompetenz zu bezichtigen (welche Anmaßung!), noch um den Eindruck, an der einen Stelle sei eine großartige Erkenntnis vorhanden, die woanders noch fehlt. Es gibt nur eine Kirche. Deren sündhafte Glieder sind wir alle. Jeder baut dort, wohin er gestellt ist, mit der Kraft, die ihm verliehen ist.

Genüsslich breitet die Welt stets aus, wenn es Zwist und Zerrüttung im Leib Christi gibt. Für eine solche jedoch steht keine der neuen geistlichen Gemeinschaften, die mir bekannt sind, auch das Gebetshaus nicht.

Freilich: Gebet ist nicht alles, doch ohne Gebet ist alles nichts. Für Besserwisserei jedoch bietet gerade das authentische Gebet ganz besonders wenig Nährboden. In diesem Sinne ist es mir wichtig zu sagen: nur mit den Bischöfen, nur mit der Kirche! Wir brauchen die Hirten, wir brauchen die Theologen. Für Arroganz gibt es allerorts recht wenig Anlass. Sehr viel jedoch für Gebet, Einheit und herzliches gemeinsames Wirken.

Dr. Johannes Hartl ist katholischer Theologe. Der Gründer und Leiter des Gebetshauses Augsburg ist verheiratet und Familienvater.

Aktuell gibt er im Rahmen seines Lehrauftrags eine Blockvorlesung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI.


kath.net-Lesetipp
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Bibel TV - Beten - Wie geht das? | Interview mit Dr. Johannes Hartl




Foto oben: Johannes Hartl (c) Gebetshaus Augsburg