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28 Juli 2017, 17:00
Der Abschied – Leseprobe 4

An der Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Erinnerung und Traum erlebt der Erzähler den Trip seines Lebens. Leseprobe 4 aus dem Buch „Der Abschied“ von Giuseppe Gracia

Linz (kath.net)
Nun ertönt aus der Geiselgruppe ein Schrei, der sich nicht ängstlich oder panisch anhört, sondern wütend. Es ist ein etwa dreißigjähriger Mann, ein US-amerikanischer Internet-Milliardär, wenn ich ihn nicht mit einem anderen Gesicht aus den Medien verwechsle.

Er springt hoch und rennt auf einen Terroristen zu, um ihm zu überwältigen, aber nicht allein, sondern gemeinsam mit drei Männern, die einen Kurzhaarschnitt haben und kräftig wirken, vielleicht Bodyguards.
Diese Bodyguards, wenn es Bodyguards sind, verpassen dem Terroristen Fußtritte in die Kniescheiben, Faustschläge auf Nase und Hinterkopf und in den Hals, während der Internet-Milliardär die Maschinenpistole an sich nimmt und in Anschlag bringt und sogleich, ohne einen Moment zu zögern, losschießt, in Richtung der bereits herbei eilenden Terroristen. Möglicherweise ist der Milliardär ein Sportschütze, denn er trifft einen Angreifer ins Bein sowie in die Brust und feuert weiter und trifft einen zweiten Terroristen im Gesicht. Dann wird er selber getroffen und stößt gegen einen Tisch und reißt Teller und Gläser und die Blumendekoration mit sich zu Boden.

Die Bodyguards, wenn es Bodyguards sind, werden ebenfalls getroffen, die ersten beiden fast gleichzeitig, während der Dritte länger durchhält, unter dem Einsatz einer beeindruckenden Kampfkunst: mit gestreckten, propellerhaft herumwirbelnden Beinen und angewinkelten Ellbogen in die Schläfen des Gegners und mit harten Fingerstechern in die Augen. Der Mann kämpft sich durch den halben Saal, in Richtung Hamed S., der die ganze Zeit ruhig wirkt und nach seinem im Gürtel steckenden Schwert greift. Er wartet, bis der Bodyguard in Reichweite ist und stößt so fest zu, in den Hals, daß das Schwert hinten wieder rauskommt, wobei der Bodyguard noch in der Lage ist, Hamed S. an den Schultern zu packen und festzuhalten, bevor er zu Boden geht.

Hamed S. blickt auf den sterbenden Angreifer, vielleicht weil er beeindruckt ist, vielleicht weil er sich zuerst für einen Moment sammeln muss. Inzwischen bringt man den Internet-Milliardär, der noch lebt, nach vorne. Hamed S. lässt ihn niederknien, mit dem Gesicht zu den anderen Geiseln, und schießt ihm von hinten in den Kopf, damit alle, vor der Explosion, den Schrecken in den Augen sehen können. Sodann erklärt Hamed S. dem Ersten Deutschen Fernsehen, warum der Mann den Tod verdient hat, nämlich, weil er ein Zerstörer der Seele gewesen sei, ein Machthaber über die weltweite digitale Verwertung des Menschen.

Keine der Geiseln reagiert, natürlich nicht, weil allen nur der Anblick der Augen des Milliardärs im Moment der Exekution durch den Kopf geht, so wie es mir durch den Kopf geht, daß meine Augen in meinem Kopf bald auch so aussehen werden wie die Augen im Kopf des Internet-Milliardärs.

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kath.net Buchtipp
Der Abschied
Autor: Giuseppe Gracia
Bucherverlag 2017
112 Seiten
ISBN 978-3-99018-400-4
Preis: Euro 13,50

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