18 September 2003, 11:08
Kardinal Castrillón: Alle sollen 'Die Passion' sehen
 
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Gerne würde er einige seiner Predigten über das Leiden Christi gegen Szenen des Films eintauschen, bekannte der Präfekt der Kongregation für den Klerus, Kardinal Darío Castrillón Hoyos.

Vatikan (www.kath.net / ACI) Als hochrangiger Vertreter der katholischen Kirche nahm kürzlich Kardinal Dario Castrillón Hoyos zu Mel Gibsons Film „Die Passion“ Stellung. In einem Interview mit dem Journalisten Antonio Gaspari bestätigt der Präfekt der Kleruskongregation die Treue des Films zu den Evangelien. Er sei sich sicher, dank dem Film würden die Zuschauer Gott und den Nächsten stärker lieben können. KATH.NET dokumentiert das Interview, das die italienische Tageszeitung "La Stampa" in Kürze veröffentlichen wird, in deutscher Übersetzung.

Ich habe gehört, sie haben den neuen Film von Mel Gibson, „Die Passion“, bereits gesehen? Wie sind ihre Eindrücke?

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Castrillón: Während ich diese noch etwas unvollständige Version des Filmes sah, empfand ich Momente von tiefer spiritueller Intimität mit Jesus Christus. Es ist ein Film, der den Zuseher zum Gebet und zur Betrachtung führt, zu einer aufrichtigen und fühlbaren Kontemplation. Tatsächlich würde ich, so habe ich es Gibson nach der Vorstellung auch gesagt, einige der Predigten, die ich über das Leiden Christi gehalten habe, sehr gerne gegen wenigstens auch nur einige wenige Szenen dieses Films eintauschen.

Viele Filme sind über das Leben Jesu Christi gedreht worden. Was ist der Wert dieser Verfilmung?

Castrillón: Mit diesem Film hat Gibson etwas wirklich Außerordentliches erreicht. Er hat die einzigartige Technologie, die uns dank der modernen Kommunikationsmedien zur Verfügung steht, dazu benutzt, um zu erreichen, dass das Leiden, der Tod und die Auferstehung von Jesus Christus vor den Augen der Menschen unserer Zeit Gestalt annimmt. Darüber hinaus ist der Film ein Kunstwerk in sich – das schauspielerische Agieren, die hervorragende Kameraführung, der Ton, die Beleuchtung, der Rhythmus sind so stark wie die Botschaft, die ausgedrückt wird.

Sechs Monate vor seiner Premiere hat “Die Passion” eine große Kontroverse hervorgerufen. Haben Sie irgendeinen Einwand, diesen Film zu empfehlen?

Castrillón: Ich wünschte mir, alle katholischen Priester auf der ganzen Welt würden diesen Film sehen. Ich hoffe, alle Christen haben die Möglichkeit, ihn zu sehen, wie auch alle anderen Menschen auf der ganzen Welt.

Man hat gesagt, der Film zeige große Gewalt. Wird das unter den Zuschauern nicht Zorn und Hass hervorrufen?

Castrillón: Meiner Meinung nach ist es eines der großen Verdienste dieses Films, sehr wirkungsvoll sowohl den Schrecken der Sünde und den Egoismus gezeigt zu haben als auch die Erlösungsmacht der Liebe. Dieser Film erweckt im Zuschauer Liebe und Mitleid. Der Zuschauer wünscht sich, tiefer zu lieben und stärker und gut zu sein, ohne sich dabei irgendetwas zu erwarten, eben genauso wie Christus es in seinem schrecklichen Schmerz gemacht hat. Das Publikum wird zu einer mächtigen Erfahrung der starken und sanften Liebe Gottes hingeführt, zu seinem unglaublichen Erbarmen. Wäre es uns möglich, wirklich zu verstehen, was Jesus Christus für uns gemacht hat und würden wir seinem Beispiel der Liebe und des Verzeihens folgen, dann glaube ich gäbe es auf der Welt weder Hass noch Gewalt. Dieser Film hilft, dies möglich zu machen.

Als Präfekt der Kongregation für den Klerus gehört es zu ihren Aufgaben, die Katechese der Katholiken in der ganzen Welt zu beaufsichtigen. Trägt dieser Film positiv zu ihrer Arbeit bei?

Castrillón: Der Film ist ein Triumph der Kunst und des Glaubens. Er wird ein Werkzeug sein, um die Person und die Botschaft Christi zu erklären. Ich bin sicher, er wird jede Person, die ihn sieht, im Positiven verändern, sowohl Christen als auch Nicht-Christen. Er bringt die Menschen Gott näher und er bringt sie selbst einander näher.

Ist Gibsons Version vom Leiden und Tod Jesu Christi den Evangelien treu?

Castrillón: Gibson musste zwischen vielen Möglichkeiten der Kunst eine Weise wählen, die Personen und Begebenheiten rund um die Passion darzustellen. Die Erzählungen aus den Evangelien hat er mit den Betrachtungen, die Heilige und Mystiker im Laufe der Zeit angestellt haben, vervollständigt. Mel Gibson folgt nicht nur aufmerksam der Erzählung aus den Evangelien und führt den Zuschauer so zu einer neuen Wertschätzung dieser biblischen Stellen, sondern seine künstlerische Wahl machen diesen Film auch treu zu der Bedeutung der Evangelien, wie ihn die Kirche versteht.

Einige haben Angst, die lebendige Darstellung, die Gibson vom Tod Christi macht, könnte Antisemitismus hervorrufen. Liegt darin etwas Wahres?

Castrillón: Wie jede Form des Rassismus verzerrt der Antisemitismus die Wahrheit, um eine gesamte Volksrasse ins Visier zu nehmen und ihr ein schlechtes Image zu verpassen. Dieser Film macht nichts Derartiges. Aus der historischen Objektivität der evangelischen Erzählungen sammelt er Mitgefühl, Empfindungen des Erbarmens und der Versöhnung. Er erfasst die Subtilitäten und den Schrecken der Sünde wie auch die süße Macht der Liebe und des Verzeihens, ohne auch nur die leiseste Anspielung auf eine allgemeine Verurteilung gegen irgendeine Gruppe aufkommen zu lassen oder zu machen. Dieser Film drückt vielmehr vollkommen das Gegenteil aus. Er zeigt, dass das Lernen vom Beispiel Christi dazu führt, dass es nie mehr Gewalt gegenüber irgendeinem-Menschen gibt.

(c) ACIPRENSA. Übersetzung aus dem Spanischen: Dominik Hartig / KATHNET.

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