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14 Juni 2017, 08:00
'Schönheit ist im letzten wie die Liebe ein Geheimnis'

Mit jedem Kreuzzeichen stellen wir uns unter das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag aus Maria Vesperbild von Wilhelm Imkamp

Maria Vesperbild (kath.net) Mindestens einmal im Jahr taucht sie auf allen Bildschirmen und in allen wichtigen Zeitungen auf, nämlich dann, wenn die „Haute Couture" ihre schönste Modenschau feiert: die „scalinata della Trinità dei Monti". Die großartige Treppe, die zur Kirche der allerheiligsten Dreifaltigkeit in Rom führt. Im Deutschen wird sie nach ihrem unteren Ende, der Piazza di Spagna, „Spanische Treppe" genannt, und hier, sozusagen „parterre" fanden dann auch vor Jahren schlagzeilenträchtige Vergnügungen eines deutschen Supermanagers statt.

„Französische Treppe" wäre wohl richtiger, diese führt nämlich zu einer französischen Kirche und ist von einem französischen Botschafter finanziert worden. Da paßt dann auch die „Haute Couture" ganz gut hinein. Die schönsten Creationen, getragen von den schönsten Models, werden auf der Schönsten aller Treppen zu einem Triumph der Schönheit. Schönheit ist im letzten wie die Liebe, ein Geheimnis. Es gibt nämlich keine mathematische oder physikalische Formel dafür. „Hier gelangen wir in einen Bereich, in dem nur das demütige Geständnis des Nicht-Wissens, wahres Wissen und nur das staunende Verbleiben vor dem unfaßbaren Geheimnis, rechtes Bekenntnis zu Gott sein kann. Liebe ist immer ‚Mysterium': mehr als man berechnend und nachrechnend begreifen kann" (Joseph Ratzinger).

Und das ist doch wirklich ein Fest wert, eben das Dreifaltigkeitsfest. Es ist „eine Art Zusammenfassung, die hinter der ganzen Erlösung die Tat des dreifaltigen Gottes sichtbar macht und verherrlicht" (Joseph Pascher).

Mit jedem Kreuzzeichen stellen wir uns unter das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Mit jedem „Ehre sei dem Vater" neigen, wir uns ehrfürchtig, und in jedem Glaubensbekenntnis verkünden wir das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit als „Substanz des Neuen Testamentes" (Leo XIII.) Hier geht es also nicht um eine Randwahrheit, sondern um das Zentrum unseres christlichen Glaubens: „Da die Spuren Gottes in einer säkularisierten Welt ohnehin sehr verschüttet sind, ist diese Konzentration auf den Dreifaltigen Gott als Ursprung und bleibenden Grund unseres Lebens auf der ganzen Welt die vordringlichste Aufgabe der heutigen Theologie", rief Papst Johannes Paul II. am 18. November 198o den deutschen Theologieprofessoren in Altötting zu. Prophetische Worte: ist es doch heute unter vielen Feuilletonphilosophen wieder Mode, den Glauben an den einen Gott, den Monotheismus, als Quelle der Intoleranz, ja des Bösen zu identifizieren. Da hilft es schon weiter, wenn man sich klar macht: „die innere Logik des christlichen Gottesglaubens zwingt zur Überschreitung eines bloßen Monotheismus, und führt zum Glauben an den dreieinigen Gott" (Joseph Ratzinger).

Die allerheiligste Dreifaltigkeit ist die „Haute Couture" des Monotheismus, sie macht ihn erst wirklich schön. Eine Schönheit allerdings, die für jeden erschwinglich ist, die tatsächlich alltagstauglich ist: Wenn Sie in München vom Viktualienmarkt zum Hofbräuhaus gehen, kommen Sie vielleicht an der Dreifaltigkeitskirche vorbei. Entstanden ist sie fast zur gleichen Zeit wie die „scalinata della Trinità dei Monti" in Rom. Auch die Münchner Kirche zeigt die gelungene Synthese von Theologie und mystischer Erfahrung in großartiger Schönheit. Jedes Kreuzzeichen auf einem Gang zwischen Viktualienmarkt und Hofbräuhaus bezeugt die Alltagstauglichkeit des Glaubens an die allerheiligste Dreifaltigkeit.

Natürlich können Sie sich auch „parterre" vergnügen und ausleben, wie der bestbezahlte deutsche Automechaniker. Das Dreifaltigkeitsfest aber lädt Sie zum Aufstieg ein. Steigen Sie die „scalinata della Trinità" hinauf, denn dazu sind Sie berufen. Ihr Leben ist berufen zum Aufstieg des Glaubens in Schönheit und zur Schönheit. Sie dürfen nur nicht „parterre" bleiben.

Auszug aus: Wilhelm Imkamp, Fit für die Ewigkeit, Augsburg 2009 (vergriffen)