29 April 2017, 08:00
Orthodoxe Kirche stoppt Kloster-Projekt in St. Andrä
 
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Voraussetzungen für Sinn und Ziele eines Klosters im Ort nicht mehr gegeben - Eisenstädter Bischof Zsifkovics: "Ich bedaure dies sehr und schäme mich, dass im Burgenland so etwas möglich ist"

Wien-Eisenstadt (kath.net/KAP) Die Orthodoxe Kirche stoppt das Kloster-Projekt in St. Andrä/Zicksee. Wie Metropolit Arsenios (Kardamakis) dem St. Andräer Bürgermeister Erich Goldenitsch und dem Gemeinderat in einem Schreiben mitteilte, nehme er den Antrag auf Umwidmung des betreffenden Grundstücks zurück. Damit wird das Kloster definitiv nicht in St. Andrä errichtet und auch die für Juni geplante Volksabstimmung ist hinfällig. Die Orthodoxe Kirche werde nun in aller Ruhe Alternativen prüfen, so der Metropolit, und zwar "in aller innerer Freiheit" und "ohne dass eine neue Standortentscheidung bereits vorläge". Er sei "betrübt, aber überzeugt von der moralischen Richtigkeit dieser Entscheidung", so Kardamakis.

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"Emotionen und Angst wurden geschürt, Gerüchte wurden gestreut, viele davon verletzend für die Orthodoxe und die Katholische Kirche gleichermaßen", heißt es in dem Brief. Dennoch seien alle zuversichtlich gewesen, dass ein "christliches Kloster letztlich für sich selbst sprechen würde".

Das Kloster sollte ein Symbol des Friedens, der Versöhnung und der Ökumene sein, betont der Metropolit in seinem Schreiben weiter. Schließlich gehe es darum, "den orthodoxen Christen" und allen Menschen guten Willens im pannonischen Raum ein "spirituelles Zentrum", einen "christlichen Wallfahrtsort" zu schenken, der gerade "ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs der ganzen Gesellschaft ein starkes Symbol für ein Europa des Geistes, des Friedens und der Versöhnung" sei. Ein solches Kloster sei ein "Zeichen in der Welt", eine "Erinnerung der Möglichkeit für jeden Menschen, umzukehren und zu Gott zurückzukehren". Es sei zudem eine "Fortschreibung der reichen Geschichte der Griechen in Österreich", die "bis in die Zeit der Babenberger, ja bis in die Römerzeit zurückreicht", wie Metropolit Arsenios in dem Brief betont.

Ein orthodoxes Kloster sei ein Ort der Gemeinschaft, die die Grundbotschaft des Christentum "existentiell zu leben" versucht - "in Gebet und Meditation, im Feiern der Göttlichen Liturgie, durch Werke der Barmherzigkeit und der Gastfreundschaft sowie durch einen einfachen und respektvollen Lebensstil, der im Einklang mit Gottes Schöpfung steht".

Nach zweieinhalb Jahren des geduldigen Wartens und Hoffens, wertvoller Begegnungen und gewissenhafter Aufklärungsarbeit, müsse man nun aber erkennen, dass diese Botschaft nicht von allen Bewohnern von Zicksee so angenommen werde. Das gelte es in aller Freiheit freilich auch zu respektieren, so der Metropolit: "Man muss die Haltung des Anderen respektieren und ihn freilassen, auch wenn man selbst etwas anderes erhofft hätte."

Zugleich betont der Metropolit, dass in St. Andrä in den vergangenen zweieinhalb Jahren trotz aller Irritationen viel Gutes entstanden sei, das auch in Zukunft reiche Frucht bringen werde. Kardamkis wies dabei auf die vielen Unterstützer und Freunde des Kloster-Projekts hin. Er werde gemeinsam mit Bischof Ägidius Zsifkovics nun Wege erarbeiten, um den mit dem Klosterprojekt und dem konkreten kirchlichen Grundstück verbundenen "Segen und die ökumenische Botschaft von Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios I. für alle Menschen wahrnehmbar und wirksam" machen zu können.

Der Metropolit erinnert auch daran, dass Papst Franziskus den Menschen von St. Andrä in einem persönlich an sie gerichteten Schreiben "für ihre Offenheit gedankt und dem Klosterprojekt seinen Segen erteilt" habe. Auch Patriarch Bartholomaios I. habe St. Andrä besucht und das von der Diözese Eisenstadt gestiftete Grundstück gesegnet "und mit den Menschen in St. Andrä ein bewegendes Fest der Begegnung gefeiert".

Zsifkovics: "Entscheidung absolut verständlich"

In einer ersten Stellungnahme drückte der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics sein tiefes Bedauern für eine von der Gemeinde St. Andrä verspielte "Jahrhundertchance" aus: "Ich bedaure dies sehr und schäme mich, dass im Burgenland so etwas möglich ist. Die Entscheidung des Metropoliten nach all der langen Zeit des - wie er selbst schreibt - geduldigen Wartens, Hoffens und Offenseins ist absolut verständlich. Metropolit Arsenios hat mich über den Entschluss, die Standortfrage neu aufzurollen, in einem persönlichen und wie immer freundschaftlichen Gespräch informiert."

Zugleich versicherte Zsifkovics, er stehe selbstredend weiterhin uneingeschränkt an der Seite des Metropoliten: "Es ist großartig, mit welcher Noblesse und wahrhaft christlicher Haltung Metropolit Arsenios mit den beschämenden Aktionen auf Gemeindeebene umgeht."

Symbolbild Orthodoxie




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