21 März 2017, 12:00
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„Es gibt Stellen in der hl. Schrift, vor denen ich innerlich auf die Knie gehe, in Ehrfurcht, Ergriffenheit, erschüttert. Zu diesen Abschnitten gehört der Bericht über das, was in Cäserea Philippi geschah.“ kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Es gibt Stellen in der hl. Schrift, vor denen ich innerlich auf die Knie gehe, in Ehrfurcht, Ergriffenheit, erschüttert. Zu diesen Abschnitten gehört der Bericht über das, was in Cäserea Philippi geschah:

„Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.“

So begann eine Art Volksbefragung, es klang zunächst für die Apostel ziemlich harmlos, wie das Vorspiel zu einer spannenden Diskussion. Aber dann kommt von Jesus der entscheidende Satz, dem wohl einer Stille folgte, keine anderen Vorschläge zuließ, eine Stille schuf und tiefe Erforschung des eigenen Herzens im Herzen jedes Apostels. Dann aber: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Heute würde man vielleicht sagen: Teilt euch in Gruppen, bildet euch eine Meinung und dann schreiben wir alle Antworten auf ein Papier, das Unterlage für das Protokoll sein wird. Nichts von all dem. Der einzelne Apostel ist allein mit sich selbst und darauf verwiesen, in sein Herz hinein zu lauschen. Dann aber kommt die Antwort des Petrus wie eines „Sprechers“ der Gruppe: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

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Wie konnte er das sagen? Die Exegeten diskutieren, aber ich folge einfach dem Text. Denn wieder bringt dieser eine Überraschung: Jesus sagt nicht: „So übertreiben darf man nicht, das wäre Gotteslästerung!“ Im Gegenteil, Er bestätigt Petrus und vertieft das Wort: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Er kritisiert Petrus nicht, Er lobt nicht seine Erkenntnis, sondern führt es auf Seinen (nicht „unseren“) Vater im Himmel zurück.

Und was bedeutet das alles für uns Christen, für unseren Glauben, für das, was wir christliche Spiritualität nennen? Wesentliches:

Erstens zeigt die Geschichte, dass die Meinungen der Leute, das, was Jesus „für“ den einen anderen ist, völlig belanglos ist, es lohne nicht, darüber nachzudenken. Was zählt ist nur, wer dieser Jesus wirklich ist!

Zweitens heißt das auch für uns: Wenn wir Christen sagen, Jesus war und er ist der Sohn Gottes,, gilt auch für uns, was für ein aufregender Gedanken, und dass wir das glauben, ist auch bei uns nicht Frucht unserer Bildung oder einer besonderen Meditation, sondern eine Gabe von Gott.

Drittens ist diese Begebenheit nicht vereinbar mit der oft versuchten Deutung als Moral, als Wohltätigkeit, Sozialprogramm. Nein, Christsein beginnt, das zeigt besonders anschaulich das 2. Kapitel des Johannesevangeliums, mit Eine-Person-Finden durch einer Begegnung mit einem Menschen, nicht mit einer philosophischen Idee.

Viertens: Mission. Wenn man jemand zum Christentum bringen will, muss man es machen wie Andreas, der mit einem Bruder nicht lange redet, ihm keine Wundergeschichten aufdrängen will, sondern ihm nur von der Begegnung erzählt und ihn dann sozusagen an der Hand nimmt und einfach zu Jesus führt. In dieser dann eigenen Begegnung mit Jesus geschieht der „Rest“ und Simon erhält seine neue Identität als Petrus, der so schwache Fels, der aber dennoch die Kirche tragen kann.

Fünftens: Aus der Christusbegegnung folgt eine Veränderung des Lebens. Das Leben des Christen wird durch das Licht erleuchtet, das Christus ist. Christen leben, heißt es im Brief an Diogenet, im Fleisch, aber nicht nach dem Fleisch, sie leben auf Erden, aber im Himmel sind sie Bürger. Zu dieser Veränderung gehören auch besondere Aufgaben und die Kraft sie zu erfüllen: Jesus ist es, der dem an sich keineswegs starken Felsen namens Petrus Stärke gibt. Und wenn Petrus eine Autorität beanspruchen wird, kann er es nur, in Abhängigkeit von dem Auftrag, den ihm Jesus erteilt hat: „Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“

Sechstens: Was ist christliche Spiritualität? Man kann sie in zwei Sätzen zusammenfassen: Sie besteht im „Fiat voluntas tua“ Mariens in der Begegnung mit dem Erzengel Gabriel und in dem Gebot der Liebe. Kleine „Farbtöne“, die der Gottmensch-Geschichte von bestimmten Christen zugefügt wurden – franziskanisch, salesianisch, benediktinisch usw. – ändern nichts am Kern christlicher Heiligkeit, die letztlich wirklich nicht in „Leistung“ und nicht in „Verdienst“ oder „Wundern“ besteht, sondern nichts anderes ist als das Leben eines Menschen im Gottesbund, in der Hingabe der Hingabe und in der Liebe. Man kann natürlich auch in der Sprache des AT „dasselbe“ sagen: „Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.“

Jemanden zu sagen „Du bist meine ganzes Glück“ ist Sprache der glühenden Liebe, wie man sie ja auch bei praktisch allen Heiligen und Mystikern findet. Noch kürzer: Christliche Spiritualität ist identisch mit Liebe zu Christus. Ein besonders berührendes Beispiel dafür sind die leidenschaftlichen Worte des hl. Paulus, auch wenn das Wort Liebe darin nicht vorkommt: „Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“

Anmerkung von Bischof Laun: „Ich habe diese Meditation für die Zeitschrift Diakrisis geschrieben. In Zeiten, in denen man viel an die tragische Trennung denkt, vielleicht ein hilfreicher Blick auf den, der uns zur Einheit zurückführen will und eint.“











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