21 März 2017, 13:00
Das Geheimnis der Vergebung und die Gnade der Scham
 
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Franziskus in Santa Marta: der Beichtstuhl ist keine Reinigung. Die Gefahr einer ‚vorgetäuschten Vergebung’. Wenn der Herr mir so viel vergeben hat – wer bin ich dann, um nicht zu vergeben? Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die Vergebung – das schwer zu verstehende Geheimnis. Papst Franziskus ging in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Dienstag der dritten Woche der Fastenzeit von den Schriftlesungen des Tages aus (Dan 3,25.34-43; Mt 18,21-35). Durch diese lasse die Kirche in das Geheimnis der Vergebung eintreten, in das „große Werk der Barmherzigkeit Gottes“.

Der erste Schritt hierzu bestehe in der Scham über die eigenen Sünden. Es sei dies eine Gnade, die der Mensch nicht alleine erhalten könne. Scham verspüre das Volk Gottes, das ob seiner Schuld traurig und gedemütigt sei, wie dies in der ersten Lesung aus dem Buch Daniel zum Ausdruck komme. Die Hauptperson des Abschnitts aus dem Matthäusevangelium dagegen gelange nicht dazu. Es handle sich um den Diener, dem sein Herr trotz seiner großen Schulden vergebe. Seinerseits jedoch sei er dann unfähig, seinen Schuldnern die Schuld nachzulassen. „Er hat das Geheimnis der Vergebung nicht begriffen“, so der Papst:

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„Wenn ich frage: ‚Ihr aber: seid ihr alle Sünder?’ – ‚Ja, Pater, alle’ – ‚Und um die Vergebung der Sünden zu erlangen?’ – ‚Da gehen wir zur Beichte’ – ‚Und wie gehst du zum Beichten?’ – ‚Nun, ich gehe hin, ich sage meine Sünden, der Priester vergibt mir, er gibt mir drei Ave Maria zu beten und dann gehe ich wieder in Frieden’. Du hast nicht verstanden! Du bist nur in den Beichtstuhl gegangen, um was in der Bank zu erledigen, um was Amtliches zu erledigen. Du bist nicht voller Scham über das hingegangen, was du getan hast. Du hast einige Flecken in deinem Gewissen gesehen und hast geirrt, denn du meintest, dass der Beichtstuhl eine Reinigung ist, um mit den Flecken abzuschließen. Du warst unfähig, dich deiner Sünden zu schämen“.

Die von Gott empfangene Vergebung, das „Wunder, das er in deinem Herzen gewirkt hat“, so Franziskus weiter, müsse in das Gewissen eintreten können. Andernfalls „gehst du wieder hinaus, triffst einen Freund, eine Freundin, und fängst an, schlecht über einen anderen zu reden, und sündigst weiter“. Der Mensch könne nur vergeben, wenn er spüre, dass ihm vergeben worden sei:

„Wenn du nicht das Bewusstsein hast, dass dir vergeben worden ist, dann wirst du nie vergeben können, nie. Immer ist da diese Haltung, mit den anderen abrechnen zu wollen. Die Vergebung ist total. Doch dies ist nur möglich, wenn ich meine Sünde verspüre, wenn ich mich schäme und Gott um Vergebung bitte und spüre, dass der Vater mir vergeben hat, und so kann ich vergeben. Wenn das nicht so ist, dann kann man nicht vergeben, dann sind wir dessen unfähig. Aus diesem Grund ist die Vergebung ein Geheimnis“.

Der Diener aus dem Evangelium habe den Eindruck, dass er „davongekommen“ sei, dass er „schlau“ gewesen sei. Stattdessen habe er die Großherzigkeit des Herrn noch nicht begriffen. Und wie viele Male „kommen wir aus dem Beichtstuhl heraus und spüren dann das, wir spüren, dass wir davongekommen sind“. Das aber bedeute nicht, Vergebung zu empfangen, sondern „es ist die Heuchelei, eine Vergebung gestohlen zu haben, eine vorgetäuschte Vergebung“:

„Heute wollen wir den Herrn um die Gnade bitten, dieses ‚Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal’ zu verstehen. Wir wollen um die Gnade der Scham vor Gott bitten. Das ist eine große Gnade! Sich seiner Sünden schämen und so die Vergebung empfangen und die Gnade der Großherzigkeit, sie den anderen zu geben, denn: wenn der Herr mir so viel vergeben hat – wer bin ich dann, um nicht zu vergeben?“.

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