13 Februar 2017, 13:00
Wo ist dein Bruder?
 
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Franziskus in Santa Marta: Groll ist nicht christlich! Verbitterung ist nicht christlich! Sie müssen von Anfang an gestoppt werden. Das Töten ist ein Prozess, der beim Kleinen anfängt. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Wo ist dein Bruder Abel? – Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?“: am Montag der 6. Woche im Jahreskreis widmete Papst Franziskus bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ seine Aufmerksamkeit der ersten Lesung aus dem Buch Genesis (Gen 4,1-15.25). Der Papst feierte die Messe für den ehemaligen Generaloberen der Gesellschaft Jesu Adolfo Nicolás SJ (2008-2016), der in den kommenden Tagen zu einer neuen Mission in den Osten aufbrechen wird: „Der Herr vergelte alles Gute und begleite ihn auf seiner neuen Mission. Danke, P. Nicolás!“.

Der Papst machte darauf aufmerksam, dass bei der Geschichte mit Kain und Abel zum ersten Mal in der Bibel das Wort „Bruder“ vorkomme. Es sei dies die Geschichte einer Geschwisterlichkeit, „die wachsen und schön sein sollte, aber dabei endet, zerstört zu werden“. Eine Geschichte, die mit einer kleinen Eifersucht ihren Anfang nehme. Kain sei irritiert : „Auf Kain und sein Opfer schaute Gott nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß, und warum senkt sich dein Blick?“. So steige in ihm dieses Gefühl auf. Er könnte es beherrschen, tue dies aber nicht:

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„Und Kain zog den Instinkt vor, er zog es vor, in sich dieses Gefühl aufzukochen, es größer werden zu lassen, es wachsen zu lassen. Diese Sünde, die er später begehen wird, sie lauert da hinter dem Gefühl. Und es wächst. Es wächst. Auf diese Weise wachsen die Feindschaften unter uns: sie fangen mit etwas Kleinem an. Mit einer Eifersucht, mit einer Neiderei, und dann wächst das und wir sehen das Leben ausschließlich von diesem Punkt aus, und jener Splitter wird für uns zu einem Balken, aber den Balken haben wird, er ist da. Und unser Leben dreht sich um diesen, und er zerstört das Band der Brüderlichkeit, er zerstört das Geschwistersein“.

Ganz langsam werde man zu einem, der von jenem Übel, das immer mehr wachse, geplagt und verfolgt wird:

„Und so wächst es, so wächst die Feindschaft und es nimmt ein schlechtes Ende. Immer. Ich trenne mich von meinem Bruder, das ist nicht mein Bruder, das ist ein Feind, er muss vernichtet werden, es muss fortgejagt werden... und so vernichten sich die Leute, auf diese Weise zerstören Feindseligkeiten Familien, Völker, alles! Dieses sich krank Ärgern, immer damit geplagt. Das ist dem Kain geschehen, und am Ende hat er seinen Bruder umgebracht. Nein: da ist kein Bruder. Da bin nur ich. Da ist keine Brüderlichkeit. Da bin nur ich. Was am Anfang geschehen ist, geschieht uns allen, die Möglichkeit. Doch dieser Prozess muss sofort gestoppt werden, von Anfang an, angefangen bei der ersten Verbitterung, stoppen. Die Verbitterung ist nicht christlich. Der Schmerz ja, die Verbitterung nein. Der Groll ist nicht christlich. Der Schmerz ja, der Groll nein. Wie viele Feindschaften, wie viele Risse!“.

Bei der Messe konzelebrierten auch einige neue Pfarrer, und an sie gerichtet sagte der Papst: „Auch bei unseren Priestern, in unseren Bischofskollegien: wie viele Spaltungen nehmen doch auf diese Weise ihren Anfang! ‚Aber warum haben sie dem da jenen Sitz gegeben und nicht mir? Und warum dem?’ Und... Kleinigkeiten... Risse... Man zerstört die Geschwisterlichkeit“.

Und Gott frage: „Wo ist dein Bruder Abel?“. – Die Antwort Kains sei „ironisch“: „Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?“. „Ja“, so Franziskus, „du bist der Hüter deines Bruders!“. Der Herr antworte: „Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden!“.

Ein jeder von uns könne sagen, nie jemanden getötet zu haben. Aber „wenn du ein böses Gefühl gegenüber deinem Bruder hegst, dann hast du ihn getötet. Wenn du deinen Bruder beleidigst, dann hast du ihn in deinem Herzen getötet. Das Töten ist ein Prozess, der beim Kleinen anfängt“. Wir wüssten zwar, wo jene seien, die bombardiert oder verjagt würden, doch sie seien keine Brüder:

„Und wie viele Mächtige der Erde können das sagen.... ‚Mich interessiert dieses Gebiet, mich interessiert dieses kleine Stück Land, dieses andere... wenn die Bombe fällt und sie zweihundert Kinder tötet – das ist doch nicht meine Schuld. Das ist die Schuld der Bombe. Mich interessiert ein Gebiet...’. Und alles nimmt seinen Anfang bei jenem Gefühl, das dich dazu führt, dich loszutrennen, dem anderen zu sagen: ‚Das ist mir Herr Irgendeiner, der ist so, aber er ist nicht mein Bruder...’, und es endet mit dem Krieg, der tötet. Doch du hast von Anfang an getötet. Das ist der Prozess des Blutes, und das Blut so vieler Menschen auf der Welt schreit heute zu Gott vom Ackerboden. Aber alles ist miteinander verbunden, ja? Jenes Blut da – mag es auch nur ein kleiner Tropfen Blut sein –, das ich mit meinem Neid, mit meiner Eifersucht austreten lassen habe, als ich eine Geschwisterlichkeit zerstörte – es hat mit mir zu tun“.

„Der Herr“, so das abschließende Gebet des Papstes, „helfe uns heute, dieses sein Wort zu wiederholen: ‚Wo ist dein Bruder?’, er helfe uns, an jene zu denken, die wir mit der Zunge vernichten, und an all jene, die auf der Welt wie Dinge und nicht wie Geschwister behandelt werden, nur weil ein Stück Land wichtiger ist als das Band der Geschwisterlichkeit“.

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