30 Januar 2017, 10:30
50.000 überwiegend junge Lebensschützer kamen nach Paris
 
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„Der Marsch für das Leben in Paris vermittelte eindrucksvoll die Botschaft: wir lieben das Leben – und das ist gut so!“ Gastbeitrag von Cornelia Kaminski

Paris (kath.net) Im Dezember stimmte das französische Parlament einem Gesetzesvorschlag zu, der den Kampf gegen Abtreibungen mittels Internet unter Strafe stellt. Ironischerweise kommt diese frauenfeindliche Gesetzvorlage ausgerechnet aus dem von der Sozialistin Laurence Rossignol stehenden Gleichstellungsministerium, die mit diesem Vorhaben eher diskriminiert und kriminalisiert als gleichstellt. Die Regierung wirft Betreibern von Internetseiten, die deutlich gegen Abtreibungen Stellung beziehen und entsprechende Informationen verbreiten, Desinformation und die Ausübung moralischen Drucks auf Schwangere vor. Zwar gibt es den Straftatbestand der Behinderung von Abtreibungen in Frankreich schon seit 1993, er zielte jedoch bisher auf Demonstrationen von Abtreibungsgegnern vor Kliniken oder Arztpraxen und sah Strafen von bis zu zwei Jahren Haft und 30.000 Euro Geldbuße vor. Diese drakonischen Strafen drohen nun all denjenigen in Frankreich, die über das Internet versuchen, schwangeren Frauen in Not Beratung und Hilfe anzubieten.

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Angesichts dieser Bedrohung mobilisierten die französischen Lebensrechtler unter Federführung der Organisation «Choisir la vie» („Das Leben wählen“) auch Unterstützer aus dem Ausland und luden am Vortag des Marschs, der am 22. Januar stattfand, zu einem internationalen Erfahrungsaustausch über Lebensrechtsmärsche ein.

Schon die Einladung zu diesem Treffen ließ erahnen, mit welcher Professionalität in Frankreich der Marsch für das Leben nun schon zum zwölften Mal organisiert wurde: Geladen hatte zwar Cécile Edel, die Präsidentin von „Chosir la vie“, als Kontaktpersonen waren jedoch mit Paul Ginoux Defernom und Angelika de Poncharra zwei Personen benannt, die bereits im Vorfeld die Korrespondenz auf Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch führten und während der Konferenz als Dolmetscher fungierten.

Der Einladung waren Lebensrechtler aus den Großbritannien, Italien, den USA, Senegal, Spanien, der Schweiz und der Slovakei sowie mit Dr. Dr. Kai Witzel ein Vertreter der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA e.V.) aus Deutschland gefolgt und berichteten über die Situation in ihren Ländern. Ebenfalls aus Deutschland angereist war Eduard Pröls von CitizenGo.

In den USA sind Ärzte zunehmend dem Druck ausgesetzt, Abtreibungen durchführen zu müssen, berichtete Shenan Boquet, katholischer Priester und Präsident von Human Life International, und erläuterte, dass in den letzten 20 Jahren weltweit 173 Milliarden Dollar durch staatliche Organisationen in die „Bevölkerungskontrolle“ investiert wurden, 75 Milliarden davon in Afrika, einem Kontinent, der nicht zuletzt auf Grund seiner Bodenschätze Spielball politischer Interessen ist. Wesentlich beteiligt an diesen Maßnahmen sind die WHO und International Planned Parenthood, die unter dem Deckmantel der „reproductive rights“ Abtreibungen und eine Verhütungsmentalität fördern, die der afrikanischen Mentalität zuwiderläuft und von Boquet als „colonisation of the mind“ bezeichnet wurde.

Zwar können die Italiener bei den geschätzten jährlich nahezu 500.000 Teilnehmern am amerikanischen Marsch für das Leben nicht mithalten, stellen jedoch einen anderen Rekord auf: unter den 40.000 Teilnehmen des „Marcia per la Vita“ in Rom sind zu 80 % junge Menschen, die so eindrucksvoll belegen wie die Zukunft der Abtreibungslobby in Italien aussehen könnte – nicht umsonst beklagen italienische Abtreiber eine schlechte Altersstruktur und Nachwuchssorgen. Der Marsch zieht auch deswegen zahlreiche internationale Vertreter an, weil an den Tagen zuvor ein Lebensrechtskongress stattfindet, an dem im letzten Jahr auch Erzbischof Luigi Negri sowie Kardinal Raymond Leo Burke und Bischof Athanasius Schneider teilnahmen.

Wie wichtig die Jugend für den Lebensschutz ist, machten die beiden jungen Vertreterinnen aus Großbritannien deutlich. Rhoslyn Thomas und Isabell Vaughan-Spruce berichteten über den englischen Marsch, der in Birmingham stattfindet. Zum vierten Mal zogen im letzten Jahr 2000 durch die Straßen. Die Lebensschutzorganisation SPUC (Society for the protection of unborn children) , die 2017 50 jähriges Bestehen feiert, organisiert zudem jährlich für jugendliche Lebensrechtler die „SPUC Youth Conference“.

Angesichts der vielen positiven Berichte stimmte die Schilderung der Schweizer Lebensrechtsbewegung traurig. Dort hat das Berner Polizeiinspektorat im vorigen Jahr erklärt, wegen befürchteter Störungen durch Linksautonome den Schutz des Marsches nicht garantieren zu können und lediglich noch eine Kundgebung auf dem Bundesplatz bewilligt, zu der 1700 Teilnehmer statt der erwarteten 3000 kamen. In diesem Jahr werden die Schweizer daher in dörflicher Umgebung demonstrieren.

Wie ein französischer Marsch für das Leben aussieht, konnten die Teilnehmer der Konferenz am Folgetag live erleben. Es ist zu hoffen, dass dies nicht, wie von den Organisatoren befürchtet, angesichts der vorgesehenen Gesetzesänderung der letzte Pariser Marsch war, denn: die Organisatoren des „Marche pour la vie“ hatten 50.000 überwiegend junge Menschen mobilisiert, die in bester Stimmung durch die Straßen von Paris zogen. Die Kundgebung war mit 45 Minuten sehr kurz gehalten, anschließend startete der Zug in mehreren Segmenten unter Begleitung von Lautsprecherwagen. Auf die Frage, wie man denn mit Gegendemonstranten umgehe, reagierten die in großer Zahl anwesenden Polizisten mit Unverständnis und erklärten schließlich dem verdutzten Fragesteller, der die grölenden Abtreibungsbefürworter aus Berlin vor Augen hatte, sie wüssten gar nicht was er meint: es gäbe hier doch keine Gegendemonstranten, die Polizei sei zum Schutz vor Attentätern anwesend. Beobachter am Straßenrand nahmen staunend eine gut gelaunte, zu lauter Popmusik fröhlich tanzende, bunte Luftballons und rosa bzw. hellblaue Plakate tragende Menschenmenge wahr, die nichts mit einem Trauerzug gemein hatte, sondern eindrucksvoll die Botschaft vermittelte: wir lieben das Leben – und das ist gut so! Dagegen lässt sich schwer demonstrieren.

Die Autorin unterrichtet Englisch und Französisch an einem Gymnasium, ist Oberstudienrätin, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Sie ist Mitglied bei CDL und stellvertretende Bundesvorsitzende der ALfA.

Marsch für das Leben Paris 2017




Foto © Cornelia Kaminski

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