30 November 2016, 12:30
Das ist eine Beleidigung vieler Katholiken! - UPDATE
 
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Die Drohung des Dekans der Römischen Rota an die Kardinäle Meisner, Brandmüller, Burke und Caffarra. Sieht so die kirchliche, die päpstliche Dialogkultur aus? Gastkommentar von Markus Büning - UPDATE!

Köln (kath.net) Man könnte meinen, man verfolgt hier eine schlecht imitierte Tragödie! Nein: Das alles ist bittere Wirklichkeit! Was wir da nun aus Rom vom Dekan Pinto lesen müssen, ist besonders erschütternd für alle Katholiken, die vor Ort seit Jahren sich in ihren Pfarrgemeinden für die Bewahrung von Lehre und geordneter Liturgie einsetzen. Denn bisher hatten diese Katholiken zumindest die berechtigte Gewissheit, dass es da in Rom noch eine Instanz gibt, die ihr Anliegen versteht. Das scheint nun anders zu sein. Da ist nun die Rede von Museumschristen, liturgischen Nostalgikern, Schwarz-Weiß-Malern und „Felsblöckewerfern“ auf sündige Menschen (vgl. AL, Nr. 305). Das Niveau solcher Etikettierungen, mitunter auch aus päpstlichem Mund, macht einen nur noch traurig. Und nun noch dies: Vier Kardinäle, die nichts anderes tun, als den Papst aufzufordern, sich klar über den Gehalt von Amoris laetitia zu äußern, werden mit dem Entzug der Kardinalswürde bedroht. Offenkundig soll hier ein Klima der Angst aufgebaut werden, um „endlich Ruhe im Karton“ zu bekommen. Doch die Wahrheit lässt sich nicht einschüchtern, so schon mal gar nicht!

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Diese Drohung des Kirchenrichters Pinto ist zudem eine Beleidigung ungezählter Katholiken, die seit Jahrzehnten voller Bewunderung und Dankbarkeit den Hirtendienst der vier Purpurträger, verfolgt haben, die ihr ganzes Leben Christus und seiner Kirche geschenkt haben. Mich persönlich verletzt vor allem der Umgang mit Kardinal Meisner. Hier fühle ich mich herausgefordert, mich deutlich auf die Seite unseres lieben Kardinals zu stellen, der mich mit einem zutiefst beeindruckenden Vorwort zu meinem letzten Buch über die Tugenden („Ermunterung zur Heiligkeit“), in der er von seiner Berufung zum Bischof auf sehr persönliche Weise berichtet, dankenswerterweise mein Buchapostolat unterstützt hat. Dieser Mann musste im Kommunismus aufwachsen und ist – trotz aller Bedrängnisse – Priester geworden. Immer hat er tapfer zu seinem Glauben gestanden. Hier bedarf es doch nicht der Zurechtweisung durch einen Kurienmitarbeiter. Schon mal gar nicht auf diese Art und Weise. Dieser Kurienkleriker kann doch wohl nur solche Töne anschlagen weil sein „Tongeber“ es so will oder zumindest duldet. Sollte dies nicht so sein, sollte der Papst diesen sich in Wuttiraden ereifernden geistlichen Herrn doch bitte zurechtweisen und so uns Gläubigen deutlich machen, dass er so einen Stil in unserer Kirche nicht akzeptiert. Jedenfalls haben wir jetzt nicht „nur“ das Problem der unbeantworteten Dubia, nein jetzt geht es m.E. auch um die Frage des Anstandes und des ordentlichen Umgangs des „Chefs mit seinen Untergebenen“. Papst Franziskus hat doch immer wieder die Kultur des Dialoges für die Kirche eingefordert. So jedenfalls sieht kein Dialog aus, der von Respekt vor dem Andersdenkenden geprägt ist.

Anfang des Jahres habe ich auf kath.net noch ein klar formuliertes Plädoyer für Papst Franziskus veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt schien es mir undenkbar, dass ein Papst in einem Lehrschreiben so unklar sich verhält. All die Rechtfertigungsversuche, auch das jüngst von Prof. Spindelböck vorgelegte, vermögen mich als Jurist und Theologen nicht zu überzeugen. Der Papst selbst muss nun für Klarheit sorgen, schließlich hat dieses nebulöse Dokument die Schleierwolken über die Kirche verbreitet. Und auch die immer wieder, bis hin aus Prälatenmündern zu hörenden Beschwichtigungen, dass der Papst AL doch gar nicht geschrieben habe oder dieser doch kein Theologe sei, helfen hier nicht zu beschwichtigen. Nein: Der Papst ist der oberste Lehrer seiner Kirche! Und ein Lehrer muss auch lehren. Wenn er dies nicht in aller Klarheit und Wahrheit tut, hat die Kirche ein ernsthaftes Führungsproblem.

Ebenso wenig taugen die immer wieder zu hörenden Aufforderungen, dem Papst doch bedingungslos zu gehorchen. Wie bitte? Wir sind hier doch nicht in einer Diktatur. Das geht doch zu weit. Für mich ist jetzt der Kairos gekommen, gerade den in unseren Kreisen oft gepflegten Papalismus ganz im Sinn des seligen Kardinals John Henry Newman doch mal kritisch zu hinterfragen. Zudem haben wir alle mitunter die Pflicht, den kirchlichen Oberen entgegenzutreten. Hören wir doch bitte, was der Hl. Thomas von Aquin uns hierzu sagt: „Wo jedoch der Glaube Gefahr läuft, da muss man auch öffentlich die Oberen zurechtweisen, wie das Paulus tat; und wie Augustinus diesbezüglich schreibt: ‚Petrus selbst hat den Vorgesetzten das Beispiel gegeben, dass sie, wenn sie etwa den rechten Pfad verließen, auch nicht unwillig es aufnehmen sollen, wenn Untergebene sie zurechtweisen‘“ (Summa theol., II-II, q. 33, 4c).

Sollte man die Kardinäle degradieren, käme dies einer vorweggenommenen Kanonisierung gleich! Dann sind sie in guter Gesellschaft mit den einst von den Mehrheitsbischöfen und dem Kaiser verbannten treuen Bischöfen während des Arianismusstreites. Hier gilt dann das Wort des heiligen Bekennerbischofs Hilarius: „Ich will immer in der Verbannung leben, wenn man nur anfängt, die Wahrheit wieder zu verkündigen“ (Hil. De Syn, 78). Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

UPDATE AUFRGUND DES UPDATES - von Markus Büning, 01.12.2016
Ich habe heute Morgen das UPDATE der Ursprungsquelle zur Kenntnis genommen ( siehe hier ganz unten). Ich persönlich bin gestern bei Abfassung des Kommentars davon ausgegangen, dass die Zitate von Dekan Pinto so gefallen sind, wie selbst die offiziellen Internetseiten der Deutschen Bischofskonferenz und von Radio Vatikan es berichtet haben. Offenkundig ist das so nicht gewesen. Nunmehr steht im Raum, dass Pinto seine grundsätzliche Kritik an den Dubia damit unterfüttert hat, dass der Papst immerhin davon absehe, wie in früheren Zeiten üblich, das Kardinalat in solchen Fällen zu entziehen. In der Sache vermag dieses Zitat die Lage nicht zu entschärfen, da mit der Äußerung vom päpstlichen „Gnadenerweis“ die Dubia nicht beantwortet werden. Zudem ist dieser Hinweis gleichwohl als ein Druckszenario auf die betroffenen Kardinäle und all diejenigen zu werten, die sich mit dem Gedanken tragen, sich dem Begehren der Dubia anzuschließen. Insofern bleibt es bei den tragenden Argumenten meines Gastkommentars.

Der Verfasser dieses Beitrags, Dr. Markus Büning, ist Theologe und Jurist. Er lebt mit seiner Familie im Münsterland.

kath.net-Buchtipp
Ermunterung zur Heiligkeit - Die Tugenden im Leben der Heiligen und Seligen
Von Markus Büning
Vorwort: Joachim Kardinal Meisner
Taschenbuch, 208 Seiten
2016 Christiana-Verlag (fe-Medien)
ISBN 978-3717112624
Preis 7,95 EUR

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Kardinal Meisner: Die deutsche Einheit und die Geheimnisse eines Papstes (Johannes Paul II.)




Archivfoto Papst Franziskus




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