15 November 2016, 11:00
Muslimische Studenten dürfen in Uniräumen nicht mehr beten
 
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Stuttgart: Hausordnung wurde nach Zwischenfällen verschärft - Eines der anfallenden Probleme ist offenbar, dass sich im Islam Männer und Frauen zum Gebet trennen

Stuttgart (kath.net/idea/red) Nachdem es immer wieder Streit gab, weil muslimische Studenten in der Bibliothek beten wollten, hat die Universität Stuttgart die Hausordnung verschärft. Demnach sind „Veranstaltungen nicht universitären Charakters“ und „religiöse Veranstaltungen und Zusammenkünfte“ genehmigungspflichtig. Das bestätigte der Pressesprecher Hans-Herwig Geyer der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. „Es kam in beiden Universitätsbibliotheken in den zurückliegenden Monaten zu Situationen, bei denen muslimische Gläubige zwischen Bücherregalen beteten. Dabei wurde von muslimischen Kommilitonen versucht, Studierende und Beschäftigte am Eintreten in diese Bibliotheksräume zu hindern mit der Begründung, betende Gläubige nicht stören zu dürfen.“ Geyer stellt klar: „Die Universität ist ein säkularer Lernort. Möglichkeiten zum Beten bestehen in Räumen der Stille am ökumenischen Zentrum, das nicht zur Universität gehört und in den campusnahen Kirchen und Moscheen.“

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Der Rektor der Universität, Wolfram Ressel, erklärte das auch in einem internen Rundschreiben an die Mitarbeiter: „Mit dem Universitätsbetrieb lassen sich religiöse Veranstaltungen und Zusammenkünfte nicht vereinbaren, wenn die Nutzung von Gebäuden für Forschung und Lehre und die weiteren gesetzlich vorgesehenen Universitätszwecke beeinträchtigt werden.“ Das gelte besonders für die Universitätsbibliothek, von PC-Arbeitsräumen, Hörsälen oder studentischen Lern- und Arbeitszonen. „Religiöse Zusammenkünfte, die die Nutzung der universitären Räume beeinträchtigen, werden unter Hinweis auf das Hausrecht untersagt“, so der Rektor. Christliche als auch muslimische Hochschulgruppen könnten aber nach wie vor beantragen, für Vorträge Uniräume zu benutzen, sagte Pressesprecher Geyer idea. Die Universität Stuttgart zählt rund 28.000 Studenten.

Auf eines der anfallenden Probleme wies der evangelische Hochschulseelsorger Stephan Mühlich hin. Er betreut mit seinem katholischen Kollegen das ökumenische Zentrum auf dem Unicampus, das gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Gemeinde erbaut wurde und nicht Teil der Universität ist. Gemäß Darstellung der „Stuttgarter Nachrichten“ seien auch muslimische Studenten zur Nutzung des Raumes eingeladen. Der Nachfrage der Muslimischen Studenten Union nach dem Raum der Stille habe man „klar gesagt“, „dass der Raum offen ist – aber dass da auch andere sind“. Ein Student habe den Raum gesehen und das Einbringen eines Vorhanges vorgeschlagen, damit Männer und Frauen getrennt seien, so Mühlich, man habe daraufhin erklärt, dass man dies hierzulande nicht so handhabe. Auch er selbst habe sich einmal mit einem Buch in den Raum der Stille zurückgezogen, während Musliminnen dort gebetet hätten. Man habe ihn daraufhin als Mann hinausschicken wollen. Mühlich berichtete weiter, dass er die betenden Frauen über die Situation aufgeklärt habe: „Wer den Raum benutzt, bestimmen wir – und wir lassen uns nicht okkupieren.“ Er sei aber daraufhin mit den Frauen in ein gutes Gespräch gekommen, daraus hätten sich gemeinsame Aktionen entwickelt, so berichteten die „Stuttgarter Nachrichten“ weiter. Er erwähnte auch, dass vergangenes Jahr an vielen Orten in Deutschland Räume der Stille geschlossen worden seien, weil es zwischen den Interessengruppen Streit über die Nutzung gegeben habe.

Wandgestaltung vor dem interreligiösen Raum der Stille auf dem Flugplatz Stuttgart




Foto oben (c) kath.net

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