05 November 2016, 15:00
Ein Gott der Lebenden und nicht der Toten
 
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«Wir dürfen also der Allmacht Gottes keine Grenzen setzen!» Predigt von Prof. Josef Spindelböck

St. Pölten (kath.net/stjosef.at)
32. Sonntag im Jahreskreis C (06.11.2016)
L1: 2 Makk 7,1-2.7a.9-14; L2: 2 Thess 2,16-3,5; Ev: Lk 20,27-38


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Evangelium spricht Jesus von der Wirklichkeit der Auferstehung von den Toten. Dies passt sehr gut in die Zeit nach Allerheiligen und Allerseelen, wo wir in besonderer Weise für unsere lieben Verstorbenen beten. Wir sind überzeugt von der Unsterblichkeit der Seele, die nach dem Tod weiterlebt. Entscheidend aber ist der Glaube an die Auferstehung des Leibes, denn nach Gottes Plan und gemäß seinen Verheißungen soll der ganze Mensch vollendet werden, wenn Jesus Christus wiederkommt in Herrlichkeit.

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Kann es aber so etwas wie die „Auferstehung des Fleisches“ überhaupt geben? Bereits die Zeitgenossen Jesu waren da skeptisch. Es gab eine eigene Partei innerhalb des Judentums, die Sadduzäer, welche die Auferstehung ausdrücklich leugneten. Eine andere Glaubensrichtung, die Pharisäer, hielten hingegen an ihr fest.

Im Evangelium dieses Sonntags ist Jesus konfrontiert mit Kritikern des Auferstehungsglaubens, die von der Partei der Sadduzäer kommen. Mit dem Beispiel von sieben Brüdern, die nacheinander mit derselben Frau verheiratet waren, wollen sie den Gedanken der Auferstehung ad absurdum führen, also für unvernünftig erklären.

Jesu Antwort ist klar: Seine Gegner haben einen ziemlich begrenzten Blick. Sie können sich das Leben nach dem Tod, so wie es Gott in seiner Allmacht und Liebe ermöglicht, nicht wirklich vorstellen. Denn wenn Gott als Herr des Himmels und der Erde „kein Gott von Toten, sondern von Lebendigen“ ist, dann „sind für ihn alle lebendig“ (Lk 20,38). Wir dürfen also der Allmacht Gottes keine Grenzen setzen!

Wenn es Gott wirklich gibt und er alle Wege mit uns geht, dann wird er uns auch im Tod nicht verlassen. Er hat in seinem Plan der Liebe dafür vorgesorgt, dass unsere Toten nicht für immer verloren gehen, dass ihre Existenz nicht einfach ausgelöscht wird, sondern dass ihr Leben verwandelt wird, wenn sie in der Freundschaft mit Gott sterben.

Das ist auch unsere große Hoffnung in diesen Tagen nach Allerseelen. Wir empfehlen alle Menschen der Barmherzigkeit Gottes! Er nehme sie auf in seinen Frieden. Die Glaubenslehre vom persönlichen Gericht nach dem Tod und vom Fegefeuer sagt uns, dass Gott zugleich gerecht und barmherzig ist. In seiner Güte ermöglicht er ein Nachreifen im Guten, ein wirkliches Freiwerden von allem, was uns belastet und uns noch nachgeht über den Tod hinaus. Wer einen Ablass für die Verstorbenen gewinnt, der vertraut auf die Fürbittmacht der ganzen Kirche, sodass die Gnadenschätze Christi und aller Heiligen auch jenen zukommen, die noch der Reinigung und Läuterung „wie durch Feuer hindurch“ (1 Kor 3,15) bedürfen.

Die Auferstehung aber, die wir erwarten, wird am Jüngsten Tag geschehen, wenn Christus der Herr in Herrlichkeit wiederkommt, um zu richten die Lebenden und die Toten. Wir erwarten und erhoffen für uns und alle Menschen, mit denen wir in Liebe verbunden sind, die Auferstehung zum Leben und nicht die Auferstehung zum Gericht.

Wie aber sind die Worte Jesu zu verstehen, dass die von Gott Auferweckten nicht mehr sterben können, „weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind“ (Lk 20,36)? Heißt das, wir Menschen würden zu Engeln werden? Nein! Denn ein Engel besitzt keinen Leib; er ist ein rein geistiges Wesen. Für uns Menschen aber geht es um die leibliche Auferstehung. „Auch für den Leib ist in Gott Raum“, hat es einmal Papst Benedikt XVI. formuliert. Im YOUCAT heißt es über die Auferstehung des Fleisches: „Gott hat uns mit Leib (Fleisch) und Seele geschaffen. Er lässt das ‚Fleisch‘, ja die ganze Schöpfung, am Ende der Welt nicht einfach fallen wie ein altes Spielzeug. Am ‚letzten Tag‘ wird er uns im Fleisch auferwecken – das heißt: Wir werden verwandelt sein, uns aber doch in unserem Element fühlen.“ (Nr. 153)

Die Menschen werden im Himmel nicht mehr heiraten und nicht mehr verheiratet werden. Die Ehe als Institution dauert so lange, bis der Tod die Gatten voneinander scheidet. Wenn Mann und Frau auf Erden in wahrhaft ehelicher Liebe miteinander verbunden waren, dann wird diese Liebe jedoch durch den Tod nicht ausgelöscht, sondern vollendet. Der Himmel bietet neue Formen des Ausdrucks dieser Liebe, die weit über das hinausgehen, was wir uns vorstellen können.

So eröffnet uns die Auferstehung des Leibes zugleich eine einzigartige Form der Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ besteht in der ewigen Teilnahme am Fest der Liebe und des Lebens, das Gott seinen Erwählten bereitet. Das „Hochzeitsmahl des Lammes“, in dem Christus sich als Bräutigam mit seiner Braut, der Kirche, auf ewig verbindet in Liebe, ist ein wahrhaft kosmisches Ereignis, in das auch wir einbezogen sein werden.

In diesem Sinne also dürfen wir uns freuen über das Große, das Gott uns bereitet hat. Der Tod ist kein Ende, sondern ein Durchgang zum wahren und ewigen Leben in der Anschauung Gottes und in der Herrlichkeit der Auferstehung! Amen.







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