31 August 2016, 06:00
Das Burka-Burkini-Placebo
 
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Löst ein Burkaverbot reale Probleme? Nämlich dass die europäischen Integrations- und Einwanderungsmodelle der letzten Jahrzehnte in Wirklichkeit versagt haben? Gastkommentar von Gudrun Kugler

Wien (kath.net) Es geht also um viel Stoff im Sommerloch. Das Burkiniverbot an französischen Stränden wurde bereits wieder aufgehoben. Was hätte es auch bewirkt außer dem Fernbleiben muslimischer Frauen von öffentlichen Badeorten?

Außerhalb des öffentlichen Dienstes steht ein Burkaverbot zwischen den Grundprinzipien Religionsfreiheit, Liberalität und Sicherheit. Bezeichnenderweise twitterte ein Liberaler aus Wien: Ich bin gegen die Burka und gegen ein Verbot.

Unterdrückt die Burka muslimische Frauen, die sich anstatt hinter Stoff lieber ohne Stoff hinter einem Verbot verstecken würden? Der Islamexperte Ednan Aslan meint, wer den Gesichtsschleier verteidige, bereite der Verherrlichung theologischer Gewalt den Weg.

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Erfordert die Sicherheitslage ein Verbot? Ein koptischer Bischof sagte mir: Auch in Ägypten sieht man die Burka als Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Ein running gag ist dort der gehörnte Ehemann, der zehn Jahre lang nicht herausgefunden hatte, wer sich wirklich hinter der Burka der „sehr schüchternen besten Freundin“ seiner Frau verborgen hatte. Sicherheitsbedenken greifen allerdings erst ab einem relevanten Ausmaß des Vorkommens. Ob dieses in Österreich – abzüglich reicher arabischer Touristinnen – gegeben ist, muss jedenfalls hinterfragt werden.

Ich kann die Verbotsbefürworter gut verstehen. Wir sehen der Ausbreitung des Islam inkl. allem Unbekannten und Besorgniseregenden anscheinend tatenlos zu. Emotionen kanalisieren sich im Ruf nach einem Burkaverbot. Das ist einfach und überschaubar, und wir haben das Gefühl, dass endlich etwas getan wird.

Aber löst ein Burkaverbot reale Probleme? Nämlich dass die europäischen Integrations- und Einwanderungsmodelle der letzten Jahrzehnte in Wirklichkeit versagt haben? Dass Islamisten und sogar Attentäter in Europa aufgewachsen sind? Dass Parallelgesellschaften entstehen, die mit der Aufnahmekultur nicht nur nichts zu tun haben wollen, sondern diese zutiefst ablehnen (ca. 20% der Muslime tendieren zur Abschottung!). Dass es muslimische Schüler aus der 2. Generation in europäischen Ländern gibt, die der Meinung sind, das Mädchen nicht in die Schule gehen sollten? Dass sich tausende Türken in Wien mehr mit der Türkei als mit Österreich identifizieren?

Ein Burkaverbot ist ein Plazebo. Sofern es nicht schadet (indem es z.B. als Art der Unterdrückung wahrgenommen wird und Hass schürt), wird es auch nicht viel helfen. Stattdessen müssen wir dringende Maßnahmen baldigst angehen: Dazu gehört null Toleranz gegenüber gewaltbejahenden religiösen Lehren in Moschen, Schulen oder Kindergärten; das Aufdecken von Geldströmen, die zur Radikalisierung verwendet werden; das strenge Ahnden der Unterstützung von Terrororganisationen und des Völkermords; u.s.w.

Neben Integrationsfragen besteht weiterhin die Flüchtlingsproblematik: Der Krieg muss aufhören! Es braucht Hilfe vor Ort statt unkontrollierter Migration, Entwicklungszusammenarbeit mit Religionsfreiheits-Auflagen, schnelle Asylverfahren sowie Werte- und Sprachkurse und Arbeitsanreize für jene, die bleiben.

Dr. Gudrun Kugler, MMF, ist Magister des Rechts und Master der Theologischen Studien und promovierte im Internationalen Strafrecht. Gudrun Kugler betreibt unter anderem die katholische Heiratsvermittlung kathTreff und das Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen in Europa. Außerdem ist sie Lehrbeauftragte am Internationalen Theologischen Institut für Studien zu Ehe und Familie und hat zahlreiche Bücher herausgegeben. Seit November 2015 ist Gudrun Kugler Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin. Sie gehört der ÖVP an.

Foto




ERF: Dr. Gudrun Kugler im Interview: Christ und Politik - geht das?





Foto Dr. Kugler © Gudrun Kugler



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