01 April 2016, 11:30
Kritik an Käßmann: Terroristen mit 'Beten und Liebe' begegnen?
 
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Ex-General: Sie vertritt einen „fast fundamentalistischen Pazifismus“

Berlin (kath.net/idea) Auf Kritik stoßen Aussagen der EKD-Botschafterin für das 500-jährige Reformationsjubiläum, Margot Käßmann (Berlin). Sie hatte in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ auf die Frage, was Jesus den heutigen Terroristen entgegnen würde, geantwortet, man solle mit „Beten und Liebe“ reagieren. Wörtlich sagte sie: „Jesus hat eine Herausforderung hinterlassen: Liebet eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen! Er hat sich nicht verführen lassen, auf Gewalt mit Gewalt zu antworten. Für Terroristen, die meinen, dass Menschen im Namen Gottes töten dürfen, ist das die größte Provokation. Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen.“ Sie sei als Christin fest davon überzeugt, dass, wer den Kreislauf der Gewalt durchbreche, am Ende der Mächtigere sei. Auf den Einwand der Zeitung, dass Millionen von Menschen überlebt hätten, wenn Adolf Hitler frühzeitig getötet worden wäre, sagte sie: „Sie wären gerettet worden, wenn sich alle Christen dem Holocaust entgegengestellt hätten. Wenn Soldaten sich geweigert hätten, nach Stalingrad zu ziehen. Es braucht keinen Tyrannenmord, wenn es einen Geist des Widerstands gibt.“ Es sei ferner klug, sich derzeit nicht auf das Spiel der Terroristen einzulassen „und mit noch mehr Gewalt und noch mehr Einschränkung unserer Freiheit zu reagieren“.

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Ex-General: Zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterscheiden

Der frühere Heeresinspekteur Generalleutnant a.D. Helmut Willmann (Bonn) sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass Käßmann einen „fast fundamentalistischen Pazifismus“ vertrete: „Sie macht zwischen der Gesinnungsethik für den Einzelnen und einer allgemeinen Verantwortungsethik keinen Unterschied.“ Sie übertrage die Aussagen der Bergpredigt – „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Matthäus 5,44) – auf die Politik: „Das würde dann bedeuten, dass ein Staat seiner Aufgabe, die Bürger nach innen und außen zu schützen, nicht nachkommt. Es wäre eine vollkommene Schutzlosigkeit. Das kann Jesus in der Bergpredigt nicht gemeint haben.“ Es gebe Situationen, wo es unmoralisch sei, nichts zu tun. Als im vergangenen Jahr im Irak ein Völkermord an den Jesiden durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ gedroht habe, habe Käßmann einen militärischen Einsatz abgelehnt: „Wenn die Gefahr besteht, dass Unschuldige getötet werden, dann müssen wir handeln. Damit zeigt sich: Der fundamentalistische Pazifismus von Frau Käßmann kann, wenn man ihn vom einzelnen Menschen auf die Schutzfunktion des Staates überträgt, unmoralisch sein.“

Militärbischof: Es gibt Konflikte, in denen praktisch gehandelt werden muss

Der Evangelische Militärbischof Sigurd Rink (Berlin) wollte die Aussagen von Käßmann auf idea-Anfrage nicht kommentieren. Er sei aber überzeugt, dass Beten im Leben helfe. Gleichzeitig werde die internationale Gemeinschaft immer wieder mit Konfliktsituationen konfrontiert, „in denen wir praktisch handeln müssen, nicht abwarten können“. Er erinnerte an den Völkermord in Ruanda 1994, in den die Weltgemeinschaft nicht eingegriffen und gerade dadurch Schuld auf sich geladen habe. Es gebe eine Verantwortung zum Schutz von Menschen. Waffengewalt könne im evangelischen Verständnis immer nur das äußerste Mittel (Ultima Ratio) sein, wie die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 formuliert habe: „Große Teile der christlichen Friedensbewegung bestreiten übrigens die Anwendung von rechtserhaltender Gewalt nicht.“ Terroristische Gewalt, wie sie der Islamische Staat ausübe, sei eine extreme Situation, die mit Bedacht und Entschlossenheit beantwortet werden müsse. Rink: „Wenn irgend möglich, haben zivile Mittel in der Konfliktbearbeitung immer den Vorrang vor militärischen. Über allem steht dabei die Mahnung, Frieden als Ziel nicht aus dem Blick zu verlieren.“ Elisabeth Motschmann: Käßmann entfernt sich weit von der Theologie Luthers Für die Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Bremen, die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann, entfernt sich Käßmann mit ihren Worten weit von der Theologie des Reformators Martin Luther (1483–1546). Er unterscheide zwischen geistlichem und weltlichem Regiment. Das Evangelium dürfe nach Luther nicht mit Gewalt durchgesetzt werden. Anders argumentiere er allerdings im Hinblick auf staatliche Obrigkeit. Motschmann: „Beschränkt sie sich auf die Aufgabe, Übeltäter im Zaum zu halten, ist sie ,gute Ordnung Gottes’. Sie schützt die Schwachen vor Untaten und dient dem Liebesgebot Jesu Christi.“ Ein Terrorist, der Menschen hasse, sei nicht empfänglich für christliche Werte, die auf Nächstenliebe beruhen: „Die Aussagen von Margot Käßmann klingen zunächst gut. Sie sind es aber nicht.“

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