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21 Februar 2016, 09:00
Vatikan würdigt verstorbenen Schriftsteller Umberto Eco

Osservatore Romano: Leidenschaftlicher Romanautor mit intellektueller Brillanz, jedoch auch mit "Schattenseiten" von Ironie bis Bitterkeit - Berühmter Briefwechsel mit Kardinal Martini

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Vatikan hat den am Freitag verstorbenen Schriftsteller Umberto Eco (84) als leidenschaftlichen Romanautor und brillanten Gelehrten gewürdigt. Mit seinem Erstlingswerk "Der Name der Rose" - der Weltbestseller rund um das mittelalterliche Klosterleben erschien im Jahr 1980 - habe Eco bis in die Geschichtswissenschaft hinein ausgestrahlt, heißt es in einem Artikel der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Sonntag).

Neben literarischen und wissenschaftlichen Meisterwerken hinterlasse er aber "auch langweilige Romane, wirr bis zur Unlesbarkeit, wie den 'Friedhof von Prag'", betonte das Blatt. Ecos intellektuelle Brillanz habe auch ihre Schattenseiten gehabt. Seine Weltsicht, dass alles trügerisch und das Leben ein Spiel ohne Bedeutung sei, habe auch flapsige und ironische Züge aufgewiesen, bis hin zur Bitterkeit.

Die Kirchenfeindlichkeit des 1932 im norditalienischen Alessandria geborenen Philosophen, Journalisten, Romanciers, Essayisten, Meinungsführers und politischen Kommentators sei mit der Zeit zurückgegangen, räumte die Zeitung ein. Zum Schluss zitiert der Beitrag Ecos Ausspruch: "Wenn ich eines Tages im Paradies ankomme und Gott treffe, habe ich zwei Möglichkeiten: Wenn es jener rachsüchtige des Alten Testaments ist, drehe ich mich auf der Ferse um und gehe in die Hölle. Wenn es jener des Neuen Testaments ist, na, dann haben wir dieselben Bücher gelesen und sprechen die gleiche Sprache. Wir werden uns verstehen."

Eco, der 1954 über die Ästhetik bei Thomas von Aquin promoviert hatte, bezeichnete sich selbst zeitlebens als "Agnostiker". Andererseits äußerte er sich in seinen Briefen skeptisch gegenüber einer atheistischen Weltanschauung: Es sei inkonsequent, die Existenz Gottes zu bestreiten, aber gleichzeitig fest an die Beweisbarkeit seiner Nicht-Existenz zu glauben.

Aufsehen erregte Eco u.a. mit einem Briefwechsel mit dem Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini (1927-2012). Ihre kontroverse Diskussion über die Frage "Woran glaubt, wer nicht glaubt?" trugen der Schriftsteller und der Kirchenmann 1995 öffentlich in der Zeitschrift "liberal" aus; 1998 erschien der Austausch als eigene Publikation. Auch ethische Zeitfragen wie die Rolle der Frau in der Kirche, die Abtreibung oder die Genmanipulation wurden in diesem Briefwechsel erörtert. "Die Leute sollen lernen, schwierige Dinge zu denken, denn weder das Mysterium noch die Evidenz sind einfach", so ein gemeinsamer Standpunkt Ecos und Martinis.

Foto: Umberto Eco im Jahr 2010 © Wikidia - CC BY-SA 2.0 - bearbeitet

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