24 November 2015, 16:27
Vatikan eröffnet Strafprozess wegen Geheimnisverrat
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Verbrechen'
Im Vatikan müssen sich seit Dienstag fünf Angeklagte wegen illegaler Verbreitung vertraulicher Unterlagen vor Gericht verantworten.

Vatikanstadt (kath.net/KNA) Im Vatikan müssen sich seit Dienstag fünf Angeklagte wegen illegaler Verbreitung vertraulicher Unterlagen vor Gericht verantworten. Ein ranghoher vatikanischer Geistlicher, sein ehemaliger Mitarbeiter und eine italienische PR-Fachfrau sollen zwei Journalisten interne Dokumente zugespielt haben. Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi veröffentlichten jüngst in zwei Enthüllungsbüchern über Misswirtschaft im Vatikan vertrauliche Unterlagen. Die Bücher hatten für großes Aufsehen gesorgt. Papst Franziskus bezeichnete die Verbreitung vertraulicher Unterlagen als «Verbrechen». Die vatikanische Staatsanwaltschaft wirft den Journalisten vor, den Geistlichen unter Druck gesetzt zu haben, um an die Dokumente zu gelangen.

Werbung
weihnachtskarten


Zur ersten Sitzung, die rund 70 Minuten dauerte, waren alle fünf Angeklagten erschienen. Es handelt sich neben den beiden Journalisten um den spanischen Priester und Sekretär der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls, Lucio Angel Vallejo Balda, und seinen ehemaligen Mitarbeiter Nicola Maio. Vallejo sitzt seit Anfang November in vatikanischer Untersuchungshaft. Die 33 Jahre alte PR-Fachfrau Francesca Chaouqui war Anfang November nach einer vorübergehenden Festnahme freigelassen worden. Sie hatte ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der vatikanischen Justiz bekundet. Die Angeklagten sollen von Montag an vernommen werden.

Den Angeklagten drohen Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren. Außer dem spanischen Priester besitzen jedoch alle die italienische Staatsbürgerschaft. Um sie juristisch zu belangen, müsste der Vatikan ein Rechtshilfeersuchen an Italien stellen.

In der ersten Sitzung wies das Gericht am Dienstag den Antrag auf Einstellung des Verfahrens gegen Fittipaldi zurück. Seine Verteidigerin hatte argumentiert, dass die Anklagepunkte der vatikanischen Staatsanwaltschaft unbestimmt blieben und dadurch eine wirksame Verteidigung unmöglich sei. Zudem sei nicht klar, um welche vertraulichen Dokumente es gehe.

Fittipaldi erklärte, er sei zum ersten Verhandlungstag erschienen, um seinen Respekt vor dem Gericht zum Ausdruck zu bringen. Zugleich äußerte er «Ungläubigkeit» darüber, dass er von einer ausländischen Justiz wegen eines Buchs angeklagt werde, das in Italien erschienen sei. Er verwies darauf, dass die ihm zur Last gelegte Tat dort nicht strafbar sei. Der Vatikan werfe ihm nur die Veröffentlichung von Informationen vor, die von der italienischen Verfassung geschützt werde. Es gehe nicht um falsche oder diffamierende Informationen.

Der vatikanische Staatsanwalt widersprach dieser Darstellung. Fittipaldi sei nicht wegen der Veröffentlichung der Unterlagen angeklagt, sondern wegen Art und Weise ihrer Beschaffung, so Staatsanwalt Roberto Zannotti.

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

'Vater Unser'-Änderung - Massive Kritik an Franziskus (72)

Anonymes papstkritisches Buch erschienen: ‚Il Papa Dittatore’ (44)

ZdK-Chef Sternberg: „Das ist nicht einmal Kunst“ - UPDATES! (41)

Berlin: Jesuitengymnasium stellt kopftuchtragende Lehrerin ein (40)

Neue Einheitsübersetzung eliminiert Adam in der Schöpfungsgeschichte (40)

Schönborn-Engagement wurde "zum klaren Pro-Homosexualität-Statement" (39)

Brisante Gebetsanliegen für Papst Franziskus in Kirchen Roms gefunden (37)

Vatikan: Sorge um Eskalation in Israel nach Trump-Entscheidung (35)

Israel: „Ich befürchte eine Explosion in der arabischen Welt" (33)

„Haben dich gewählt für Reformen, nicht, damit du alles zerstörst“ (31)

Kardinal: Diskussion um "Amoris laetitia" sollte beendet sein (30)

„Der Abschied vom Glauben ist kein Naturgesetz“ (23)

‚Amoris laetitia’ ändert Lehre und Sakramentenordnung nicht (21)

"Bibel-App": Einheitsübersetzung jetzt kostenlos für Smartphones (20)

Und führe uns nicht in Versuchung (18)