02 November 2015, 08:30
Hirte in der «Rauchbucht»
 
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Islands Katholiken haben jetzt mit dem Slowaken David Tencer einen neuen Bischof. Eine kleine Kirche im äußersten Norden auf einer kleinen Insel und mit bewegter Geschichte. Von Albert Steuer (KNA)

Reykjavik/Berlin (kath.net/KNA) Nur etwa 12.000 Katholiken leben im fernen Island. Fast 80 Prozent der gut 330.000 Einwohner des vulkanischen Inselstaats im Atlantik, 269 Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises gelegen, gehören der evangelisch-lutherischen Staatskirche an. So ist es auch von ökumenischer Symbolkraft, dass der neue katholische Bischof von Reykjavik, der Kapuziner David Bartimej Tencer (52), am Reformationstag mit seiner Weihe in der Christkönigs-Basilika in der Hauptstadt in sein Amt eingeführt wurde. Islands katholische Minderheit wächst jährlich um etwa 20 Prozent und ist mit einem Bevölkerungsanteil von 3,6 Prozent die stärkste katholische Gemeinschaft in den skandinavischen Ländern. Die Mehrzahl der isländischen Katholiken stammt aus Polen und von den Philippinen.

Wie die meisten seiner sechs Vorgänger in der Stadt an der «Rauchbucht», was der Name Reykjavik, vermutlich hergeleitet von den Dämpfen der heißen Quellen in der Umgebung, bedeutet, kommt auch Tencer aus dem Ausland. Von den derzeit 18 Priestern der Diözese ist nur ein einziger Isländer; isländische Ordensleute gibt es nicht. Tencer, der zur großen Gemeinschaft der Franziskaner gehört, wirkte seit 2004 als Pfarrer in Reydarfjördur. Mit seiner Amtseinführung hat er nun offiziell im nördlichsten Bistum der katholischen Weltkirche den Schweizer Bischof Pierre Bürcher (69) abgelöst. Bürcher, zunächst ab 1994 in seiner Heimat Weihbischof in der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg, hat die am 18. Oktober 1968 errichtete Diözese Reykjavik, die den gesamten Inselstaat umfasst, seit Ende 2007 geleitet. Am 18. September nahm Papst Franziskus seinen vorzeitigen Amtsverzicht aus Gesundheitsgründen an. Bürcher will künftig mit Zustimmung des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, im Heiligen Land leben.

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Erster regulärer Ortsbischof der Neuzeit in Island war ein Deutscher

Den aus Hillensberg im Rheinland stammenden Montfortanerpater Martin Meulenberg (1872-1941) berief Papst Pius XI. zum ersten Leiter der im Juni 1923 errichteten Apostolischen Präfektur Island, die dann sechs Jahre später zum Vikariat aufgewertet wurde. Damit verbunden war die Ernennung Meulenbergs zum Bischof. Ihm folgte 1942 als bisher einziger einheimischer Bischof nach fast 400 Jahren Johannes Gunnarsson (1897-1972), Sohn eines Konvertiten. In seine bis 1967 dauernde Amtszeit fiel die Erhebung der Ortskirche zum Bistum Reykjavik durch Papst Paul VI. im Oktober 1968. Erster Bischof der nunmehrigen Diözese Reykjavik war dann bis zu seinem Tod im Oktober 1986 der 1917 in den Niederlanden geborene Montfortaner Hendrik Frehen. Sein Nachfolger wurde ein weiterer Niederländer, Joannes Gijsen (1932-2013), den Papst Johannes Paul II. nach Querelen in seinem Bistum Roermond im Mai 1996 in das «Eisland» versetzte, wo er bis 2007 wirkte. Auf ihn folgte dann der Schweizer Bürcher.

Auch wenn archäologische Forschungen belegen, dass bereits vor den Wikingern irische Mönche in Island wirkten, ist die Insel erst seit 874 ständig besiedelt. Die damaligen Bewohner verehrten vor allem den heidnischen Gott Thor. Die ersten christlichen Missionare rief der norwegische Königs Olaf Trygvasson (968-1000) Ende des 10. Jahrhunderts in das «Eisland» - den sächsischen Missionsbischof Friedrich, den Isländer Stefnir Thorgilson sowie den deutschen Priester Dankbrand. Doch sie konnten nur wenig ausrichten, weil sie zu unsensibel vorgingen.

In der Folgezeit führten die Isländer das Christentum auf ihre eigene Weise ein. Auf dem Althing, der obersten politischen Versammlung des demokratisch-patriarchal organisierten Landes, riefen im Jahr 1000 Gizur und Hjalti, die Steifnir getauft hatte, zur Annahme des Christentums auf. Fast drohte an dieser Frage die Einheit der Inselbewohner zu zerbrechen. Weil es an Klerikern mangelte, behielt die Kirche lange Zeit den heidnischen Modus bei, reiche Bauern als Priester einzusetzen. Noch heute zeugen an große Höfe angeschlossene Kirchengebäude von dieser Praxis.

Erzbischof Adalbert von Bremen-Hamburg weihte 1056 Isleif, den Sohn von Gizur, zum ersten katholischen Bischof für Island. Dieser errichtete seinen Bischofssitz auf seinem Hof Skalholt. Das Bistum Holar wurde 1106 mit Bischof Jon Ögmundsson errichtet. Die bis 1103 dem Erzbistum Bremen-Hamburg unterstehende Kirche fiel 1142 an das schwedische Erzbistum Lund und 1152 an die norwegische Erzdiözese Trondheim. Die Ernennung von Bischöfen nahm das Althing vor, oft auf Vorschlag der jeweiligen Vorgänger. Im 12. Jahrhundert gründeten viele Orden Klöster auf der Insel.

Bis 1264 blieb Island eigenständig. Als dann im Zuge interner Streitigkeiten der politisch aktive Dichter Snorri Sturluson erschlagen und auch Bischof Sigurd von Skalholt bedroht wurde, wandten sich die Isländer an das Königreich Norwegen, das die Insel kurzerhand seinem Machtbereich einverleibte. Im 15. Jahrhundert unterstand Island dann dem Königreich von Dänemark.

Eine neue Krise bescherte der Kirche Islands im 16. Jahrhundert die Reformation Martin Luthers auf dem Festland. König Christian III. wollte die katholische Kirche als unkontrollierbare Institution ausschalten. Er ließ 1541 Bischof Oejmundr Palsson von Skalholt gefangen nehmen und nach Dänemark überführen, wo dieser wenig später starb. Bischof Jon Arason von Holar rief seine Landsleute zum bewaffneten Widerstand gegen die Dänen und die lutherische Lehre auf. Er bat Kaiser Karl V. und auch Papst Paul III. um Hilfe. Letzterer ermutigte ihn im März 1548, nicht aufzugeben. Die Isländer nahmen den von Dänemark gesandten neuen Bischof gefangen, weihten die Kathedrale neu und der Glaube schien gerettet. Doch durch Verrat fiel Arason in die Hände seiner Feinde und wurde am 8. November 1550 hingerichtet. In der Folgezeit setzte Dänemark die Reformation auf der Insel sehr radikal um.

Erst 300 Jahre später betraten wieder katholische Geistliche isländischen Boden. Die ersten waren 1859 zwei französische Missionare, die jedoch wenig Erfolg hatten. Erst 1895 nahmen zunächst Weltpriester, dann der Orden der Montfortaner die Mission wieder auf. Um 1932 unter Bischof Meulenberg gab es auf Island 218 Katholiken, zwei Missionsstationen, vier Priester und zwei Laienbrüder sowie 30 Ordensfrauen. Ein Höhepunkt in jüngerer Zeit für Islands Katholiken war der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1989.

Der Bischof von Island (ganz rechts) im Sommer vor seiner Bischofsweihe im Gespräch mit dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun bei einer kath.net-Islandreise




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Archivfoto: Der Bischof von Island im Sommer vor seiner Bischofsweihe (c) kath.net







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