15 Oktober 2015, 11:00
Die abnehmende Glaubenssubstanz erschwert die Integration anderer
 
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Bischof Voderholzer: „Sorgen macht mir weniger eine möglicherweise drohende islamische Überfremdung, als vielmehr die eigene Lauheit“ – „Nur ein Land mit starker eigener Glaubenssubstanz und kultureller Identität kann andere integrieren.“

Regensburg (kath.net/pbr) „Nur ein Land mit starker eigener Glaubenssubstanz und kultureller Identität kann andere integrieren. Sorgen macht mir hier weniger eine möglicherweise drohende islamische Überfremdung, als vielmehr die eigene Lauheit, die abnehmende Glaubenssubstanz in unserem christlichen Abendland, das merkwürdigerweise dort am lautesten beschworen wird, wo Glaube und Kirche seit Generationen an den Rand gedrängt wurden.“ Dies stellte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer während des traditionellen Rosenkranzgebets in Regensburg am vergangenen Freitag (Foto) in seiner Predigt fest.

kath.net dokumentiert die Predigt des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zum Abschluss der Rosenkranzprozession am 9. Oktober 2015 in der Dominikanerkirche in Regensburg

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Unsere alljährliche Rosenkranzprozession ist in der Dominikanerkirche vor dem Bild der Schutzmantelmadonna zu ihrem Abschluss gekommen. Ich danke Ihnen allen sehr herzlich für dieses wunderbare öffentliche Bekenntnis und Zeugnis Ihres Glaubens.

Mit dieser Prozession begehen wir das Rosenkranzfest, das die katholische Kirche am 7. Oktober feiert. Von diesem Fest her ist der ganze Monat Oktober in besonderer Weise diesem altehrwürdigen Betrachtungs- und Bittgebet geweiht.

Das Rosenkranzfest hat einen ganz bestimmten geschichtlichen Hintergrund: Es wurde von Papst Pius V. im Jahr 1571 als Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Siege (de victoria) gestiftet. Er wollte damit den Dank der Kirche für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto ausdrücken. Schon 1573 wurde es von seinem Nachfolger Gregor XIII. umbenannt in Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz.

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Im Jahre 1716, nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen unter dem Kommando des Prinzen Eugen über das osmanische Reich nahm man das Fest in den Römischen Kalender auf. Die heutige Festlegung der Feier im liturgischen Kalender für den 7. Oktober geschah im Jahr 1913 durch Papst Pius X.

Das Rosenkranzfest ist also ganz eng verbunden mit dem erfolgreichen Zurückschlagen des Vormarsches des osmanischen, das heißt des türkischen Großreiches, und das heißt der Muslime, im 16. bzw. 18. Jahrhundert. Der Fürsprache der Gottesmutter, die durch das Rosenkranzgebet vieler Beter zu Hilfe gerufen worden war, wurde der Sieg und damit der Rückschlag des vorwärtsdrängenden Islam zugeschrieben.

Szenenwechsel: Spätsommer und Herbst des Jahres 2015.

Was seinerzeit – durch die Fürsprache der Gottesmutter – verhindert werden konnte: Lassen wir das nicht jetzt – so fragen viele in unserem Land lassen wir das nicht jetzt fahrlässig und unverantwortlich zu, indem die Grenzen für die zumeist muslimischen Flüchtlinge aus dem Iran, dem Irak und aus Afghanistan geöffnet wurden, so dass diese jetzt weitgehend unkontrolliert zu uns strömen können? Ja, so fragen sich nicht wenige, und vielleicht auch mancher oder manche von Ihnen.

Nun. Diese Fragen und Sorgen sind ernst zu nehmen.

Freilich ist auch zu bedenken: Die Menschen, die Muslime, die aus den genannten Ländern fliehen, sie kommen erst einmal nicht, um das Abendland zu erobern, sondern weil sie Opfer sind eines Krieges, eines Bürgerkrieges, verursacht durch fanatische islamistische Gruppen, die die Religion, den Gottesglauben in Verruf bringen, ja den Gottesglauben mit Füßen treten. Die verbrecherischen Gruppen der Taliban und des IS schrecken ja auch nicht davor zurück, ihre eigenen Glaubensbrüder und schwestern zu ermorden. Bei den Selbstmordattentaten wird nicht gefragt, wer mit in den Tod gerissen wird. Richtig ist aber leider ebenso: Wir erleben in diesen Ländern auch eine ausdrückliche Christenverfolgung. Darüber empört sich die zivilisierte Welt viel zu wenig!

Wo nun die Taliban und der so genannte „Islamische Staat“ ihr Unwesen treiben, dort beginnen sie zuerst damit, die Schulen, und besonders die Schulen für die Mädchen zu zerstören. Es endet damit, dass andere kulturelle Schätze wie antike Tempelanlagen mit bildlichen Darstellungen von Gottheiten zerstört werden. „Boko haram“ der Name der Terroristen im afrikanischen Nigeria, heißt übersetzt: „Westliche Bildung ist Sünde.“

Der ganze Abgrund zwischen Islam und christlichen Werten wird hier deutlich. Die Flüchtlinge sind aber zuerst einmal nicht Protagonisten dieser Ideologie, sondern deren Opfer.

Die meisten der Flüchtlinge sind in islamischen Ländern unterwegs oder in notdürftigen Unterkünften untergebracht: in derTürkei, Jordanien, im Libanon und die allermeisten sind in den Kriegsländern selbst.

Dort muss zuallererst geholfen werden! Dort müssen Wohnungen gebaut, und zuvor die Wasserversorgung und die Versorgung mit den wichtigsten Lebensmitteln sichergestellt werden, sonst wird der Flüchtlingsstrom nicht abreißen und die Menschen an die Grenzen Europas drängen. Und es stimmt, was der Bundespräsident zum Tag der deutschen Einheit gesagt hat: Unsere Möglichkeiten der Aufnahme sind endlich, sind begrenzt und wohl auch mittlerweile erschöpft.

Es bleibt jetzt schon die große Herausforderung der Integration derKriegsflüchtlinge, die bislang gekommen sind und wohl ein Bleiberecht bekommen. Die Integration, liebe Schwestern und Brüder, ist zuallererst eine Herausforderung für unsere eigene Identität.

Nur ein Land mit starker eigener Glaubenssubstanz und kultureller Identität kann andere integrieren.

Ich gestehe es offen und sage es immer wieder: Sorgen macht mir hier weniger eine möglicherweise drohende islamische Überfremdung, als vielmehr die eigene Lauheit, die abnehmende Glaubenssubstanz in unserem christlichen Abendland, das merkwürdigerweise dort am lautesten beschworen wird, wo Glaube und Kirche seit Generationen an den Rand gedrängt wurden. So gesehen ist dieser heutige Abend, ist Ihr Mitgehen, Ihr öffentliches Singen und Beten der beste Beitrag zur Integration, weil so die Vitalität des Glaubens und der unser Land prägenden Kultur sichtbar wird. Nehmen wir die jetzige Situation als einen Weckruf zur Besinnung auf die Schönheit und Kraft des eigenen Glaubens!

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Zur Identität der christlich-abendländischen Kultur, die wir möglichst attraktiv leben und für die Menschen, die zu uns kommen, annehmenswert machen müssen, gehört unsere Festkultur, unsere Feierkultur, die im Kirchenjahr gründet.

Fragen Sie sich ruhig einmal selber:

Werden die Muslime, die zu uns kommen, erfahren, was wir an Weihnachten feiern, wenn sie in den vor uns liegenden Wochen von Mitte November bis zum 24. Dezember durch unsere Städte gehen oder die Programme der Medien verfolgen? Werden sie erfahren, dass es um Gott geht, um die Menschwerdung Gottes, dass Gott unser höchstes Gut und unser letztes Ziel ist? Dass wir uns beschenken, weil zuvor Gott uns beschenkt hat?

Am 11. November wird St. Martin gefeiert. Vor zwei Jahren hat ein Politiker in Nordrheinwestfalen gefordert, den heiligen Martin aus staatlichen Kindergärten herauszuhalten, weil man ihn den Muslimen und Nichtgläubigen nicht zumuten könne.

Es war ein deutscher Politiker. Und widersprochen hat ihm vor allem auch ein Vertreter der Muslime in Deutschland, der sich durch den heiligen Martin nicht bedroht oder missioniert fühlt.

Überhaupt: Was sind die vielbeschworenen Werte, die anzunehmen von den Flüchtlingen gegenwärtig allerorts mit Recht gefordert wird? Man könnte auchfragen: Was ist den Deutschen heilig?

Böse Zungen sagen: die beiden größten Religionsgemeinschaften in Deutschland seien mittlerweile der DFB, der Deutsche Fußballbund, und der ADAC, der Allgemeine deutsche Automobilclub; ich sage nur „heiligs Blechle“ – aber das sind natürlich böse Zungen.

Im Ernst: Können wir die Anerkennung des Grundgesetzes verlangen, wenn in Deutschland ein so zentrales Element dieses Grundgesetzes wie der bedingungslose Schutz des Lebens, des ungeborenen wie des alten und kranken, auch politisch in Frage gestellt werden kann?

Alle unsere Städte in Deutschland sind zentral von den Kirchenbauten her strukturiert. Auch wo Bankenhochhäuser die Kirchtürme in den Schatten stellen, wie in mancher Großstadt, geben doch die Gotteshäuser die Orientierung vor, verweisen uns die Türme auf den Halt, den wir vom Himmel her zugesagt bekommen, laden uns ihre Glocken zum Gebet, früh, mittags und abends und dann am Sonntag. Werden die Menschen unsere Gotteshäuser so erleben und erfahren, dass sie zum Nachdenken und zum Fragen kommen: Was bewegt dieses Volk, wovon ist es getragen, woran glaubt es, dass es so gastfreundlich ist und Opfer für die Fremden aufzubringen bereit ist, die wir in islamischen Ländern nicht erleben?

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Es wird vielfach diskutiert angesichts der neuen Herausforderungen, ob wir Christen missionieren dürften. Nun, es kommt darauf an, wie. Selbstverständlich dürfen und müssen wir von unserem Glauben sprechen, die Symbole erklären, die Feste in ihrem Inhalt erschließen und froh zum Eigenen stehen. Die Apostelgeschichte überliefert uns, dass die Umwelt der frühen Christen fasziniert war von deren Glaubensernst und vom liebevollen Umgang untereinander(vgl. Apg 2,44-47). Das ist Mission durch das Tun, durch das Beispiel, durch Einladung und das Wecken der Sehnsucht, den Gott und Vater Jesu Christi auch kennenzulernen und sich seiner Kirche anzuschließen. Unser Land ist aufgebaut und unsere Kultur ist geprägt worden von Menschen, denen heilig waren: Der Sonntag, die Bibel als Gottes Wort, die Ehe und alle Sakramente, die 10 Gebote, mit dem ersten voran: der Heiligung des Gottesnamens.

Wenn wir Christen alle das vermitteln und froh leben, werden wir auch die Kraft zur Integration haben. Ich höre aus einigen Pfarreien, dass sich junge Muslime für den Glauben und die Taufe interessieren und ins Katechumenat aufgenommen werden freiwillig und motiviert von Achtung und Respekt vor dem Zeugnis von Christen wie Du und ich.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir stehen wahrhaft vor großen Herausforderungen. Die größte ist die der Stärkung der eigenen Identität und der Glaubenssubstanz. Es sind viele Anliegen, die wir im Rosenkranzgebet der Gottesmutter in diesem Monat ans Herz legen dürfen, in denen wir um ihre Fürsprache bitten dürfen und müssen: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns,
Amen.





Foto Bischof Voderholzer (c) Bistum Regensburg

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