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15 Mai 2015, 10:00
Kritiker des grün-roten Bildungsplans in Baden-Württemberg geehrt

Pädagoge Gabriel Stängle erhält den ojcos-Stiftungspreis - Er war Initiator einer Petition zum Bildungsplan und sammelte rund 200.000 Unterschriften gegen das Vorhaben, in allen Schulklassen für die Akzeptanz sexueller Vielfalt zu werben.

Reichelsheim (kath.net/idea) Der württembergische Pädagoge Gabriel Stängle (Nagold) hat den ojcos-Stiftungspreis erhalten. Er nahm die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung am Freundestag der ökumenischen Kommunität „Offensive Junger Christen“ (OJC) an Christi Himmelfahrt (14. Mai) in Reichelsheim (Odenwald) entgegen. Die von der OJC gegründete ojcos-Stiftung ehrt damit sein „mutiges Engagement für eine wissenschaftlich orientierte Pädagogik und gegen ideologische Theoriekonstrukte, insbesondere in der schulischen Sexualerziehung“. Stängle war Initiator einer Petition zum Bildungsplan in Baden-Württemberg. Er sammelte rund 200.000 Unterschriften gegen das Vorhaben, in allen Schulklassen für die Akzeptanz sexueller Vielfalt zu werben. Die Eingabe wurde im Januar 2014 an den Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtags überreicht. Der Prior der OJC, Konstantin Mascher, kritisierte in seiner Laudatio, dass die grün-rote Landesregierung bis heute das Gespräch mit den Kritikern verweigere. Es gebe keine sachlich fundierte Erwiderung auf die Petition: „Abwehren und Beschimpfen fällt anscheinend leichter, als in den Dialog zu treten.“ Mascher würdigte die Zivilcourage und Standfestigkeit des Realschullehrers, gegen den eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung und drei Dienstaufsichtsbeschwerden eingegangen seien, die abgewiesen bzw. fallen gelassen wurden. Dem Engagement von Stängle sei es zu verdanken, dass der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der es auf keinen Kulturkampf ankommen lassen wolle, erklärt habe: „Es kann nicht darum gehen, dass wie in Baden-Württemberg eine breite Debatte in den Schulen ausbricht.“ Mascher würdigte ferner, dass sich Stängle im Verein KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen engagiert. Als Geschichtslehrer habe er mit seinen Schülern eine Dokumentation über „Die stillen Retter untergetauchter Juden im Nordschwarzwald und im Oberen Gäu“ erstellt, die mehrere Auszeichnungen erhalten habe. Man könne Stängle deshalb nicht in „die rechte Ecke“ stellen, wie es seine Gegner versuchten.

Erster Preisträger war der Israeli Ilan Brunner

Die ojcos-Stiftung besteht seit 2004. Sie wurde von der OJC aus dem Nachlass ihres Schweizer Freundes Marcel Wyss gegründet. Die Stiftung fördert geistig-geistliche Orientierung im Sinne des christlichen Wertekanons, insbesondere durch humanitäre, missionarische und diakonische Arbeit. „Oikos“ bezeichnet in der Bibel die lebendige Gemeinschaft mit Christus. Der ojcos-Stiftungspreis wurde erstmals im vergangenen Jahr verliehen. Empfänger war der Israeli Ilan Brunner. Gemeinsam mit seiner 2010 verstorbenen Ehefrau Esti gründete er 1999 das „Disraelis“-Projekt. Es ermöglichte rund 1.000 jungen Erwachsenen, die Opfer von Terroranschlägen oder beim Militärdienst verwundet wurden, eine „Auszeit“ in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die OJC entstand 1968 mit dem Ziel, zu einer Erneuerung in Kirche und Gesellschaft beizutragen. Die Kommunität mit heute rund 100 Mitlebenden befasst sich vor allem mit Jugendbildung, Entwicklungshilfe, Seelsorge und ethischen Fragen.