25 März 2015, 10:00
Politiker: 'Christen müssen Gesellschaft aktiv mitgestalten'
 
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ÖVP, FPÖ und Team Stronach zeigten sich bei Podiumsdiskussion einig: "Christen haben Verantwortung, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten und sich politisch einzumischen"

Wien (kath.net/KAP) An die christliche Verantwortung, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten und sich politisch einzumischen, haben am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion in Wien Nationalratsabgeordnete der ÖVP, FPÖ und des Team Stronach erinnert. Seit rund einem halben Jahrhundert sei ein Werteverfall zu konstatieren, der sich nur durch ein klares Bekenntnis und Eintreten für die eigenen Werten und eine neue Kultur des konstruktiven Dialogs aufhalten lasse, betonte etwa Wolfgang Gerstl von der ÖVP bei der vom "Institut für Ehe und Familie" und dem "Internationalen Theologischen Institut" (ITI) organisierten Veranstaltung unter dem Titel "Neu Gesellschaft ohne christliche Werte?".

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Gerstl warnte davor, aus Enttäuschung in eine passive Zuschauer-Rolle zu verfallen; gefragt sei viel mehr eine neue "Beteiligungskultur". "Wir brauchen versöhnende und nicht spaltende Christen, die aufstehen und in ein Streitgespräch gehen, das geprägt ist von Achtung, Wertschätzung und Toleranz", so der Politiker. Für den Beruf des Parlamentariers wünsche er sich ein Mehr an Verantwortung für die eigene politische Linie, die in Richtung Direktwahl der Abgeordneten und mehr Offenheit und Transparenz im parlamentarischen Prozess gehe.

Kritisch äußerte sich der ÖVP-Politiker zum Klubzwang, der gerade bei Gewissensfragen, wie zuletzt bei der Frage der Abstimmung zur Reproduktionsmedizin, fallen müsse. Gerstl war einer jener ÖVP-Politiker, die konträr zum Parteikurs gegen die Gesetzesnovelle gestimmt hatten. Wünschenswert sei auch eine stärkere Zusammenarbeit aller christlichen Parlamentarier über Parteigrenzen hinweg.

Andreas Karlsböck von der FPÖ warnte vor einer hedonistischen Gesellschaft, "in der alles erlaubt ist, in der es kaum mehr verbindliche Werte gibt" und die so "zwangsläufig zu einer orientierungslosen Gesellschaft" werde. Eine Gesellschaft ohne "festes Wertegerüst" sei dem zerstörerischen Relativismus, der Dekadenz schutzlos ausgeliefert. Sich nur auf schöne Worte wie Antidiskriminierung oder eine falsch verstandene "political correctness" zu berufen, sei zu wenig, "das verstellt den klaren Blick auf die Wirklichkeit und die Gefahren für unsere Gesellschaft".

Team Stronach-Abgeordneter Marcus Franz warnte vor einem wachsenden gesellschaftlichen Relativismus: Tagtäglich würden christlichen Werte unter dem Deckmantel der Toleranz und der Freiheit des Einzelnen ausgehöhlt. Hier einen klaren Gegenschritt zu setzten sei Aufgabe der Kirche und jedes gläubigen Christen. Zu lange seien die Christen eine schweigende Mehrheit geblieben. Immerhin gebe es in Österreich über 5 Millionen Katholiken, "da ist noch sehr viel Potential drinnen". Christen müssten die Rolle des "rückständigen, erz-katholischen reaktionären Menschen" abstreifen. "Denn das ist nicht die Realität."

Die Juristin Gudrun Kugler forderte mit Worten des früheren Papst Benedikt XVI. alle Christen auf, wie eine "kreative Minderheit" zu agieren. Erster Schritt sei es, klare Ziele zu entwickeln und diese in klare Begriffe zu packen. Es brauche Christen, die bewusst ihren Glauben auch am Arbeitsplatz, auf den Unis oder in den Schulen deutlich machen. Vor allem junge Menschen müssten in diese Richtung geführt werden. Kugler engagiert sich seit Jahren für eine stärkere Präsenz christlicher Positionen in der Politik und zeichnete etwa für den österreichischen Ableger der europaweiten Bürgerinitiative "One of us" verantwortlich, die in Österreich über 30.000 Unterstützer fand und sich gegen EU-Subventionen an Projekte wendet, bei denen menschliche Embryonen zerstört werden.

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