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20 November 2014, 11:00
‚Teilen ist schön – Eine grausame Aktion des Bistums Trier‘

Was hat Bischof Ackermann veranlasst, einen Pfarrer mit der so schwerwiegenden Maßnahme der Amtsenthebung zu bestrafen? Dem Schreiber dieser Zeilen ist Pfarrer Christoph Eckert seit 20 Jahren bekannt. Von Michael Schneider-Flagmeyer

Beckingen (kath.net/Forum Deutscher Katholiken) „Teilen ist schön – Eine grausame Aktion des Bistums Trier“. Dieser Spruch, den wir als Titel gewählt haben, ist groß und plakativ auf der Webseite der Pfarreiengemeinschaft Beckingen vom Pfarreienrat gesetzt zu lesen. Was ist geschehen?

Der Pfarrer von Beckingen, Christoph Eckert, wurde von Bischof Ackermann aus „pastoralen Gründen” seines Amtes enthoben. Er musste innerhalb von kurzer Zeit seine Dienstwohnung verlassen und kam mit dem Nötigsten versehen bei 50 km entfernten Familienangehörigen unter. Er konnte sich nicht einmal von lieben Menschen verabschieden.

Nanu, der muss ja Schlimmes getan haben. Oder? Über einen Teil des Hintergrundes hat Peter Winnemöller dankenswerterweise noch einmal auf kath.net berichtet unter dem Tiel „kath.net hat berichtetGrundkurs Zynismus”.

Es gibt aber dazu, wie oben beschrieben noch einiges zu ergänzen. Was sind denn nun die so schwerwiegenden „pastoralen Gründe”, die den Bischof von Trier Dr. Stephan Ackermann veranlassen, einen Pfarrer mit der so schwerwiegenden Maßnahme der Amtsenthebung zu bestrafen und ihn praktisch aufzufordern, fluchtartig das Pfarrhaus zu verlassen? Das Kirchenrecht sieht dafür sehr genau beschriebene Gründe vor. Dem Schreiber dieser Zeilen ist Pfarrer Eckert seit 20 Jahren bekannt. Es mag sein, dass dieser zu Beginn seines priesterlichen Wirkens ein wenig übereifrig das Klerikale betont hat. Aber spätestens seit er nun vor über zehn Jahren Pfarrer in Beckingen wurde, hat sich dieses ganz abgeschliffen und verloren.

Er hat in Beckingen eine Pfarrei übernommen, in der der Gottesdienstbesuch erbärmlich abgenommen hatte und der Vorgänger Werktagsgottesdienste absagte, wenn dort nur 3 oder 4 Gläubige waren. Pfarrer Eckert nahm die Aufforderung Jesu ernst, einem jeden Schaf nachzugehen. Er feierte jeden Tag das Messopfer, egal ob einer oder zehn Gläubige in der Kirche waren. Er hielt auch abends Messe, wenn im Tagesverlauf schon ein Sterbeamt in der Kirche stattgefunden hatte.

Durch seine Art, die Liturgie so feierlich zu gestalten und sich strikt an das römische Messbuch zu halten sowie durch seine Verkündigung füllte sich die Kirche wieder an Werktagen mit 30-50 Gläubigen und an den Sonntagen war die Kirche gut besetzt. Viele Gläubige kamen von weit her, um mit Pfarrer Eckert die Messe zu feiern. Es gelang ihm, ehrenamtliche Mitarbeiter, die resigniert hatten, wieder in den Dienst zu nehmen und er brachte die Messdienerzahl auf über 120, die sich in Gruppen auch im Internet betätigen.

Noch vor knapp einem Jahr übertrug ihm die Diözese zusätzlich die Gemeinde Reimsbach. Aber damit begannen auch die Querelen und einige Beschwerden von Leuten, die mit der feierlichen Zelebration der Messe nicht einverstanden waren im Gegensatz zur Mehrheit der Gläubigen. Auch in der Gemeinde Saalfels begann sich vereinzelt Widerstand zu regen. Aber dort wurde schon immer gegen die Pfarrer von Beckingen geschossen. Hier wird ein Merkmal der Krise der Kirche sichtbar. Zahllose Menschen in der Kirche wissen nicht mehr, was das Messopfer bedeutet und was dort geschieht. Und so kommt manchem Gottesdienstbesucher das mit feierlichem Ernst zelebrierte Messopfer (siehe dazu das II. Vaticanum in seiner Konstitution über die heilige Liturgie) als „theatralisch” vor. Aber die übergroße Mehrheit der Gläubigen in der Pfarreiengemeinschaft war dankbar für diese Feier der Messe, was die vollen Kirchen, der Zustrom von außerhalb der Pfarreiengemeinschaft und das sehr lebendig gewordenen Gemeindeleben bewiesen.

Was nun die „pastoralen Gründe” für die Amtsenthebung sind, ist bis heute ziemlich unklar und erschöpft sich in vagen Andeutungen. Dem Pfarrer wurde von der Bistumsleitung ausdrücklich bescheinigt, dass er sich persönlich nichts habe zuschulden kommen lassen. Warum also diese ungewöhnliche Härte? Dass der Pfarrer sich weigerte, die Pfarrei ohne wirkliche Begründung zu verlassen und herabgestuft zu werden zu einem Kooperator?

Sehr oft geht der Aufstand gegen einen amtierenden Pfarrer von den Räten aus. In Beckingen aber ist es genau umgekehrt. Hier steht der Pfarreienrat und die Pfarrgemeinderäte hinter Pfarrer Eckert und macht dem Bischof von Trier ungewöhnlich harte Vorwürfe. Er wirft ihm vor, nach außen die Bedeutung der Ehrenamtlichen zu würdigen und im konkreten Fall sie mit Füssen zu treten. So heißt es dort: „Allen pastoralen Laienräten und allen Synodalen im Bistum Trier könnte man nicht deutlicher vor Augen führen, dass die Diözesansynode eine Alibiveranstaltung ohne jegliche Bedeutung ist.”

Das empörte Schreiben des Pfarreienrates sowie 150 ausgewählte Kommentare, die man alle gar nicht drucken konnte, finden Sie hier: Link.

Der Bischof hat Pfarrer Eckert vorgeworfen, die Pfarrei zu spalten. Durch das Banner mit dem im Titel dieses Beitrags genannten Inhalt gibt der Pfarreienrat praktisch diesen Vorwurf an die Bistumsleitung und an den Bischof zurück.

Pfarrer Eckert hat gemäß der Verlautbarung der Pfarreiengemeinschaft an den Heiligen Stuhl appelliert und die Pfarrei kann nicht eher besetzt werden, bis Rom entschieden hat. Man muss aber darauf hinweisen, dass sich der Vatikan nicht gerne in die Belange der Ortsbischöfe einmischt.

Die Aktionsgemeinschaft Katholischer Laien und Priester in der Diözese Trier e.V. im Forum Deutscher Katholiken, der vorzusitzen ich die Ehre habe, protestiert entschieden gegen die Art und Weise, mit der gegen einen lehramtstreuen Pfarrer in Trier vorgegangen wird. Wer will denn hier noch Priester werden? Das dünn besetzte Priesterseminar spricht hierfür Bände. Auch findet seit einiger Zeit eine erschreckende Flucht aus dem Priesteramt hier statt. Gleichzeitig verlassen Priester die Diözese Trier, um in der Schweiz oder anderswo unter besseren Bedingungen arbeiten zu können. Mancher Priester hat uns schon gefragt: Wer wird denn hier der Nächste sein, der abgehalftert wird?

Wer heutzutage eine lehramtstreue Verkündigung zusammen mit seiner offen gezeigten Treue zu Rom und dem Papst zeigt, findet in den Gemeinden immer Leute, die ihm ans Leder wollen.

Im neuen Gotteslob steht in der Trierer Ausgabe nicht mehr im Lied: Fest soll mein Taufbund immer stehen mit dem Text: „Ich will die Kirche hören. Sie soll mich allzeit gläubig sehen und folgsam ihren Lehren”, sondern die modernere Form. Offensichtlich will man hier die römische Kirche nicht mehr hören und ihren Lehren folgsam sein.

Wir appellieren an die Bistumsleitung, den Gemeinden in Beckingen und Pfarrer Eckert entgegenzukommen und eine für alle Seiten befriedigende Lösung anzustreben.

Wir hoffen und glauben, dass der Herr Apostolische Nuntius als Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland diese Verhältnisse zur Kenntnis nimmt und vermittelnd wirken kann.

Pastor Eckert soll in Beckingen bleiben, weil... - Teil 5




Pastor Eckert soll in Beckingen bleiben, weil... - Teil 1