31 Oktober 2014, 08:30
Christlicher Glaube und Marktwirtschaft gehören zusammen
 
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Ökonom: Wenn das eine wegfällt, verlieren wir auch das andere

Frankfurt am Main (kath.net/idea) „Der christliche Glaube und die freie Marktwirtschaft gehören untrennbar zusammen. Lassen wir das eine wegfallen, verlieren wir über oder lang auch das andere.“ Diese Ansicht vertrat der Diplom-Ökonom Robert Grözinger (Bath/England) auf einer Veranstaltung der Regionalgruppe Rhein-Main des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) am 29. Oktober in Frankfurt am Main. Der Autor des Buches „Jesus, der Kapitalist“ sprach vor 60 Vertretern aus Kirche und Wirtschaft zum Thema „Das christliche Herz der Marktwirtschaft“. Gastgeber war die Deutsche Bank. Grözinger zufolge sind entscheidende Grundlagen für den Kapitalismus aus dem Judentum und dem Christentum hervorgegangen, etwa die Achtung des Privateigentums sowie die Freiheit und Verantwortung des Einzelnen. Gott habe dem Menschen den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Dazu seien Effizienzsteigerung und Arbeitsteilung notwendig, um die Welt angesichts der Vielzahl der Menschen bewohnbar zu halten. Dies gelinge am besten durch die Marktwirtschaft.
„Tempelreinigung“ Jesu nicht antikapitalistisch deuten

Außerdem werde in vielen Gleichnissen Jesu Gott durch einen wohlhabenden Kapitalisten symbolisiert. Als Beispiele nannte Grözinger den Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn oder den Grundbesitzer im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Er ging ferner auf die Geschichte von der „Tempelreinigung“ ein, in der Jesus Christus Händler und Geldwechsler aus dem Jerusalemer Tempel vertreibt. Sie werde häufig von Theologen fälschlich so ausgelegt, dass Jesus gegen Kommerz und antikapitalistisch eingestellt gewesen sei. Als Hintergrund müsse man jedoch wissen, dass nur eine begrenzte Zahl von Tempelhändlern zugelassen gewesen sei und sie wohl Absprachen getroffen hätten, um überhöhte Preise für Opfertiere zu kassieren. Jesus werde diese Praxis als Diebstahl verstanden haben. Dessen Kritik habe sich also gegen eine Kartellbildung gerichtet. Laut Grözinger ist Reichtum nach der Bibel an sich nichts Schlechtes und kann von Gott gegeben sein. Die Heilige Schrift wende sich aber gegen Mammon, „den Gott des übermäßigen, unbegrenzten Wachstums“.

Warnung vor einem „neuen Sozialismus“ Grözinger kritisierte, dass die Gesellschaft zu einem „neuen Sozialismus“ tendiere. Der Grund dafür sei, „dass wir Gott nicht wirklich als oberste Instanz betrachten, sondern den Staat“. Im Blick auf den Zusammenbruch des totalitären SED-Regimes vor 25 Jahren sagte Grözinger: „Der Glaube, auf dem dieses System aufbaute, der Glaube an den erlösenden Staat, lebt weiter.“ Wenn man nicht anerkenne, dass dieser Glaube eine „Gegenreligion zum Christentum“ sei, „dann werden wir immer weiter in einen neuen Totalitarismus hineinrutschen“. Um das zu verhindern, sei ein gelebter christlicher Glaube und der Mut notwendig, sich zu einer freien Marktwirtschaft zu bekennen.

Kritik an Umgang Grözingers mit der Bibel

In der Aussprache zu dem Vortrag wurde auch Kritik laut. Der Pfarrer und Betriebswirt Dieter Becker (Frankfurt am Main) sagte, ihn irritiere „gewaltig“, wie Grözinger die Bibel nutze. Er habe sich genau die Bibelstellen herausgesucht, die in seine Argumentation passten. Laut Becker ließen sich in der Bibel genauso gut Stellen finden, mit denen man Jesus als Sozialisten darstellen könnte. Der AEU – ein Netzwerk protestantischer Unternehmer, Manager und Führungskräfte – versteht sich als Brücke zwischen Wirtschaft und Kirche. Vorsitzender ist der Ökonom Peter Barrenstein (München), Geschäftsführer Stephan Klinghardt (Karlsruhe). Als Sprecher des AEU im Rhein-Main-Gebiet fungiert der beim Industrieverband Agrar tätige Geschäftsführer Dietrich Pradt (Frankfurt am Main).

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