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15 Dezember 2013, 17:00
'Mein Weg ins Kloster? Ein langer Weg, eine Suche nach einem Schatz!'

Schwester M. Margareta vom Gekreuzigten (Clara-Schwestern): „Nun nahm Gott einen großen Platz in meinem Leben ein – den ersten Platz – und ich wollte seinen Willen tun“ - Leseprobe 4 aus dem kath.net-Buch „Glaubenswege. Mein Weg ins Ordensleben“

Linz (kath.net) Schwester M. Margareta vom Gekreuzigten, Clara-Schwestern St. Laurenzen:

„Bevor ich diesen kostbaren Schatz finden durfte – den Schatz im Acker – musste ich erst einmal anfangen, überhaupt zu suchen. Und das war das Schwierigste – so war es zumindest für mich –: Sich aufzumachen, also die Schaufel zu schultern und die Bereitschaft aufzubringen, im eigenen Herzen zu graben und nach der Sehnsucht zu suchen, die sich darin versteckt.

Bei mir war sie ziemlich tief versteckt, diese Sehnsucht nach Gott. Und ich musste mit viel Ausdauer die Augen offen halten für die Hinweise des Heiligen Geistes, der zum Herzen spricht, und dann Schritt für Schritt den Mut aufbringen, diesen Hinweisen zu folgen.

Ich komme aus einem Vorort von Hamburg. Dort gehört die Mehrzahl der Menschen der evangelisch-lutherischen Landeskirche an, so auch meine Familie, das heißt meine Eltern, meine drei Jahre jüngere Schwester und ich – bis zu meinem 25. Lebensjahr.

Unser Glaubensleben sah so aus, dass ich getauft wurde, den Kindergottesdienst besuchte und den evangelisch-lutherischen Kindergarten, später die Jungschar, alles sehr gefördert von meiner Mutter, die sich in der Kirche engagierte. Eben das für mein damaliges Umfeld ganz normale Programm.

Auch nach der Konfirmation ging ich an Weihnachten, und auch sonst ab und zu in die Kirche, um durch die Predigt gezeigt zu bekommen, auf welche moralischen Werte es im Leben wirklich ankommt. Zudem sang ich im Kirchenchor. Ich gehörte also, wie meine Mutter, zu den eifrigen Gemeindemitgliedern.

Doch während des Studiums machte ich eine ganz neue Erfahrung. Ich ging für ein Auslandsemester nach Italien und wohnte dort in einer katholisch praktizierenden Familie: Mama, Papa und zwei Töchter im Alter von fünf und sieben Jahren. Mit ihnen freundete ich mich bald an, vor allem mit der Mutter der Familie.

Und hier durfte ich eine ganz neue Glaubenserfahrung machen, die sich wesentlich vom bisher Gekannten unterschied.

Gläubig sein hieß für mich bisher: Man geht halt in die Kirche, als Katholik eben jeden Sonntag, als Protestant weniger. Man spricht ein wenig persönlich mit dem lieben Gott und versucht, sich sozial zu engagieren. So hatte ich das bisher getan. Ich hatte ab und zu mit dem lieben Gott gesprochen. Aber das war eher mein Wunsch-lieber-Gott, meine Vorstellung, die ich so von ihm hatte, vergleichbar mit einem Kind, das zu seinem Teddybär spricht.

Aber in dieser Familie war Jesus keine Fantasiegestalt, auch nicht irgendeine historische, großartige Persönlichkeit, sondern er war gegenwärtig, er lebte in der Familie. Das war nicht mehr ein Gott, den ich mir vorstellte, sondern Gott, der sich selbst offenbart hat in Jesus Christus.

Diesen wirklich lebendigen Jesus kannte ich eigentlich gar nicht richtig, nicht persönlich.

Zum ersten Mal machte ich mich wirklich auf die Suche nach ihm, und fing an, jeden Tag zu beten. Ich hinterfragte meinen bisherigen Glauben und suchte intensiv nach der Wahrheit.

Durch Gespräche wusste ich bald mehr über den katholischen Glauben als über meinen „Heimatglauben“. Alles schien mir logisch, richtig und wahr.

Und eines wurde mir klar: Ich konnte nicht evangelisch bleiben und katholisch glauben. Und so bin ich ein Jahr nach meinem Aufenthalt in Italien, gegen den Widerstand meiner Familie, katholisch geworden.

Da mein Studium zu Ende ging, bedrängte mich auch eine andere Frage: Was willst du in deinem Leben machen?

Bisher hatte ich gedacht, eine Familie zu gründen. Aber nun nahm Gott einen großen Platz in meinem Leben ein – den ersten Platz – und ich wollte seinen Willen tun. Könnte das auch das Ordensleben sein?

Es kamen vier lange Jahre des Wartens, des Nichtwissens wohin es gehen sollte, des ganz vorsichtig und zögernden Anfanges der „Schatzsuche“. Und immer wieder diese Frage: Was will Gott von mir? Was will ich wirklich? Und ich wusste darauf keine Antwort!

Der Gedanke, eine eigene Familie zu gründen, war mir vertraut, das war ein mir altbekannter Wunsch, geprägt durch meine Familie und mein Umfeld.47
Wenn ich dagegen ans Ordensleben dachte, beschlich mich Angst und innere Widerstände regten sich. Wahrscheinlich auch, weil ich wusste, dass das noch einmal ein Bruch, ein Nichtverstehen, seitens meiner Familie, meinem gewohnten Umfeld bedeuten würde, wie ich das schon schmerzlich bei meiner Konversion erfahren hatte.

Es ging also einfach nicht vorwärts in dieser Zeit, kein Weg tat sich auf – eine Zeit der Reinigung und Vorbereitung!

Meine Familie und Freunde drängten: Du musst aktiv werden, auf Ehepartnersuche gehen, im Internet oder Sportverein. Aber irgendwie konnte ich das nicht mit ganzem Herzen tun.

Und wiederum war es die italienische Familienmutter, die mir zu Hilfe kam. Auf ihren Rat habe ich angefangen, Jesus konkreter und intensiver zu bitten: Was willst du von mir? Ich bin jetzt 28 Jahre alt! Lass mich einem Mann begegnen oder zeige mir ein Kloster und gib mir den Mut, ja zu sagen. – Nicht, dass ich keine Männer kannte oder noch nie eine Klosterfrau oder eine Kloster gesehen hätte. Aber die Begegnungen hatten mir keine Klarheit gebracht. Auch ein Einkehrtag in einem Karmel nicht.

Aber kurz darauf kam alles doch ganz plötzlich: Ich meldete mich für eine Jugendwallfahrt nach Schio an, um mich dort der Mutter Gottes zu weihen. Insgeheim hoffte ich, vielleicht dort dem Mann fürs Leben zu begegnen.

Doch es kam zu einer ganz anderen, intensiven Begegnung mit einer Ordensschwester: Sr. M. Johanna von den Clara-Schwestern.

Es war das erste Mal, dass ich mich von einer Ordensschwester angesprochen fühlte: Sie war sympathisch und vermittelte mir einen lebendigen Eindruck, was Brautschaft Christi bedeutet. Und diese bräutliche, hingebende Liebe hat mich fasziniert und eine starke Anziehung auf mich ausgeübt. Zudem waren wir in Glaubensansichten auf einer Wellenlänge, was ich ja eigentlich gesucht hatte.

Ich war aber noch längst nicht so weit, ins Kloster zu gehen! Hilfe, nein! Widerstand und Angst waren immer noch da.

Trotzdem habe ich mich nach einigen inneren Kämpfen des Hin und Her entschieden, Sr. Johannas Einladung zum Ostertreffen für junge Leute anzunehmen und von Hamburg in die Schweiz zu fahren. Äußerlich, weil ich Sr. Johanna gerne wieder sehen wollte und mich das An-gebot, eine schöne Kar- und Osterliturgie mit jungen Leuten zu feiern gereizt hat. Innerlich entscheidend war aber der Gedanke, dass sich mir die Gelegenheit bot, ganz inkognito – ohne sich als Interessentin für das Ordensleben zu outen – das Kloster kennen zu lernen. Diese Gelegenheit wollte ich nicht ungenutzt lassen.

Es wurden sehr intensive, anstrengende, schöne Tage in einer kleinen Gruppe von jungen Menschen, viele Begegnungen, Eindrücke, Gespräche, Aufregung, Gefühle...

Gleich als ich ankam, eigentlich das erste, was ich vom Kloster sah, war eine wunderschöne Muttergottes-Statue von Fatima, die mir sehr gefiel. Und mir kam spontan der Gedanke: Oh, Mama, hier bin ich zu Hause!

Dann hat mich die Gemeinschaft menschlich angesprochen. Die Schwestern waren mir sympathisch! Und dieses Einssein im Geiste, die „spirituelle“ Übereinstimmung, die ich schon im Gespräch mit Sr. Johanna gemerkt hatte, bestätigte sich: Das, was der Gemeinschaft am Herzen liegt, die Liebe zum Papst und zur Kirche, eine Oase des Glaubens sein zu wollen, besonders auch für Jugendliche, war auch für mich von zentraler Wichtigkeit und gerne wollte ich aktiv mittun.

Alles in allem wurde mein Herz immer wieder angesprochen, und ich fühlte so etwas, wie ein Verliebtsein.

Und es meldeten sich auch die schmerzlichen Gedanken des Verliebtseins: Das Erleben der verschlossenen Tür, der Klausur von außen. Akzeptieren zu müssen, ich habe die Schwestern zwar gern, aber sie stehen nicht zu meiner Verfügung. Sie gehören nicht mir, sondern sie gehören Gott.

Dann die bange Frage: Wollen die mich überhaupt? Die brauchen mich ja gar nicht! Schließlich sind sie ein perfektes Team zu viert, zwei und zwei im Chorgebet, das klingt doch ausgewogen gut. Doch dieser Einwand meinerseits wurde gleich auf dem Treffen entkräftet, und inzwischen weiß ich, dass wir noch lange nicht genug sind.

Auf der langen Heimreise, als mir all das Erlebte noch einmal durch den Kopf ging und geordnet wurde, sagte mir neben der Gefühlsseite auch der Verstand klar: Hier geht’s lang! Eine große Freude überkam mich jetzt, den Weg zu sehen, zu sehen, wo mein Schatz zu finden war, und gedanklich bereitete ich schon die nächsten Schritte vor.

Nun ging es ja darum, alles zu verkaufen, um den Acker mit dem Schatz kaufen zu können. Dass praktisch alle mir Nahestehenden meine Sehnsucht wahrgenommen hatten, war für mich einerseits eine Bestätigung meiner Berufung, andererseits erleichterte es mir die nächsten Schritte des Mitteilens.

Aber vorerst musste/wollte ich wiederkommen ins Kloster, um die Gemeinschaft näher kennen zu lernen. So meldete ich mich für einen 10-tägigen Aufenthalt im Sommer an. Während diesem Aufenthalt habe ich dann aus ganzem Herzen „ja“ gesagt zu Gott, zu der Gemeinschaft, zu diesem Weg.

Bisher waren für mich Unsicherheit und Unfähigkeit, zu handeln, Charakterzüge gewesen. Deshalb zeigte mir dieser Mut, diese Sicherheit und Bestimmtheit noch ein-mal, dass Gott am Werke war und ist. Gut drei Monate später bin ich dann in die Schweiz gezogen und habe mein Postulat begonnen.

Der nächste große Schritt war für mich die Aufnahme ins Noviziat am 24. April 2010. Das bedeutete loslassen, nicht wie beim Eintritt ins Kloster „nur“ von äußerlichen Dingen, von Familie, Beruf, Heimat; sondern loslassen von mir selbst, von meinen Haaren – der Pferdeschwanz wurde mir bei der Einkleidung abgeschnitten –, von meinem Taufnamen. Auch innerlich musste ich loslassen von meinen Vorstellungen und Gedanken, ich selbst könnte meine Pläne, die ich mit Gott hatte, verwirklichen. Und beim Loslassen meiner selbst durfte ich erfahren, wie sehr ich vom Herrn beschenkt wurde, dass Er für alles sorgt und er es ist, der mich beruft und befähigt, der Berufung zu folgen. So durfte ich mich mit dem Schleier, dem Ordenskleid und meinem neuen Namen während der Einkleidungsfeier beschenken lassen.

Während meiner Noviziatszeit hieß es, die ganz persönliche Berufung immer mehr zu erkennen und zu leben.

Zwei besondere Gnaden wurden mir, bzw. unserer ganzen Gemeinschaft, in dieser Zeit zuteil. Die erste: Ich durfte bei einer bekannten, griechischen Ikonenmalerin mit dem Erlernen der griechisch-byzantinischen Ikonen-malerei beginnen. Ikonenmalerei hat nach orthodoxem Verständnis Gottesdienstlichen Charakter. Man begibt sich selbst aktiv hinein mit seiner ganzen armen, menschlichen Natur und wird so miteinbezogen, hineingezogen in die Ordnung, in das schöpferische und erlösende Handeln Gottes. Es war ein ähnliches Erlebnis, wie ich es bei meinem Eintritt mit der Liturgie erlebte. Die Gemeinschaft hatte vor kurzem auf die außerordentliche Form umgestellt, die mir gänzlich unbekannt war. Trotzdem war ich vom ersten Augenblick an fasziniert, weil bei dieser Form (die mit der byzantinischen Liturgie einiges gemeinsam hat) die Teilnahme an der himmlischen Liturgie sehr spürbar ist. Auch hier ist es ein Sich-hineingeben, um gleichzeitig getragen zu werden und immer tiefer in das Geheimnis unseres Glaubens eintauchen zu dürfen.

Die zweite große Gnade war, dass Gott unsere Gemeinschaft auf wunderbare Weise an den Ort führte, den er für uns bestimmt hatte. Unsere Schwesterngemeinschaft lebte im Thurgau, eingemietet in eine Niederlassung einer anderen Gemeinschaft und suchte seit geraumer Zeit nach einem eigenen Kloster auf einem Berg – so unsere Vorstellung. Doch ganz unerwartet führte uns der Herr – durch den Hinweis eines Teilnehmers der Oster-treffen – am 30. Oktober 2010 in eine idyllische Talsenke am Fuß des Jura-Naturschutzgebietes, gleich hinter Aarau gelegen und doch wie eine Alp zwischen Wälder und Wiesen eingebettet: das Laurenzenbad. Ein strahlend blauer Himmel ließ die bunten Herbstwälder in ihren schönsten Farben leuchten und auf den noch saftigen Wiesen weideten friedlich die Schafe. Wir alle machten die gleiche innere Erfahrung: Das ist geweihte Erde, hier will der Herr uns haben!

Und das Wunder geschah: Im August 2011 konnten wir bereits einziehen. Und am 31. März 2012 – es war der Vigiltag zum Palmsonntag, an dem die heilige Clara ihr Elternhaus heimlich verlassen hatte – durfte ich die einfache Profess in die Hände unserer Frau Mutter ablegen und dein braunen Professschleier empfangen.

Ich bin sehr dankbar und glücklich, hier an dieser dem heiligen Laurentius geweihten Stätte sein zu dürfen, an der im Verborgenen eine Heilquelle entspringt – materiell und geistlich – um mit meinem ganzen Wesen Gott und den Menschen zu dienen. Und zusammen mit meinen Schwestern hoffe ich auf weitere Mitarbeiterinnen, die das Haus des Herrn wieder aufbauen, nach dem Beispiel des heiligen Franziskus

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Glaubenswege: Mein Weg ins Ordensleben
Herausgeber: Petra Lorleberg
Vorwort von Abt Maximilian Heim OCist
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Papst Franziskus hält hier das Buch “Glaubenswege. Mein Weg ins Ordensleben“ in seiner Hand:




kath.net-Redakteurin Petra Lorleberg wird von Sr Michaela Gehard über das Buch ´Glaubenswege: Mein Weg ins Ordensleben´ interviewt (Radio Maria Österreich)