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Das Märchen von den sieben Kirchenvolks-Zwergen

14. Juni 2013 in Deutschland, 17 Lesermeinungen
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Der deutsche Ableger der Anti-Rom-Gruppe "Wir sind Kirche" bezeichnet sich als Kirchenvolksbewegung. Im Hintergrund gibt jedoch nur eine Handvoll Aktivisten in einigen Bistümern. Eine kath.net-Recherche von Johannes Graf


München (kath.net/rn/jg)
Die Gruppe „Wir sind Kirche“ (WSK) bezeichnet sich selbst in Deutschland als „KirchenVolksBewegung“, von der KNA (Katholischen Nachrichtenagentur) wird dies in den Berichten immer wieder unkritisch übernommen. Die Gruppe ist aus dem 1995 durchgeführten „KirchenVolksBegehren“ hervorgegangen, das damals mehr als 1,8 Millionen Unterschriften erhielt. 1,5 Millionen Unterzeichner, das sind circa 83 Prozent, bezeichneten sich als „römisch katholisch“. In Deutschland gab es im Jahr 1995 mehr als 27 Millionen Katholiken.

„Wir sind Kirche“ versteht sich nach eigenen Angaben als „Stimme des Kirchenvolkes“. Dies werde durch „internationale Studien renommierter Religionssoziologen“ immer wieder bestätigt, ist auf der Internetpräsenz der Gruppe zu lesen. Als Beleg gibt es einen Link zu einer Untersuchung aus dem Jahr 1996, die für Deutschland Zustimmungsraten von 71 Prozent (Frauenordination) bis 83 Prozent (verheiratete Priester) für einige der Forderungen des Kirchenvolksbegehrens angibt.

Wen die Gruppe „Wir sind Kirche“ tatsächlich vertritt, ist nicht eindeutig zu ermitteln. Dies hat eine Recherche von kath.net bezüglich der Mitgliederzahlen der Bewegung in einzelnen Diözesen ergeben.


Auf konkrete Zahlen legt die Gruppe selbst keinen Wert. „Ihre Frage macht wenig Sinn, denn ‚Wir sind Kirche’ ist – soweit ich weiß – kein Club oder Verein, der auf Mitgliederlisten starrt“, lautete die Antwort der Diözesangruppe von WSK im Erzbistum Köln. Man verstehe sich als Bewegung von Christen, denen die Kirche wichtig ist. „Statistische Zählereien besagen nichts“, heißt es weiter, doch könne man „getrost einige Hunderttausend Menschen vermuten“, die in der Erzdiözese Köln den Zielen von „Wir sind Kirche“ zustimmen würden.

Zum Vergleich: Die kirchlichen Verbände haben im Erzbistum Köln etwa 400.000 Mitglieder, von denen rund ein Fünftel ehrenamtlich tätig ist. Nimmt man die nicht in Verbänden organisierten Personen hinzu, kommt man auf schätzungsweise 200.000 ehrenamtlich tätige Personen.

„Wir sind Kirche“-Augsburg zieht ebenfalls die Statistik heran. Man sei kein Verein, sondern eine „Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche“. Umfragen würden bestätigen, dass 37 Prozent der Katholiken „kritisch loyal“ mit der Kirche verbunden seien. Für das Bistum Augsburg würde das für die Diözesangruppe „einen Zuspruch durch 500.000 Christinnen und Christen“ bedeuten, was als „großer Rückhalt im Volk Gottes“ interpretiert wird.

Ähnlich lauten die Antworten aus anderen deutschen Bistümern. „Durch die besondere Struktur von Wir sind Kirche können wir Ihnen keine Mitgliederzahl im Sinne des Wortes nennen“, heißt es aus der Diözesangruppe des Bistums Limburg. An den regelmäßigen Treffen würden jeweils 50 bis 150 Personen teilnehmen.

Im Erzbistum Hamburg mit 393.000 Katholiken gibt es derzeit keine organisierte WSK-Gruppe. Die 15-20 aktiven ehemaligen Gruppenmitglieder seien weiter im Gemeindeleben ihrer Pfarren tätig. Der Kreis der Interessierten und Suchenden umfasse 300 bis 400 Personen, gibt der Sprecher für WSK in Hamburg an.

Eine ähnliche Größenordnung hat die WSK-Gruppe des Bistums Eichstätt. Bei Veranstaltungen und Aktionen würden sich insgesamt rund 300 bis 400 Personen treffen. Mitglieder gäbe es nicht, weil man kein Verein sei, lautet auch hier die Antwort der lokalen Diözesangruppe. In den offiziellen Verbänden des Bistums Eichstätt sind rund 55.000 erwachsene Mitglieder engagiert, dazu kommen noch etwa 5.000 Jugendliche in den Jugendverbänden.

200.000 Ehrenamtliche gibt es in der Erzdiözese München und Freising. Die Diözesangruppe von "Wir sind Kirche" hat laut einem wichtigen Mitarbeiter des Erzbistums München zufolge aber nur eine Handvoll aktive Mitglieder.

Auch im Bistum Regensburg gibt es nur rund 40 aktive Mitglieder von „Wir sind Kirche“. Dies teilte ein Sprecher des Bistums kath.net gegenüber mit. Gleichzeitig sind mehr als 250.000 Personen in 52 katholischen Verbänden organisiert.

Wie viele Menschen tatsächlich die Ziele von „Wir sind Kirche“ unterstützen und wer die Gruppe mit der Vertretung dieser Personen beauftragt hat, bleibt unbeantwortet. "Wir sind Kirche" scheint die Bestätigung durch soziologische Studien zu genügen.

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