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Bischof Hanke: 'Der Mensch ist Gottes Weg in die Welt'

9. Juni 2013 in Deutschland, 1 Lesermeinung
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Deutschlandweite "Glaubenstournee" von "Kirche in Not": Messe mit griechisch-katholischen Bischöfen aus der Ukraine - Podiumsgespräche über Gottes Heilsplan, Kirchenfeindlichkeit und Ökumene: Wenn sich die wenigen Christen noch untereinander streiten


Eichstätt (kath.net/KIN) Die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine stand am Sonntag im Mittelpunkt eines Begegnungstages des weltweiten katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" in Eichstätt. Angereist waren dazu der Direktor der katholischen Universität Lemberg, Bischof Borys Gudziak (siehe Foto links), und der Sekretär der Bischofssynode der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Weihbischof Bohdan Dzyurakh (rechts).

Der Tag war Teil der deutschlandweiten "Glaubenstournee", die das Hilfswerk "Kirche in Not" anlässlich des 100. Geburtsjahres seines Gründers, des "Speckpaters" Werenfried van Straaten, veranstaltet. Bischof Gregor Maria Hanke (siehe Foto Mitte) eröffnete den Tag mit einem Pontifikalamt in der Schutzengelkirche, das die beiden ukrainischen Bischöfe, zahlreiche Priester und Seminaristen des Eichstätter Priesterseminars und des "Collegium Orientale" sowie etwa 200 Gläubige mitfeierten.

In seiner Predigt betonte Bischof Hanke, das Beispiel Pater Werenfrieds mache Mut, "an die Gegenwart Gottes im Menschen zu glauben". Der "Speckpater" habe begriffen, dass sich Gott nicht in "wohlhabenden Biotopen", sondern bei den armen und notleidenden Menschen aufhalte. "Der Mensch ist Gottes Weg in die Welt", sagte Hanke.

Jeder Getaufte sei dazu berufen, ebenso wie Pater Werenfried ein "Mitarbeiter der Erlösung" zu sein. Der durch die Taufe neu geborene Mensch sei "Gottes Heilsplan für diese Welt". Aus dieser Erkenntnis heraus habe Pater Werenfried nach dem Krieg sein Werk gegründet. "Das Wissen um die Gegenwart Gottes im Menschen ließ Hilfe und Versöhnung ineinander fließen", betonte Bischof Hanke.


Am Nachmittag hatte "Kirche in Not" zu zwei Podiumsgesprächen ins "Alte Stadttheater" eingeladen. Auch dort ging es zunächst um das Leben und Werk Pater Werenfrieds. Die Vorstandsvorsitzende von "Kirche in Not" Deutschland, Antonia Willemsen, berichtete über das große Gottvertrauen Pater Werenfrieds, der oft gegen jede Vernunft darauf vertraut habe, dass Gott ihm die nötigen Mittel für die versprochenen Hilfen zukommen lassen würde. Bischof Hanke erzählte, dass in seiner Kindheit bei Tisch oft die Rundbriefe Pater Werenfrieds, das sogenannte "Echo der Liebe", vorgelesen wurden. Es beeindrucke ihn, dass "Kirche in Not" im Gegensatz zu vielen anderen Hilfswerken "von unten nach oben" entstanden sei. Das Werk sei aus einer Eigeninitiative "der Kirche zugewachsen" und habe damit prophetisch das vorhergenommen, was im Zweiten Vatikanischen Konzil später als "Laienapostolat" bezeichnet worden sei.

Kirchenfeindlichkeit: "Wir sind ein Dorn, den man abschleifen möchte"

Auf die gegenwärtigen Herausforderungen der Kirche in Deutschland angesprochen, beklagte Bischof Hanke eine zunehmende Feindseligkeit von Seiten der Medien. "Wir sind ein Dorn, den man abschleifen möchte", sagte er. "Man möchte uns ausschalten, wir passen nicht ins Bild."

Der Bischof erklärte, katholische Christen gerieten in der sich liberal gebenden deutschen Gesellschaft oft in Bedrängnis. Es herrsche inzwischen ein gesellschaftliches Klima, in dem die Liberalität mitunter totalitäre Züge annehme, so Bischof Hanke. Wer theologisch gegen den Mainstream argumentiere, der werde schnell in die fundamentalistische Ecke gestellt.

Das zweite Podium des Nachmittags beschäftigte sich anschließend mit der leidvollen, aber Hoffnung machenden Geschichte der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine. Bischof Gudziak berichtete, wie seine Kirche während der Sowjetherrschaft verboten und dabei beinahe ausgerottet worden war. "Von über 3000 katholischen Priestern im Jahr 1939 waren nach Jahrzehnten der Verfolgung und Unterdrückung nur noch 300 übrig – alle davon älter als 65 Jahre", sagte er. Obwohl viele deshalb eine Wiederauferstehung der ukrainischen Kirche für unmöglich gehalten hätten, sei Gott dennoch treu geblieben. "Heute haben wir wieder über 3000 Priester – und die meisten von ihnen sind jünger als 38 Jahre", berichtete Bischof Gudziak. Dieses neue Erwachen des Glaubens solle der Kirche im Westen Mut machen, die Hoffnung nicht zu verlieren. "Was man vor 25 Jahren noch für unmöglich hielt, ist heute Wirklichkeit", betonte Gudziak.

Als wichtige Grundlage dieses neu auflebenden Glaubens bezeichnete Weihbischof Dzyurakh die lange Tradition der Hauskirche in der Ukraine. "Durch meine Familie wurde und blieb ich gläubig", betonte er. "Unsere Eltern und Großeltern haben uns den Glauben auch in schwierigen Zeiten vorgelebt."

Ökumene: Lächerlich, wenn sich die weniger werdenden Christen in Europa noch untereinander streiten

Auf die Frage der spannungsreichen Ökumene mit der russisch-orthodoxen Kirche angesprochen sagte Dzyurakh, er halte es mit dem seligen Johannes Paul II., der empfohlen habe: Sei "orthodox (d.h. rechtgläubig) dem Glauben nach und katholisch (d.h. allumfassend) der Liebe nach". Bischof Gudziak fügte hinzu, es sei "lächerlich", wenn sich die oftmals nur noch wenige Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachenden Christen in Europa untereinander streiten, anstatt das Evangelium zu verkünden. "Das Problem sind heute nicht mehr die Konfessionen", sagte Gudziak. "Die Frage ist vielmehr: Werden die Menschen noch auf das Evangelium hören?"

Als Dank für die jahrzehntelange Unterstützung der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine überreichte Weihbischof Dzyurakh der Vorstandsvorsitzenden von "Kirche in Not" Deutschland, Antonia Willemsen, ein Porträt Pater Werenfrieds zu dessen 100. Geburtsjahr.

Die nächste Station der "Glaubenstournee" von "Kirche in Not" wird am Samstag, dem 15. Juni, im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen stattfinden. Das Schwerpunktthema dort wird das ostasiatische Land Myanmar (Birma) sein. Zu Gast ist dann unter anderem der Erzbischof von Rangun, Charles Bo.

Foto: © Kirche in Not


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Lesermeinungen

  11. Juni 2013 
 

Was für ein heilsamer Prozess!

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie heilsam das Leiden ist. Das allzeit größte Heilsgeschehen durch Leid war und ist Christus am Kreuz, der sich in totaler Demut und Hingabe seiner Bestimmung auslieferte, um dann in Herrlichkeit aufzuerstehen.
Kirche und Welt stehen vor einem Leidensweg. Aber die Strahlen des Heils sind am Horizont bereits sichtbar.


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