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Bischöfe Europas: Werte-Grundgerüst wird zunehmend ausgehöhlt

6. Juni 2013 in Chronik, 5 Lesermeinungen
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Online abrufbarer Bericht zeigt gesetzliche Diskriminierung von Christen in Europa auf - Rat der Bischofskonferenzen besorgt um Situation des Rechts auf freie Religionsausübung


St. Gallen-Wien (kath.net/KAP) Es gibt in Europa eine Tendenz, die aus rechtlicher Sicht versucht, grundlegende Werte und Rechte der Kultur und Gesellschaft neu in Frage zu stellen. Diese Sorge hat der Rat der Bischofskonferenzen in Europa (CCEE) in einer Aussendung geäußert, die auf den online abrufbaren Jahresbericht 2012 des bei der CCEE eingerichteten "Observatoriums zur Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Christen in Europa" Bezug nimmt. Neben den auffälligen, medienwirksamen Verletzungen der Religionsfreiheit zeige dieses Dokument auch die gesetzlichen Einschränkungen auf, mit denen Christen zunehmend konfrontiert sind, so der Bischofsrat.

Es sei "grundlegendes Recht", den eigenen Glauben "zu leben und zu bezeugen im Respekt vor der Freiheit und Sensibilität der anderen", stellte die Vereinigung der 33 Bischofskonferenzen Europas in ihrem Schreiben fest. Dieses Recht beeinträchtige "in keiner Weise" das friedliche Zusammenleben der Bürger, sondern stelle im Gegenteil dazu ein wertvolles Gut dar, "das, wenn es bewahrt wird, zur Quelle des Friedens und der Bereicherung für alle wird: Gläubige und Nichtgläubige, Christen und Nichtchristen", formulierten die Bischöfe.


Beschnittene Freiheiten

Der von der CCEE zitierte Bericht wurde erstmals Ende Mai von Observatoriums-Leiterin Gudrun Kugler bei einer internationalen OSZE-Konferenz in Tirana präsentiert. Kugler führte hier 41 dokumentierte Fällen, bei denen sich die nationale Gesetzgebung von insgesamt 15 EU-Staaten nachteilig für Christen auswirkt. Die aufgezeigten legalen Hürden verstoßen etwa gegen die Gewissens-, Rede- und Versammlungsfreiheit, diskriminieren bei der Gleichbehandlungs-Gesetzgebung oder schränken die Elternrechte ein.

So ist es in östlichen EU-Ländern beispielsweise sehr schwierig, Kirchen zu registrieren und ihr Eigentum zu schützen, für ausländischen Klerus Visa zu bekommen oder Priester auszubilden. In mehreren westlichen Staaten hingegen hindern Gesetze gläubige Christen daran, religiöse Symbole zu tragen oder die eigene Religionszugehörigkeit zu erwähnen, zudem sind christliche Pflegekräfte, Ärzte und Unternehmer teils zu Handlungen oder Diensten gezwungen, die ihrem Gewissen widersprächen, wodurch innere Konflikte vorprogrammiert sind.

Angriff auf ethische Grundsätze

Bei vielen dieser in der Öffentlichkeit kaum beachteten Verstöße gegen die Religionsfreiheit gehe es nicht um eine Diskriminierung der Mehrheit oder des Mainstreams, erklärte Kugler, sondern vielmehr jener Gruppe, "die versucht, nach den hohen ethischen Grundsätzen des Christentums zu leben". Ein Beispiel seien auch Eltern, "deren Kinder zu Formen der schulischen Sexualerziehung gezwungen werden, die im völligen Gegensatz zu ihren eigenen Überzeugungen stehen", veranschaulichte die Expertin.

Für eine Zunahme derartiger Vorfälle spricht neben den Observatoriums-Vergleichszahlen u.a. eine von Kugler zitierte britische Studie, der zufolge rund zwei Drittel der Menschen Christen in Politik, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum und in den Medien "immer mehr an den Rand gedrängt" sehen, wobei die Marginalisierung von Christen zumindest in der Wahrnehmung stärker ausfalle als jene von Andersgläubigen.

Vandalismus besonders bei Kirchen

Neben gesetzlicher Diskriminierung gibt es jedoch auch Intoleranz gegenüber Christen, von denen die in Wien beheimatete Beobachtungsstelle im vergangenen Jahr 169 beispielhafte Fälle dokumentiert hat, "darunter Hassverbrechen, negative Stereotypisierung und Exklusion". Das französische Innenministerium hat 2010 berichtet, dass 84 Prozent des in Frankreich dokumentierten Vandalismus gegen christliche Kultstätten gerichtet war.

Die Regierungen sollten gezielter auf das Phänomen der Intoleranz gegen Christen achten, so die Empfehlung Kuglers, die konkret ein "vernünftiges Entgegenkommen" riet: Speziell bei Themen, bei denen Konflikte zwischen gläubigen Menschen und dem religiös eher distanzierten Mainstream zu erwarten sei, sollte Religion in der Gesetzgebung miteinbezogen werden. Darüber hinaus sei es Aufgabe der Außenpolitik, auch Christenverfolgung in anderen Ländern wahrzunehmen und ihr gezielt entgegenzuwirken.

Weitere Informationen unter www.intoleranceagainstchristians.eu


Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich


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