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Kardinal Turkson: Gute Geschäfte sind gut für das Gemeinwohl

5. Juni 2013 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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"Sozialminister" des Vatikans: Führungsverantwortung ist eine Berufung - Glaube und Geschäft kein notwendiger Gegensatz


Dortmund (kath.net/KAP) Unternehmertum hat eine geistliche Dimension, die Führungskräfte der Wirtschaft nicht übersehen sollten: Das hat Kardinal Peter Turkson, Leiter des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, beim 7. Unternehmertag der "Kommende Dortmund" erklärt. Der Kurienkardinal lud die Unternehmer dazu ein, Herausforderungen und Chancen im Berufsalltag zu sehen, sie im Lichte sozialethischer, vom Evangelium inspirierter Perspektiven zu beurteilen und der Verantwortung entsprechend zu handeln. "Bezeugen Sie durch Ihr Handeln, dass Glaube und Geschäft keine Gegensätze sein müssen", so Turkson.

Führungsverantwortung sei eine Form der Berufung: "Gott ruft die Unternehmer gewissermaßen dazu auf, in je ihrem professionellen Umfeld nichts weniger als sein Schöpfungswerk fortzusetzen." Unternehmen, die so geführt seien, würden selbst in Krisenzeiten erheblich zum materiellen Wohlergehen einer Gesellschaft beitragen. Ob das gelinge, sei letztlich eine Frage der persönlichen Einstellung: Wenn persönliche Überzeugungen und religiöse Einstellungen in der alltäglichen Unternehmenspraxis nicht beachtet würden, würde dies laut Turkson einer "gespaltenen Lebensführung" gleichkommen.


Als Alternative empfahl Turkson das Modell einer "dienenden Führung", das sich um den Einklang praktischer Fragen der Leitung und Führung mit persönlichen Überzeugungen bemühe. Methodisch könne man sich dabei an den Dreierschritt "Sehen-Urteilen-Handeln" halten, verwies der Kardinal auf die Broschüre "Zum Unternehmer berufen", mit der sein Rat Unternehmern Entscheidungshilfe und Orientierung bieten wolle. Ziel dieser Handreichung sei es gewesen, den "Schatz der Katholischen Soziallehre für die praktisch-ethische Orientierung im Berufsalltag" zu heben.

Blick auf das Ganze suchen

Um zunächst "wahrzunehmen, was ist", skizzierte Turkson als "Zeichen der Zeit" die Ambivalenz der Globalisierung, der modernen Kommunikationstechnik, der weltweiten Finanzmärkte und der tiefgreifenden kulturellen Veränderungen: Kultur- und Mentalitätswandel mache sich stets auch im Berufsalltag bemerkbar und belaste oft das Arbeitsklima, wie etwa der Erfolgsdruck bei Führungskräften, überzogenes Anspruchsdenken der Mitarbeiter oder die Forderung unmittelbarer, billiger Bedürfnisbefriedigung der Konsumenten. "Ansprüche sind wichtiger geworden als Pflichten, und der Blick aufs Ganze geht verloren", so die Diagnose des vatikanischen "Sozialministers".

Das "Urteilen" erfordere grundlegende Orientierungen für den Unternehmensalltag: Unternehmen sollten "Güter produzieren, die wirklich gut sind, und Dienstleistungen anbieten, die wirklich dienen", da dies dem Gemeinwohl diene, so der Kardinal. Weiters gehe es um Solidarität mit Armen durch das Eingehen auf die Bedürfnisse Unterprivilegierten und Unterversorgter, um den Beitrag zu einem "Klima des Miteinanders" im Betrieb etwa durch menschenwürdige Arbeitsbedingungen, sowie das Umsetzen von Partizipation, verantwortungsvoller Verbrauch von finanziellen, menschlichen oder natürlichen Ressourcen und Beteiligung aller am Unternehmenserfolg.

Handeln braucht Prinzipien

Führungskräfte sollten schließlich Erfolg und Wert ihres Handelns nicht nur an der Rendite messen, sondern auch daran, ob praktische Grundprinzipien zur Anwendung kommen, rief der Kardinal auf. Dazu gehöre vor allem jenes der Menschenwürde, bei dessen Umsetzung Menschen nicht als Arbeitskraft, sondern ganzheitlich und in sozialen Bezügen gesehen werden, "besonders die in ihrer personalen Würde Missachteten". Als Beispiel nannte Turkson Arbeitslose, Wenigverdiener, Jugendliche ohne Abschlüsse und Migranten, jedoch auch Geschäftspartner in anderen Ländern: "Denken Sie nur an die verheerenden Brände in Textilfabriken in Bangladesch, in denen auch für europäische Unternehmen gearbeitet wurde."

Das "Gemeinwohlprinzip" verlange hingegen, soziale Folgen eigener Entscheidungen im Blick zu haben. Erfolg dürfe nicht zu Lasten von Zulieferern und deren Beschäftigten, von Kunden, eigenen Mitarbeitern oder der Umwelt erzielt werden, sondern solle vielmehr zu besseren Lebensbedingungen der Menschen und zur Förderung ihrer Entwicklung beitragen. Subsidiarität als drittes Prinzip erfordere, Mitarbeiter zu beteiligen statt sie durch grundlosen Verantwortungsentzug zu entmündigen. Zugleich bedeute es auch, untergeordneten Ebenen bei Überforderung beizustehen, zu unterstützen und zum Einbringen ihrer Kompetenzen, Kräfte und Talente zu befähigen, so der Kardinal.

Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich


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