16 Mai 2013, 11:30
Was ganz Europa dringend braucht
 
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Europa braucht Politiker, die um die Mehrheiten wissen, aber selbst über Wissen und Überzeugung verfügen und dann das Rückgrat haben, für diese einzustehen. Ein kath.net-Klartext von Weihbischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Der Kanzlerkandidat der SPD hat sich kürzlich über das hervorragende, wissenschaftlich sauber gearbeitete Buch von Gabriele Kuby „Die sexuelle Revolution“ höchst abfällig geäußert: Er und seine Mitarbeiter könnten sich mit keiner einzigen ihrer Thesen identifizieren.

Sein Gegenargument ist das „vorwiegende Meinungsbild der Deutschen“, wie es die „Neuesten Umfragen“ belegen.

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Was die Kritik von Frau Kuby an der Idee einer „Homoehe“ betreffe – ein Liebkind-Thema bestimmter Politiker -, „spreche sie einem großen Teil der Bevölkerung das Recht auf Familie“ ab.“

Natürlich tut sie das nicht, und außerdem kümmert sich Steinbrück offenbar nicht um empirische Daten, wenn er dabei von einem „großen Teil“ der Bevölkerung spricht, zumal die ohnehin kleine Gruppe der Homosexuellen in der Mehrzahl gar keine „Ehe“ will.

Aber wirklich schlimm ist seine Berufung auf die „Meinung der Mehrheit“, nach der er sich richten zu wollen scheint, sicher auch als Regierungschef.

Denn dann könnte man auch einen Computer die Gesetze machen lassen, wenn man ihn mit den „Meinungen“ der Leute gut gefüttert hat. Der Computer-Kanzler könnte dann ausspucken, wie die Gesetze auszusehen haben, um der Mehrheit zu entsprechen.

Steinbrück selbst wird hoffentlich in vielen anderen Fragen über Erfahrung und Wissen verfügen, aber wenn es um fundamentale Fragen des Lebens geht, hat er offenkundig keine Ahnung und beruft sich hilflos auf „Mehrheiten“.

Wenn dieser Mann wirklich Kanzler würde, wäre es eine Katastrophe für Deutschland und ganz Europa. Er würde treiben hilflos auf den Wellen der öffentlichen Meinungen treiben wie ein Boot ohne Steuer und ohne Steuermann vor dem Kentern. Ein höchst gefährlicher Zustand für ein Land. Vor allem dann, wenn man bedenkt, was „Mehrheiten“ in der Geschichte schon gewollt haben – zum Beispiel den nationalen und den realen Sozialismus. Und wie leicht sich Mehrheiten von Populisten herstellen lassen.

Die Gefahr einer Diktatur unter irgendeinem neuen Vorzeichen wird riesengroß. Wehe uns allen, wenn irgendeine Mehrheit diesen Mann oder wie er „denkende“ Leute an die Macht bringen sollte.

Aber leider muss man sagen: Auch in angeblich „christlichen Kreisen“ dringt diese Ideologie ein, wenn man hört, dass der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von der CDU sagt, man müsse „die veränderten gesellschaftlichen Realitäten anerkennen.“ Das ist derselbe Irrtum, der offenbar mehr und mehr die Hirne der Politiker vergiftet.

Als Papst Benedikt XVI. im Bundestag über das Gesetz der Weisheit Gottes in der Wirklichkeit sprach, haben die Damen und Herrn offenbar nur geklatscht, aber nichts verstanden, soweit sie überhaupt zugehört haben.

Politiker sollten sich bemühen, die schlechten „Realitäten“ zu verhindern oder zu ändern, nicht, sich ihnen unterwerfen. Das hatten wir nämlich schon und es führte zu dem Grauen, das wir angeblich „nie mehr wieder“ zulassen wollen.

Was ganz Europa dringend braucht: Politiker, die um die Mehrheiten wissen, aber selbst über Wissen und Überzeugung verfügen und dann auch noch das Rückgrat haben, für diese einzustehen sogar, wenn sie sich dabei gegen die „Mehrheit“ entscheiden müssen. Wir brauchen Männer und Frauen mit Hirn und Gewissen, die zwischen Wahr und Falsch, zwischen Gut und Böse endlich wieder zu unterscheiden wissen. Das gilt nicht nur für Deutschland und Österreich, das gilt für die ganze Welt.







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